Freude über Abrisse in Siegmar? Tabula rasa nötig?

Wie in einem anderen Artikel „Abriss, da wo nötig“ über Siegmarer Ruinen berichtet wird, soll hier kurz informiert werden, was jetzt abgerissen wurde. Das gesamte Areal von der Jagdschänkenstraße bis zur alten Sparkasse ist nun abgerissen, heute fällt noch ein Haus. Seit Jahren waren die Bauten vom Bahnhof Siegmar aus um die Ecke bis zur Sparkasse leerstehend wie auch das große Gebäude wo die AOK darin war. Abrisse waren wirklich nötig, da einige Häuser keine Zukunft hatten. Da aber das gesamte Gelände offenbar an einen Projetentwickler verkauft wurde, dachte der gar nicht daran, etwas erhalten zu wollen. Denn hinter diesen Häusern stand ein Industriebau in gelben Klinkern, die einstige Cognacfabrik. Massive Außenwände mit aufwändiger Klinkerfassade und im Innern Stahlkonstruktion waren auch der Grund, dass die Denkmalbehörde dem Abriss nicht zustimmte und erst die Landesdirektion ihr ok gab. Der Einzelbau aus dem Jahr 1910 neben dem Parkplatz diente nach der Wende der AOK und war teilsaniert. Er war ortsbildprägend, wie eine Aufnahme vor dem Krieg und von neulich noch zeigt und auch keinen ruinösen Eindruck machte.

Leider öffnet das sogenannte Zentrenkonzept mit einem Versorgungsschwerpunkt an diesem Ort den Projektentwicklern die Möglichkeit, das Ortsbild nach ihren Gesichtspunkten (meist negativ) zu verändern. Das einstige Bankgebäude der ADCA war auch so ein Beispiel. Die Öffentlichkeit hinterfragt zu Recht, warum so eine Häufung von Märkten dort sein muss. Auch der Verkehrsfluss ist jetzt schon durch die Ein-und Ausfahrten zu diesen Märkten

gestört. Das was eher nötig wäre, ein Restaurant oder eine Toilettenanlage statt dem Imbissbudenkult, dafür hat keiner Interesse.

Wie viele bereits wieder geschlossene Märkte gibt es eigentlich in der Stadt? Kümmert sich nach deren Schließung noch jemand? Das Ortsbild sollten solide Bauten prägen, an denen die Geschichte des Ortes ablesbar ist, die gut genutzt werden und nicht stallähnliche Bauten zum Verkauf von Matratzen, Bier und Hundefutter.

Nichts gegen moderne Bauten, wenn sie nur individueller gestaltet wären und nicht der Typenstil immer hervorträte. Die Hoffnung bleibt, dass dies bei den Neubauten um den Bahnhof Siegmar verwirklicht wird. Der Bahnhof selbst hat aber ebenfalls keine Zukunft,  er ist heute schon desolat (innen von Kupfer „befreit“), sodass  dort bald ein Wartehäusschen stehen wird wie in Grüna.

 

 

 

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3 Kommentare zu Freude über Abrisse in Siegmar? Tabula rasa nötig?

  1. F. Kolbe sagt:

    Für die drei Häuser an der Straße gab es keine Zukunft. Sie waren schon lange leer gezogen. Aber das einzelne Gebäude (altes Foto) hätte für Büros und Wohnungen durchaus genutzt werden können, es wäre ein Blickfang gewesen. Auch der Klinkerbau der eh. Cognacfabrik hatte schon Interessenten gefunden, aber die Macht des Geldes hat nun alle Vergangenheit dort beseitigt. Als positives Beispiel in Siegmar muss erwähnt werden, wie ein desolates Haus an der Neuen Straße/Ecke Jagdschänkenstraße sehr gut restauriert wurde, sehenswert.

  2. K.Butter sagt:

    Das Gebäude auf dem Bahnhofsvorplatz war ein schöner Blickfang im desolaten Gebiet in Bahnhofsnähe, äußerlich gut erhalten. Dass die drei Gebäude an der Zwickauer Str. endlich abgebrochen wurden, finde ich gut. Für den gelben Klinkerbau hätte ich mir gewünscht, dass er erhalten wird. Er war äußerlich gut erhalten. Ich und die meisten Bewohner in Siegmar und Umgebung fragen sich, was ein vierter Einkaufsmarkt hier bewirken soll.

  3. Gert Rehn sagt:

    Die Leute freuen sich, wenn in lange leer stehende Häuser wieder Leben einzieht und neue Besitzer etwas daraus machen. Das frühere Stadtbild bleibt erhalten. (Gute Beispiele in Reichenbrand: Nevoigtstr. 3, Zwickauer Str. 483 u.a.) Um so schmerzlichen verkraften die Leute den Abriss von städtebaulich wichtiger Bausubstanz in der Innenstadt aber auch hier in Siegmar. Das war das eh. solide Bankgebäude (ADCA), die Gaußstr.1 und jetzt gegenüber das Haus. Das hätte als Blickfang unbedingt erhalten werden müssen. Der gelbe Klinkerbau der eh. Cognacfabrik wäre eine Zierde im Ortsteil gewesen. Wir werden bald konfrontiert mit einem neuerlichen 08-15-Bau an der Stelle zum Einkaufen. Es soll die Edeka sein, die da bauen will. Auch der Bahnhof hat keine Zukunft, da die innere Substanz bereits marode ist und der Privateigentümer da nichts tun wird.

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