GGG zerstört weiterhin Chemnitz

Die verantwortungslose Zerstörung unserer Stadt soll weiter fortgesetzt werden. Wie aus dem Baudezernat zu verlauten war, wird die GGG in Kürze die ersten Lücken in die noch vollständig geschlossene Häuserfront der unteren Zietenstraße reißen. Als erstes müssen die Häuser Nummer 3 und 5 dran glauben.

Bewahrheitet sich die Aussage, wird es dieses Bild des südlichen Sonnenbergauftaktes bald nicht mehr geben. Die Erkenntnis: betriebswirtschaftliches Denken steht weiterhin über kultureller Identität. Offensichtlich nichts dazugelernt.

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7 Kommentare zu GGG zerstört weiterhin Chemnitz

  1. Irmgard Nevoigt sagt:

    Wollen Chemnitzer Bürger kein Wohngrün, um den Strassensmog zu eliminieren?
    Auch ich wohne ca. 50 m von der stark befahrenen Thiemstrasse entfernt, habe aber trotzdem ringsum Bäume und Wiese . unser Plattenbau von 1967 wurde 2003 vorbildlich saniert und gedämmt. es wurde eine sehr schöne grüne Wohngegend seit 1967!
    In den Chemnitzer alten hohen Räumen lässt sich dämmungsmäßig preiswert sicher nicht viel machen, wenn ehemaliger „Stuck“ an den Wänden erhalten bleiben soll.
    Und wer will in solch einer sanierten Strasse ohne Grün wirklich wohnen, denn die Miete würde saniert ins Bodenlose klettern – oder nicht?

    Seht Euch doch Görlitz an, dort wird über kostenloses „Probewohnen“ für frisch sanierte alte Wohnungen geworben, bei Rentnern aus Westdeutschland!
    Das hätte Görlitz bestimmt nicht nötig, wenn die Nachfrage gross wäre!

    http://www.cottbus.de/buerger/rathaus/gb_IV/zis/index.html

  2. Karina sagt:

    Liebe Irmgard – ich gebe ihnen mal einen Tipp. Fahren sie mal nach Leipzig und schauen sich die schönen Gründerzeitviertel da an. Das nennt man heute Lebensqualität. Kein junger Mensch möchte mehr in Plattenbauten leben. Ich unterstelle ihnen einfach mal, dass sie einer Generation angehören, die zu anderen Zeiten groß geworden ist, deshalb muss ich ihre Meinung und Lebensweise akzeptieren. Aber Zeiten ändern sich und wenn Chemnitz nicht für die Zukunft investiert, dann ist es in 20/30 Jahren vorbei. Das wäre doch schade oder?
    Die Politik der Stadt Görlitz ist m.E. ein Sonderfall.

  3. zschopauer152 sagt:

    Liebe Irmgard, man muss aufpassen, dass man den Blick über den Tellerand nicht verliert. Sicherlich lässt es sich in den sanierten Plattenbauten schön ruhig und grün leben. Da kann man sich schnell eine heile Welt aufbauen, in der alles schön ruhig und gemütlich ist. Wenn man noch Edeka oder Lidl gleich vorm Block hat, braucht man dann auch nicht mehr groß durch unsere geschundene Stadt fahren und kriegt nichts von dem Leid mit.

    Was soll denn mit den Altbauten werden, wenn dort wie sie meinen keiner wohnen will? Am besten wir reißen alles ab, so wie es die GGG macht. Das ist nur einfach eine große Dummheit und Kurzsichtigkeit. Ich war gestern mehrmals auf der Reinhardtstraße, dort wurde schon eine Menge abgerissen, sehr traurig. Aber es gibt auch noch eine Menge leerstehender Altbauten. Das Viertel hat einen großen Reiz und noch eine Menge von dem Charme der Gründerzeitviertel. Mit relativ wenig Geld lässt sich da noch viel draus machen. Ohne dieser Viertel würde Chemnitz gewaltig verarmen. Wer interessiert sich schon für Plattenbausiedlungen?

  4. Irmgard Nevoigt sagt:

    Sie haben recht, Görlitz ist ein gut gemeinter Sonderfall, was die Erhaltung der alten Bausubstanz betrifft.
    Denn mehr als 10 Jahre lang flossen und fließen hier jährlich Millionen von Summen von einem nicht genannt werden wollenden Privatinvestor in die gelungene Sanierung des historischen Stadtkerns.

    Allerdings, wo ich von 1945 bis 1953 als Kleinkind in Görlitz als Umsiedlerin aus Chemnitz, ausgebomt 1945 in der Bernsdorfer Strasse, wohnen mußte, nämlich in der Bahnhofstrasse 64 im 3. Stockwerk und
    o h n e einen Sonnestrahl geschweige denn Wohngrün in dieser langen und engen Gründerhaus-Strasse Richtung Blockhaus, da habe ich bis heute noch mit den Folgen einer „Spätrachitis“ zu kämpfen!
    Denken Sie auch daran, eine Sanierung ist immer viel teurer als Neubau.
    Auch eine moderne Umsetzung von Wärmedämmung , Wärmepumpen Solaranlagen etc. ist wohl kaum möglich.
    Ich kann jedenfalls gut die „Klage“ einer mir bekannten nach Görlitz wegen Arbeit gezogenen jungen Lehrerin nachvollziehen, die in solch eine alt-sanierte Wohnung vor zwei Jahren gezogen war und wegen der
    h o h en alten Räume das „k a l t e Grausen“ bei den dadurch entstandenen h o h e n Heizkosten bekommen hat.

    Also mit „Tellerrand-Mentalität“ hat das wohl nichts zu tun, es ist eher
    „eiskalte “ Lebenserfahrung, wo ich aber heute froh bin, das ich als nun Rentnerin gerade diese Vorzüge von kurzen Einkaufswegen und
    „grünem “ Balkon ala Plattenbau nutzen darf !

    Sehr wohl auch verdient, möchte ich sagen, denn immerhin wurden hier in der für heutige Verhältnisse n u r 60 qm Wohnung,
    aber glücklich,
    2 Kinder gross, wo deren Schule gerade auch abgerissen wurde und ihr Kindergarten schon lange als Wohngrün mit Spielplatz genutzt wird.

    Das eine „alt-moderne“ bauliche Lösung aus dem alten

    „Chemnitz-Manchester“ nicht einfach ist,

    weiß ich auch !

    Und wie schwierig es Chemnitz hat, sehe ich an dem alten denkmalgeschützten Diamantwerk-Gebäude in der Nevoigtstrasse, welches bereits 1999 saniert und seither fast ungenutzt leer steht und offenbar immer noch von „Helionparks“ zum Verkauf angeboten wird!

    Meinen Vorschlag zu einer nun endlichen Nachnutzung habe ich ja bereits dem Stadtforum unterbreitet.

    Chemnitzer, macht jedenfalls kritisch weiter so , es ist Eure Stadt und
    E u r e Zukunft!

    Mit herzlichen Grüßen Eure Altchemnitzerin!

  5. Langfristig wird sich Chemnitz genauso entwickeln wie andere Städte, da die Bevölkerung mehr in die Städte zieht. Dann wird Wohnraum gebraucht und es ist ein volkswirtschaftlicher Trugschluss, mit Abriss die Mieten erhöhen zu wollen. Es macht nur die Stadt touristisch uninteressant.

    Es ist doch nicht zu glauben: wie kann man denn jetzt, nachdem diese Häuser den zweiten Weltkrieg und die Zeit danach unbestandet überdauert haben, überhaupt nur an Abriss denken? Man sollte doch froh für jedes noch stehende Bauwerk sein. Das ist doch nur eine Frage der Zeit, in Berlin gab es auch mal Abrissprämien, heute ist man froh für jeden Altbau, da dieses Lebensgefühl definitiv angenehmer ist und einfacher zu vermieten. Ich erinnere an die Bonner Regierungsbeamten: es wurden Neubauten für sie errichtet, sie sind aber in die Mitte, an den Kollwitzplatz gezogen, dort wo es noch keinen Abriss gegeben hat.

    Abriss gleicht dem Brand der Bibliothek von Athen: Geschichte wird zerstört, unwiederbringlich. Aber eine Stadt ohne Erinnerung wird dann bestenfalls zur Hochhaussiedlung mit allen sozialen Nachteilen.

    Hohe Decken sind in 30 Jahren kein Thema mehr: es gibt Strom aus der Sahara und von Seebeck-Elementen (Strom aus Abwärme) – können die Stadtplaner von Chemnitz und die GGG nicht für einen Funken nach vorne denken? Jeder wird sich in 30 Jahren um die Altbauten reissen, da sie immer nur WENIGER werden, nie mehr.

    Hinterhofentkernung war in Berlin immer schon ein Problem, aber Vorderhäuser kann man doch nicht abreissen! Man versucht ja hier gerade wieder die Blockrandbebauung! Das ist ja völlig konträr, völlig ineffizient, da noch Zuschüsse zu geben.

    Ich bitte um Mitteilung, ob Möglichkeiten bestehen, dieses unsinnige Treiben zu stoppen, obgleich ich nicht in Chemnitz ansässig bin.

  6. longlongmax sagt:

    Hallo,

    ich habe Eure Bemerkungen hier gelesen. Ich möchte Euch die Sicht eines Rückkehrers gerne schreiben. Ich bn 91 der Arbeit nach und habe in Bayern und BW gelebt. 19 Jahre sind ne lange Zeit. Nun habe ich Wohnung gesucht, Chemnitz gesehen und mich damit auseinander gesetzt. In so nem Strassenzug wie auf dem Bild, mag ich nicht leben. Selbst mit Sanierung sind die Energiekosten nicht unerheblich, zudem mag ich es in meinem Privatleben ruhig haben. Keine große Straße, grün, relativ ruhig, Niedrigenergie. Kein Plattenbau, da ists selten ruhig, die Wände sind schön hellhörig und oft sind sienur tw. ansprechend saniert.
    Letztendlich ists nun so wie in München und Stgt. – das Umland ist reizvoller zum wohnen. Grüna, Adelsberg, Rabenstein….

    Mir tut es immer sehr leid, wenn alte Häuser zerstört werden, aber nur al zu oft, ist das der sinnvollste Weg. Im Falle Chemnitz gehören eher Plattenbauten reduziert. Ich hab da paar sehr unansprechende gesehen. Man könnte versuchen, durc schlaue Verkehrsführung und -beruhigung alte Viertel sinnvol zu restaurieren und an heutige Bedürfnisse anzupassen.

    vg

  7. kira sagt:

    Genau das ist die unfassbare Logik der GGG: unsanierte Gründerzeithäuser stehen eng an breiten lauten Verkehrsstraßen. In 30 Jahren wird es diesen Verkehr kaum mehr geben, weder so laut, noch so viel in der Masse. Es gibt nun zwei Möglichkeiten:

    1.: Man weiß darum, dass es in absehbarer Zeit viel weniger Individualverkehr geben wird, kümmert sich also um den Erhalt der Gebäude und plant langfristig Verkehrsberuhigungen, oder Umleitungen/Untertunnelungen. Dies KOSTET Geld.

    2.: Man reißt einfach alle Gebäude rund um diese Straßen ab, dann brauch auch niemand mehr in diese lauten Gegenden ziehen, weil keine Häuser mehr da sind. In 30 Jahren besteht Chemnitz ind er Innenstadt folglich wenn der Individualverkehr nachgelassen hat aus breiten ellenlangen Straßen umgeben von weiten Grünflächen, in der Mitte eine Sozialistisch anmutende Paradeeinkaufszone, ein paar Kilometer außendrum sanierte Platten. SCHÖNE NEUE WELT. ein Vorteil hat es jedoch für die GGG zu Vorschlag 1: Es BRINGT Geld

    Meine Prophezeiung: Sollte sich in den nächsten 5-10 Jahren keine Mentalitätsänderung einstellen wird Chemnitz in 50 Jahren eine Geisterstadt sein

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