Öffentliche Forderung an den Bund Deutscher Architekten BDA, anlässlich des 4. BDA- Tages am 7. Juni 2008 in München

Vorgetragen von Jürgen E. Aha im Auftrag des Stadtbild Deutschland e.V. und mehrerer bundesweiter Initiativen für historisches Bauen und Rekonstruktionen.

Wir freuen uns, daß sich der Bund Deutscher Architekten auf seiner Jahrestagung 2008 in München unter dem Rubrum „Zeitmaschine Architektur“ endlich mit dem Thema historisches Bauen und Rekonstruktionen beschäftigt. Der BDA hat wohl erkannt, daß auch er um dieses für unsere Städte und die Menschen, die dort leben und arbeiten so zentrale Thema nicht mehr herumkommt. Im Auftrag von Stadtbild Deutschland e.V. und zahlreicher Verbände, Initiativen und Volksbegehren, richte ich hier am 4. Jahrestag des BDA folgende Forderungen an Sie:

1. Das Prinzip der Rekonstruktion ist nicht neu. Wer sich in der Baugeschichte auskennt weiß, dass Architekten seit Jahrhunderten, ja seit fast 2000 Jahren immer und immer wieder rekonstruiert haben. Der Wunsch nach Wiederaufbau bedeutender Gebäude ist also beileibe kein neues Thema, sondern Teil unserer geschichtlichen Realität. Seit dem erfolgreichen Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche erlebt diese Bewegung eine neue Renaissance. In über 30 deutschen Städten werden derzeit Rekonstruktionen geplant oder umgesetzt. Tendenz stark steigend. Vor diesem Hintergrund fordern wir vom BDA hier und heute, seine Blockadehaltung gegenüber der Rekonstruktion aufzugeben und die Rekonstruktion endlich als gleichberechtigte Bauform zu akzeptieren.

2. Ein bekannter Ausspruch lautet: Die Architektur ist für die Bürger da, nicht für die Architekten. Im Namen der noch aufgeführten Initiativen, Verbände, Vereine und Volksbegehren und im Namen eine überwiegenden Bevölkerung in unseren Städten erwarten wir, daß der BDA entsprechende Resolutionen gegen die Rekonstruktion zurücknimmt, von den Online- Seiten löscht und sich endlich aktiv und konstruktiv in die Diskussion und Umsetzung mit einbringt. Diese Forderung erschließt sich auch auf die Landesverbände und Stadtverbände des BDA, in denen teilweise mit geradezu fanatischem Eifer gegen verschiedene Rekonstruktionspläne gehetzt wird. Wir erwarten ebenso, daß die Ausgrenzung gegen einzelne Architekten, die offen oder verdeckt gefallen an Rekonstruktionsvorhaben aussprechen aufhört.

3. Wir fordern den BDA schließlich auf, auch die wieder aufgekommenen historische Bauformen des sog. New Urbanism zu akzeptieren und ebenso als gleichberechtigte Bauform, vor allem in unseren Innenstädten zu akzeptieren. Unsere Städte brauchen gestalterische Vielfalt und Pluralismus, statt ein Diktat des Bauhauses, welches übrigens aus den 20er Jahren stammt und somit ebenso veraltet ist. Seiten Sie tolerant und liberal. Ohne die Freiheit des Geistes und ohne die Vielfalt ist Kreativität nicht möglich. Damit verbinden wir die Hoffnung, dass die Architektenschaft nun endlich ihre Scheu vor der Rekonstruktion und der historischen Bauweise ablegen und sich aktiv einbringen. Hier gibt es noch viel zu tun, viel zu lernen und im übrigen auch für Sie viel zu verdienen, oft weit über der HOAI.

Wir als Verbände möchten die Konfrontation mit dem BDA gerne beenden. Dies ist unser Friedensangebot von heute. Wir strecken die Hand aus. Es liegt nun an Ihnen, einzuschlagen.

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