Zum Artikel der Freien Presse vom „Denkmalschutz fordert Erhalt maroder Häuser in Kappel“ 23.11.2013

Was ist eigentlich „marode“? Das ist für mich auch eine Gesellschaft, die ihre Vergangenheit mit der Abrissbirne behandelt.
Die Häuser Reitzstraße 2 und 4 gehörten zu den ersten „Neubauten“ in Chemnitz nach dem Krieg.
Dass diese Häuser nicht dem „modernen“ Industriestandard entsprechen, dürfte unstrittig sein.
Doch funktioniert haben diese Häuser und marode sind sie erst geworden, nachdem sie von der ruhmreichen GGG vernachlässigt wurden. Doch es gibt wesentlich schlechtere Gebäudezustände, die saniert wurden und werden.
Und es gab nicht nur eine Unterschriftensammlung, sondern auch eine Gruppe von Bürgen dieser Stadt, die den gesamten Komplex von 6 Häusern von der GGG kaufen wollten. Auch für die Reitzstraße 4 gab es einen Kaufinteressenten und mehrere Mietinteressenten. Es gab Entwürfe einer Architektin. Es gab Gespräche bei der Ober-, Bau- und Sozialbürgermeisterin ( es ging auch um Wohnungen für Allergiker und MCS – Kranke ). Dort gab es zwar löbliche Worte, jedoch nur Unterstützung von den Selbstnutzern aus Leipzig. Alles hätte sich weiter entwickeln können. Es wäre möglich gewesen, diesen Komplex mit viel Grünfläche für kinderreiche Familien und ältere Herrschaften zu nutzen. Es gab eine Anfrage einer Tagesmutti, die Räume in der Reitzstraße 2 haben wollte. Und es gab sogar schon eine Zusage der GGG an die Gruppe. Es gab … gab schon vieles. Doch dann hielt es die ruhmreiche GGG nicht einmal für nötig, der Gruppe mitzuteilen, dass an die WCW verkauft wird.
Offensichtlich sind in Chemnitz Initiativen von Bürgern nicht gewollt, es sei denn, sie werden politisch von heute zugelassenen Funktionären korrekt gesteuert.
Die WCW hat gewusst, dass die Häuser unter Denkmalschutz stehen. Das Bild der Bautafel verriet jedoch nicht, wie groß der neue Komplex neben den denkmalgeschützten Häusern werden sollte und nun mittlerweile ist. Die frühere Wohnanlage hat sich der Umgebungsbebauung in Richtung Esche-Villa viel besser angepasst als diese Massivbebauung.

Neue Wohnanlage der WCW an der Johannes Reitz-Straße

Neue Wohnanlage der WCW an der Johannes Reitz-Straße

Lösungen gibt es immer, auch für die nun stiefmütterlich wirkenden Häuser Reitzstraße 2 und 4. Man muss nicht nach Industrienorm sanieren, damit es richtig teuer wird und dann die Kostenumlagen und Betriebskosten die Einkünfte der Bürger auffressen. Man muss nur vernünftig und vielleicht auch mal bescheiden bauen und dann hat so mancher Mieter wirklich etwas davon. Doch das muss man wollen und heutzutage auch wagen.
Ach ja. Es soll eine Generationenwohnanlage sein. Ich bin gespannt wo und wie groß der Spielplatz sein wird.

Michael Aurich

Kommentar SF :
Ohne Engagement der Initiative wären diese beiden Häuser auch schon verschwunden, es stellt also einen Teilerfolg dar, der immer noch umgesetzt werden kann. So wie es in den Artikeln ab 2009 angedacht war.
Siehe unter Schlagwort „Reitzstraße weitere drei Beiträge ab 2009)

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