Kulturdenkmal in Rabenstein soll abgerissen werden

 

Der ehemalige Kulturpalast der Wismut AG in Rabenstein soll der Abrissbirne weichen. Schon regt sich erster Protest in der Bevölkerung, wie nachstehender Brief an die Chemnitzer OB Barbera Ludwig beispielhaft zeigt:

Einwand gegen den geplanten Abriss des Kulturpalastes.

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,

in oben genannter Sache wende ich mich vertrauensvoll an Sie, um nicht wiedergutzumachende schwere Fehler in Entscheidungen der Stadt Chemnitz zu verhindern.

Zu meiner Person, ich bin 47 Jahre alt und gebürtiger Rabensteiner. Neben meiner Elektrofirma, Elektrotechnik Peter Barthel betreibe ich, gemeinsam mit Herrn Jens Arnold den Campingplatz in Rabenstein. Darüber hinaus war ich auch schon in der Kommission Erholungswesen und Tourismus seinerzeit unter Ernst Martin, für die Stadt und ihre Besucher aktiv.

Über die Tagung der Rabensteinrunde, an welcher wir als Campingplatzbetreiber beteiligt sind, ist mir zu Ohren gekommen das der Kulturpalast in Rabenstein einem Hotelneubau weichen soll. Dies bitte ich Sie entschieden und mit allen Mitteln zu verhindern.

Der Kulturpalast ist nicht nur ein Baudenkmal der frühen Nachkriegsgeschichte (aus dieser Zeit gibt es kaum vergleichbares in Deutschland), sondern auch ein Denkmal der Wismutzeit in der DDR. Wie hoch das Interesse für solche Bauwerke in Europa ist, wurde uns erst durch die Nachfragen von In- und Ausländischen Touristen auf unserem Campingplatz bewusst. Da es zu der Geschichte des Palastes kaum noch Material gibt habe ich schließlich selbst einiges recherchiert und auf unserer Internetseite www.campingplatz-rabenstein.de veröffentlicht. Die Resonanz darauf war riesig, selbst die Filmstudios von Babelsberg haben bei uns angerufen und sich nach dem Haus erkundigt. Wir hatten in diesem Jahr bereits über 75000 Seitenaufrufe, die Kulturpalastseite ist mit Abstand die meist Besuchte, noch weit vor allen anderen beschriebenen Sehenswürdigkeiten!

Bei meinem Beruflichen Umgang mit Touristen aus aller Welt ( wir konnten in diesem Jahr u.a. schon Gäste aus Neuseeland, Australien, Island begrüßen) konnte ich feststellen das, das Interesse an der DDR Vergangenheit, und deren historischen Bauwerken groß ist, ich behaupte zu sagen größer als an einem „Gunzenhauser Museum“ (was dieses nicht abwerten soll!). Es spielt für die Geschichtsinteressierten auch kaum eine Rolle ob die Objekte saniert oder im verfallenen Zustand sind, es ist also durchaus möglich „Ruinen“ zu vermarkten. Beispielsweise in Nürnberg wird mit dem ehem. Reichsparteitagsgelände die Hinterlassenschaft einer viel schlimmeren Diktatur touristisch mit Erfolg verkauft. Warum sollte ähnlichen nicht mit dem ehem. „Kulturpark der Werktätigen“ am Pelzmühlenteich möglich sein?

Unser Bundespräsident Horst Köhler mahnte erst kürzlich recht treffend mehr Achtung vor den Lebenswerken der Menschen im Osten an, der Kulturpalast welcher in einer schweren Zeit als selbst die Städte im Westen noch in Schutt und Asche lagen größtenteils von Frauen errichtet wurde, steht als Beweis für eben dieses wirken der Kriegsgeneration.
Die Wismutkumpel in den Schächten, von welchen nicht wenige ihren Job mit den Leben bezahlten, haben das Haus mit unbezahlten Sonderschichten finanziert. Ein Abriss käme der Sprengung der Leipziger Universitätskirche zu DDR Zeiten gleich.

Ganz nebenbei stellt sich die Frage ob wir denn wirklich noch ein Hotel brauchen? Das Burghotel in Rabenstein, ehemals ein renommiertes Haus steht seit Jahren leer und verfällt. Das Hotel Schloss Rabenstein wurde geschlossen. Das Hotel Pastell direkt hinter dem Kulturpalast, wurde ebenfalls aus Rentabilitätsgründen umgenutzt. So dann trotzdem jemand ein Hotel bauen will so gibt es wohl mehr als genügend Brachen welche sich dafür mindestens genau so gut eignen wie das besagte Grundstück des Kulturpalastes. Ein Hotel bringt unter dem Strich keinen einzigen Touristen mehr in unsere Stadt, hingegen der erste Kulturpalast der DDR auf jeden fall, ganz egal mit welchem Nutzungskonzept!

Sicher gibt es in Rabenstein geteilte Meinungen was die Erhaltung des Kulturpalastes angeht, vor allem in der UBR (Unabhängigen Bürgerinitiative Rabenstein) um Herrn Reuter favorisiert man einen Abriss des Gebäudes. Diese Einstellung resultiert nicht aus einer Ablehnung des kulturhistorischen Hauses an sich, sonder aus der Angst es könnte ein von Jugendlichen genutztes Zentrum entstehen welches Unruhe in ihr Wohnumfeld bringt. Die Meinung der Herren ist allerdings für Rabenstein nicht repräsentativ, haben diese sich doch bis jetzt gegen jede Jugendaktivität in unserem Stadtteil gewandt. Gerade die im Kulturpalast stattgefundenen Fiestaveranstaltungen bewiesen das selbst ein großes Musikevent in dem Haus möglich ist ohne jemanden zu belästigen, es gab keine mir bekannten Beschwerden darüber weder wegen Lärm noch wegen Müll, Randalen oder anderen unschönen Dingen. Die Abrissfanatiker werden behauptend das Gebäude sei beim Studioeinbau ende der 60er Jahre Entkernt worden, doch dies trifft lediglich auf den großen Theatersaal zu. Ich habe selbst einige Zeit in dem Haus, im Bereich Haustechnik gearbeitet und weiß dass beispielsweise der Rosettensaal, wie auch das Foyer sich ohne riesigen Aufwand in den Originalzustand versetzen lassen. Selbst die Originaldecken sind unter den in der Studiozeit eingezogenen DDR Stuckdecken noch vorhanden.

Deshalb nochmals die Bitte verhindern Sie den geplanten Abriss unsers Kulturpalastes, er soll als Denkmal auch unseren Kindern noch zugänglich sein und ihnen seine Geschichte, die eines außergewöhnlichen Baus, errichtet in schwerster Zeit, ihnen vermitteln.

Mit freundlichen Grüßen,

Peter Barthel

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5 Kommentare zu Kulturdenkmal in Rabenstein soll abgerissen werden

  1. Gert Rehn sagt:

    Kommentar zum Artikel von Peter Barthel:

    Eh. Kulturpalast in Rabenstein – Erhalt oder Abriss?

    Der letzte Kaufinteressent, Herr Jörg Unger aus Chemnitz hat sich für immer zurückgezogen, da sein Nutzungskonzept keine Reaktion bei der Stadt zeitigte.
    Ein anderer Herr Unger wird inzwischen hofiert, weil er die letzten Restflächen im Zentrum zubauen will, am Ende mit hohen Kosten für Bürger und Rathaus.

    Den Kulturpalast zu erhalten und einer wirtschaftlichen Nutzung zuzuführen ist wahrlich nicht einfach. Von der Stadt ist finanziell nichts zu erwarten, jedoch wäre hier Rückenwind für einen neuen Betreiber nötig, um keine bürokratischen Steine in den Weg zu legen. Die bisherigen Veranstaltungen haben gezeigt, dass die Jugendlichen sehr wohl diszipliniert und verantwortungsvoll mit dem Haus umgehen konnten, ohne die Nachbarschaft zu belästigen.

    Man muss jetzt fragen: wer ist der Besitzer? Er nimmt sicher gern die Million des neuen Abrissinteressenten entgegen. Dieser wird so lange Abrissanträge stellen, bis das RP die bekannte Zustimmung wegen Unwirtschaftlichkeit erteilt.
    Das kennen wir doch zur Genüge.

    Was ist zu tun? Nach meiner Ansicht sollte sich schnell ein Verein gründen, der über Sponsoren und Kredit das Haus kauft. Wird die Gemeinnützigkeit des Betreiberkonzepts nachgewiesen und passt das in die Naherholungszone dort, wäre eine dauerhafte Sicherung möglich.

    Die Bürger, die für den Erhalt sind, sollten sich engagieren. Im Hallenbad gegenüber waren etwa acht verschiedene Vereine (Tauchsport, Schmimmclub, Carolabad usw.) zugange, aber die Proteste reichten nicht aus. Heute wird das Bad immer noch vermisst und die Schulkinder werden durch die ganze Stadt gekarrt zum Schwimmen. Die Entscheidungen der Stadt waren und sind oft dem
    kurzfristige Denken und der Halbherzigkeit geschuldet.

    Kulturpalast, Schwimmbad, Platz davor bis zur Gartenanlage Pelzmühle stehen unter Ensembleschutz und dieser ist nicht so leicht zu knacken wie ein einzelnes Haus. Aber die Zeit läuft und ein neuer kreativer Betreiber muss sich etablieren, im Interesse Vieler. Das Haus ist immerhin in seinem neoklassizistischen Stil ein bedeutender Zeuge der ersten Jahre nach dem Krieg, mit großen Opfern errichtet. Es gibt nicht mehr viele davon.

    Gert Rehn, Stadtforum Chemnitz
    13.07.2008

  2. Andreas sagt:

    Hallo liebe Mitglieder des Stadtforums Chemnitz,

    Ich bin erschüttert über diese Mitteilung, dass der Kulturpalst abgerissen werden soll! Dabei ist es völlig nebensächlich aus welchen Grund dies passieren soll. Dass eine Genehmigung seitens der Stadt auch nur ansatzweise in Erwägung gezogen wird ist beschämend.
    Der Kulturpalast ist selbst ungenutzt von unschätzbaren Wert für unsere Stadt und unsere Geschichte. Nur engstirnige, provitgeile und extrem kurzfristig denkende Menschen würden dieser Maßnahme zustimmen.
    Dies muss dringend an die Öffentlichkeit gebracht werden. Den Bürgern der Stadt Chemnitz muss die in Vergessenheit geratene Einmaligkeit des Ensembles wieder in Erinnerung gerufen werden. Nur durch öffentlichen Druck kann dieses Verbrechen an unserer Kultur und Geschichte gestoppt werden.
    Chemnitz steht bereits seit geraumer Zeit im Blickpunkt der Medien wenns um unnötigen Abriß historisch wertvoller Gebäude geht. Das Verschwinden des Kulturpalastes wäre ohne Frage der draurigste Höhepunkt.

  3. Gert Rehn sagt:

    An diejenigen, denen der Erhalt des Kulturpalast wichtig ist,

    Viele sind gegen den Abriss, aber wenige bringen eine tragfähige Konzeption zum Erhalt. Diese ist erst einmal wichtig, um entweder den Investor zu überzeugen, dass er da etwas hat, das er gut vermarkten kann. Oder durch die Konzeption einen Kaufinteressenten zu finden, der den KP abkauft und etwas Gutes daraus macht.
    Die Zeit drängt und gute, finanziell aussichtsreiche Konzepte sind gefragt.
    Es gibt Ideen für Museum (nicht aussichtsreich), ein Gesundheitszentrum (Reha) und anderes. Für Großdisko´s ist wenig Aussicht auf Erfolg.
    Also bitte Gedanken machen und hier einstellen.

    Gert Rehn
    12.11.2008
    Lager oder

  4. Hanna sagt:

    Ja nicht abreißen!!! Der Kulturpalast hat mich als Kind schon immer von außen beeindruckt. Vor ein paar Jahren war ich dort endlich mal drin und finde es einfach nur toll! Leider habe ich kein Nutzungskonzept vorzuweisen, aber wenn ich an die großen Säle denke – dort könnte man Abibälle und Tanzturniere veranstalten, oder sie als Trainigsräume nutzen! Das Flair ist einfach schöner als im überfüllten Chemnitzer Hof oder der kalten Stadthalle… Man könnte einige dieser Räume vermieten für Firmenfeiern oder Hochzeiten. Irgendwas womit man den Charakter der Räume erhalten kann… daher bin ich gegen Museum oder Reha…

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