Machen sich Eigentümer Gedanken zu Städtebau und Stadtbild?

Kann in unserer Zeit ein gewollter Städtebau durchgesetzt werden oder nur in staatlich gelenkten Dikaturen? Vor über 200 Jahren wurden Alleen in Berlin gebaut-zum Marschieren, flanieren oder Corso fahren.  Paris wurde unter Napoleon III. durch den Stadtgestalter Haussmann total umgestaltet. Er schuf das Straßensystem neu und machte die Stadt zu einer Weltmetropole. Die radikalen Eingriffe gingen zu Lasten der Bürger.
Andere „Herrscher“ bestimmten das Aussehen der nach dem II. Weltkrieg zerstörten Städte maßgeblich, vor allem in der DDR. Der Staat bestimmte, wie Städtebau auszusehen habe. Dabei sind aber nicht nur negative Ergebnisse entstanden.
Eine andere Methode Städtebau zu betreiben ist die freizügige Planung ohne staatliche Bevormundung. Sie schuf die teilweise chaotischen Stadtgestaltungen, wie wir sie heute vor uns haben. Bestimmte Großstädte sind nicht mehr beherrschbar, total unansehnlich und in ihrer historischen Gestalt nicht wiederzuerkennen.
Im kleineren Maßstab haben wir das auch in Chemnitz vor uns. Gewollte Großbauten im Zentrum, die von breiten Ringstraßen umgeben sind. Das Zentrum stellt sich als zu klein heraus. Die Visionen, einen Teil dieses Straßensystems an ein vorhandenes Teilringsystem anzuschließen und zu vollenden, werden nicht verfolgt. Aus finanziellen Gründen wie man hört. Die Bürger sind weiterhin dem flutenden Verkehr im Zentrum ausgesetzt.
Die optische Begrenzung der Innenstadt wurde zu DDR-Zeiten durch Wohnhochhäuser erreicht. Fallen diese Gebäude einmal alle weg, zieht eine Gleichförmigkeit ein, der ohne Ersatz die Dominanten fehlen.
Das ist bereits der Fall an der Annaberger Straße (Hochhaus abgerissen), an der Zschopauer Straße und an weiteren Stellen der Stadt. Das Wohnhochhaus an der Ecke Reichsstraße/Zwickauer Straße scheint auch keine Zukunft zu haben. Sollte dieses einmal abgerissen, entsteht ein langweiliger Riegel bis zum Falkeplatz. Keine Werbung für einen Stadteingang gegenüber dem Museum Gunzenhauser.
Auch das Gründerzeithaus Hartmannstraße 16 gehörte zu den dominierenden Gebäuden des Zentrums. Das Stadtforum setzte sich mit vielen Bürgern für dessen Erhalt ein. Umsonst.
Ebenso ist zu hinterfragen, ob sich die städtebauliche Situation verbessert, wenn die GGG einige Wohnhäuser  an der Mühlenstraße abreißt. Der Plan sieht dort eine Karreebebauung entlang der Mühlenstraße vor, was sicherlich zu prüfen sein wird. Was an der Leipziger Straße 101-111 immer bemängelt wurde, ist der Verkehrslärm. Hier will man aber Neubauten an eine viel befahrene Straße setzen. Schnell wird zugegriffen, wenn die Abrissförderung winkt.
Im oben genannten Fall Brühl engagiert sich die GGG nach Abriss aber nicht für die Vollendung der Karreebebauung. Man will das Eine, lässt aber das Andere, Erwünschte außen vor.
Nach dem Teilabriss der Nordseite Mühlenstraße vor einigen Jahren, welche jene typische Karreebebauung aufwies, strebt man diese auf der anderen Seite wieder an. Das erscheint paradox.
Dabei ist aber generell der soziale und behindertenfreundliche Aspekt dieser Gebäude nicht zu vergessen, denn es ist bekannt, dass es an kleinen und behindertengerechten Wohnungen in unserer Stadt bereits fehlt. Eine Folge des Abrisses von eben jenen Wohnhochhäusern.

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Ein Kommentar zu Machen sich Eigentümer Gedanken zu Städtebau und Stadtbild?

  1. H. Kern sagt:

    Bisher dachte ich, dass das Stadtforum sich nur um den Erhalt von Gründerzeithäusern bemüht. In dem Artikel wird aber das Problem des Städtbaus, von Dominanten-gleichgültig ob diese als Hochbauten oder markante Altbauten die Stadt prägen- angesprochen. Das finde ich gut. Auch Neubauviertel wurden nicht planlos angelegt und hatten meist ein Zentrum und Dominanten. Leider denken die Großvermieter oft mit dem „Tunnelblick“ der momentanen Rentabilität. Dadurch entstehen nach Abriss zusammenhanglose Gebilde. Die Wiederbelebung des Brühls ist eine gute Sache. Wer kann aber eine geschlossene Karreebebauung an der Mühlenstraße wollen, wo diese vor Jahren aufgerissen wurde?
    Auch der soziale Aspekt wird in dem Artikel angesprochen, denn es fehlen kleine Wohnungen, auch infolge Abriss Wohnhochhäuser.

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