Nachhaltig entscheiden !

 

Dank Herrn von Carlowitz´ wissen wir heute, was nachhaltig ist, keiner hätte es sonst herausbekommen, dass schon vor 2000 Jahren nachhaltig und dauerhaft von den Römern gebaut wurde, etwa Wasserleitungen und Fußbodenheizungen, das ist wohl vergessen. Das Wort ist aber auf jeden Fall überall aktuell: beim Auto, im Bauwesen, in der Bekleidungsindustrie und beim Möbelbau, auch in der Politik. Mancher Politiker hatte kein nachhaltiges Programm und scheiterte schon bald: der Eine nach 12 Jahren, der Andere nach 40. Was uns heute bevorsteht, wissen wir nicht. Dass Nachhaltigkeit auch in den Künsten und im Städtebau vorkommt, ist nicht Vielen bewusst. Was ist im Städtebau nachhaltig? Ich meine, die Qualität der Gebäude, aber vor allem das Stadtgefüge, die Entfernungen, die gut proportionierten Ensembles und Plätze, die Alleen und die Verbindungswege. Ohne dass es den Menschen immer bewusst wird, fühlen sie sich dort wohl. Schlechte Architektur, weite Wege, zusammenhanglose Gebiete in der Stadt zeugen eben nicht von Nachhaltigkeit. Nicht nur für Chemnitz trifft dies vor allem in der Innenstadt zu. Alte Städte waren keine Kopfgeburten, sie entwickelten sich organisch nach den Bedürfnissen und Maßstäben der Menschen. Parkanlagen und Grünflächen sind in der Stadt kostbar und werten sie auf. Es gibt auch wirklich gute Beispiele dafür hier. Um so gravierender aber ist die gegenwärtige Vorbereitung der Beseitigung einer wichtigen Allee, der Allee auf dem Mittelteil der Reichenhainer Straße, die vom Bahnhof Chemnitz- Süd bis zum Krematorium führt. Diese Allee besteht seit über 100 Jahren und hatte einen tiefen gestalterischen Sinn: nämlich die Verbindung für die Bürger zu ihrem Hauptfriedhof zu schaffen. Es ist immer noch und überall ein Erlebnis in einer Allee zu laufen. Sie spendet Schatten und baut uns innerlich auf. Deshalb kann man sie als nachhaltig bezeichnen. Es ist eine der wenigen durchgängigen Alleen, wenn nicht die einzige, bestanden mit etwa 400 Platanen und Linden in Chemnitz. Wollen wir sie wirklich opfern für ein fragwürdiges Straßenbahnprojekt? Dieser Campusteil lebt in seinem Ambiente wesentlich von diesem Grünzug. Und Busse sowie die Bahnlinie gleich in der Nähe reichen dort völlig aus.  Ein Bürger, der in seinem Garten einen Baum vor einem denkmalgeschützten Haus fällt, wird bestraft. Hier sollen hunderte Bäume vor Gebäuden mit Denkmalschutz beseitigt werden. Das darf nicht passieren! Diese Allee ist selbst ein Denkmal und ist zu schützen!

 

 

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2 Kommentare zu Nachhaltig entscheiden !

  1. B. Klemm sagt:

    Nichts gegen die Straßenbahn im Allgemeinen. Wie es geht, die Mittelbaumreihe stehen zu lassen, zeigen die Beispiele Warschauer Straße in Berlin und die Stübelallee in Dresden. Aber hier soll ja nicht nur der Campus bedient werden, sondern die Erweiterung nach Thalheim soll da durchführen. In einer Entfernung von 400m verläuft das Gleis der DB nach Thalheim- also kann man die Straßenbahn sich ersparen, erst über den Berg zu führen und dann im Tal dort anzuschließen. Das kann man bereits auf der eh. Güterbahnhofstr. Da sich der Campus dort noch erweitern wird, weil Platz da ist, ist eine Haltestelle dort nahe genug. Und der Campus der TU in Erfenschlag kann mit der Haltestelle Reichenhain gut bedient werden.
    Wer heute beobachtet, wie die Angehörigen der TU an der Straße stehen und warten müssen, ehe sie die Straße überqueren können und sich dann vorstellt, dass dann noch die Bahn dazwischen fährt, wird es nicht mehr so als „schönes Stück städtischer Urbanität empfinden“ sondern als eine Belastung mitten im Campus.

  2. R. Brand sagt:

    Hier ist nicht Stuttgart, sondern Schlafstadt;
    „….vorerst wird
    es keine Fortschreibung der Pläne (mehr) geben, die bereits
    öffentlich vorgestellt und diskutiert wurden. Im Prinzip ist auch das
    Thema Variantenuntersuchung jetzt soweit durch…“ sagt das Amt.
    Wann kommen die Kettensäger?

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