Fassaden-Hickhack am Johannisplatz; der „Weinhold“-Bau der TU, ein grauer Koloss

1. Parkhaus am Johannisplatz (Freie Presse vom 12.10.2013)

Wie konsequent eine nicht unwichtige Fassade, nämlich die des neuen Parkhauses am Johannisplatz nach Verlangen vieler Seiten verwirklicht wurde und wie unsere Stadtoberen da reagieren-das ist bemerkenswert. Abgesehen davon, dass es nun im Zentrum vor Hoch-und Tiefgaragen wimmelt und noch mehr dazu kommen sollen, kann eine Fassade ein verkorkstes Stadtbild nicht retten. Aber nun zu dem Hickhack. Geplant war zuerst eine Fassade aus Metallgewebe. Diese musste infolge Kritik des Bauausschusses und des Kuratoriums für Baugestaltung vom Planer überarbeitet werden. Nun stellte der Investor eine Terrakotta-Fassade vor und kommentierte sie selbst: „Mit seiner Natursteinfassade…. fügt es sich harmonisch in die Umgebung der wertvollen Nachbargebäude-der ehemaligen Sparkasse und der alten Bundesbank ein.“ Das Parkhaus ist fertig und nun wird die fertige Fassade u.a. vom Stadtrat Herrn Dr. Füßlein und der Baubürgermeisterin Frau Wesseler ob ihrer „Hässlichkeit“ kritisiert. Auf Anfrage erklärte die Stadtverwaltung, dass der Investor den „Empfehlungen von Bauausschuss und Kuratorium nicht gefolgt ist aus Kostengründen. Dies sei nicht zu beanstanden, da es sich um ein privates Bauvorhaben handle.“ Der Frau Oberbürgermeisterin B.Ludwig aber gefällt die Fassade: „die jetzige Lösung passt an den Wall und fügt sich gut zu den Nachbargebäuden.“
Wozu braucht es da die Meinung der Bürgerschaft, des Stadtrates, der Baubürgermeisterin, des Kuratoriums und selbst des Investors, wenn der fertige Bau ganz anders in Erscheinung tritt? „Im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens habe er dann aus Kostengründen. von der Natursteinfassade Abstand genommen.“ Also eine Billiglösung zwischen seine „wertvollen Nachbargebäude“ bevorzugt. Hier drängt sich der Gedanke auf, dass die teure Lösung erst einmal eine Beruhigungspille war, um überhaupt eine Baugenehmigung zu erlangen.
Bei allen Verdiensten des Investors- mit dem Zubau der Arkaden im Rawema-Gebäude lief das ähnlich. Erst war der Stadtrat, der Bauausschuss und das Kuratorium dagegen, schließlich wurde auf Druck des Investors dem Zubau zugestimmt, was heute keine gute Lösung für die Bürger darstellt. Man läuft so gut wie ungeschützt im Regen an dem großen Klopper lang. Aber das Privatinteresse des Herrn K. setzte sich durch nach der Drohung, sich aus Chemnitz zurückzuziehen. Und so etwas wirkt immer.
So wird Stadt gestaltet!!

2. Fassade Weinhold-Bau der Technischen Universität an der Reichenhainer Straße ((FP vom 8.10.2013)

Die Presse tittelt: „Koloss in Schwarz und Grau…)

Wenn ein großes Gebäude aus DDR-Zeiten (1973) modernisiert wird für 55,25 Mill. Euro dann sollten sich alle freuen. Und das werden auch viele. Das soll gar nicht zerredet werden, dass dies ein Erfolg für die TU ist. Was aber die Baugeschichte der Umplanung des Weinhold-Baus angeht, darüber kann man auch ein Buch schreiben. Zunächst war ja der Einbau der Campusbibliothek dort geplant. Von Kennern der Deckentragfähigkeiten, wurde das gleich als obsolet angesehen. Die beauftragten Planer aus München aber brauchten geraume Zeit, um zu dieser Erkenntnis zu kommen und die jetzige Nutzung vorzusehen.
Bei der Neuplanung wurde erheblich in die Substanz eingegriffen. Es blieb nur ein Skelett übrig, der Zwischenbau musste weichen. Auch wurden zwei Geschosse abgetragen. Was uns jetzt an äußerer Erscheinung entgegentritt, erinnert in keinster Weise an den Baugedanken der früheren Planer. Man möchte meinen, dass es ein Bau einer Einrichtung ist, die es 1km weiter gibt, dem Gefängnis. Ein ausdrucksloser, grauer Koloss eben. Aber ein Ergebnis eines Wettbewerbes, das sich nun in Funktion und Gestaltung bewähren muss

Gebäude und Fassadendetails Fotos: Kay Kippig

Gebäude und Fassadendetails
Fotos: Kay Kippig

Der frühere Baukörper mit Details hier noch einmal zur Erinnerung. In einem Zeitungsartikel wird auch gesagt, dass der Weinhold-Bau zu den größten Universitätsgebäuden der DDR gehörte und in seiner Durchbildung mit Gebäuden des berühmten Architekten Le Corbusier verglichen wurde. Und so war es auch.
Die vorgestellten Sonnenblenden in der Art der „Brise soleils“, die Höhe des Baukörpers, die mittlere Gliederung und auch der Zwischenbau mit der ehemaligen Teilbibliothek für Elektrotechnik waren markante und ausdrucksvolle Bauelemente. Man hat versäumt, den Bau unter Denkmalschutz zu stellen. Unabhängig davon wäre es undenkbar gewesen, dass ein Gebäude, etwa der TU Westberlin aus den siebziger Jahren, in einer Art verhunzt würde, wie es hier geschehen ist. Es gilt nämlich dort (und auch hier!) das alte Architektenrecht des geistigen Eigentums. Die kleinste Veränderung kann der Architekt als seine geistige Schöpfung einklagen, aber hier hatte man keinen Respekt und machte, was man wollte. Es war kein Privatarchitekt, der das Haus plante, nur (!) ein Volkseigener Betrieb (Iproplan Dresden). Und so hatte man nichts zu befürchten. Es durfte nichts mehr an die DDR erinnern.

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