Eisenbahnviadukt – Alternativvorschlag

Das Stadtforum hat sich im Nachgang an die Veranstaltung zum Eisenbahnviadukt Beckerstraße?Chemnitzfluss?Annaberger Straße in der Annenschule nochmals zusammengefunden und Gedanken zu den vorgebrachten Argumenten ausgetauscht.
Diese möchten wir hiermit gern kundtun.
Es wurde auf der o.g. Veranstaltung ein Vorschlag unterbreitet, der den partiellen Erhalt – genauer den Erhalt der äußeren Seitenbauteile und eine dazwischen verlaufende Neubaukonstruktion aus Stahlbeton zum Inhalt hatte. Dieser Vorschlag wurde von den Vertretern der Bahn als zu
überprüfende Variante mitgenommen, ebenso wurde dieser Vorschlag von den Medien in der Folge als Strohhalm zum Erhalt aufgegriffen.
Nach unserer Auffassung ist dieser Vorschlag nicht ausführbar, mindestens nicht im Sinne eines sensiblen Umgangs mit einem zu erhaltenden Kulturdenkmal. Das begründet sich wie folgt:
Zum ersten und für unser Verständnis wichtigsten Punkt, dem Erscheinungsbild: Durch die Liquidierung der gesamten inneren Konstruktion würde sich die Ästhetik des Fachwerkes auflösen, die filigrane Erscheinung ginge verloren. Dabei ist die Untersicht des Viaduktes besonders beeindruckend. Letztendlich bliebe eine neue Betonkonstruktion übrig, deren Seitenansicht durch die Außenbauteile der historischen Brücke etwas kaschiert würde, das Erscheinungsbild würde „aufgeklebt“ anmuten. Weiterhin würde diese Mischbauweise nicht den gewünschten Effekt der
Durchgangsverbreiterung Annaberger Straße / Chemnitzfluss erzielen – es sei denn, eine weitere Krücke würde eingebaut, nämlich der Wegfall des Mittelpfeilers.
Ein zweiter wichtiger Punkt ist die technische Machbarkeit. Der Aufwand – den gesamten Mittelteil aus der Verbundkonstruktion der Nietenbrücke zu lösen erscheint enorm und im Sinne der Sache unverhältnismäßig. Dies wird bei Betrachtung von der Gründung bis zum Verbund der Fahrbahnebene deutlich. Zudem erfordert der in dem Vorschlag verbliebene historische Teil eine ebenso aufwändige Sanierung der Beschichtung und der tragenden Bauteile wie die Gesamtbrücke bei Kompletterhalt.
Was diese Variante letztendlich für die Baukosten bedeutet, ist absehbar. Nach unserer Meinung dient dieser Vorschlag gerade als Alibi, um Abrissgegnern letztendlich eine von der Bahn geprüfte, aber final abzulehnende Alternative vorzeigen zu können.
Wir würden gern einen weiteren Alternativvorschlag unterbreiten, der ggf. alle Beteiligten befriedigen könnte: Erhalt des kompletten Brückenbauwerkes und entsprechende Sanierung bei Verlagerung der beiden Richtungsfahrgleise auf jeweils eine der beiden parallelen Einzelbrücken mit mittiger Stromführung (jetzt zwei Gleise auf einem Brückenteil und Stromversorgung auf dem anderen Brückenteil). Dies führt im Wesentlichen zur Belastungsminderung der Gesamtkonstruktion im Vergleich zum Ist?Zustand und würde trotzdem die verkehrstechnischen Parameter im Kontext Baudenkmal nach unserem Dafürhalten erfüllen.
Wir fordern weiterhin die Offenlegung der Bestandsgutachten aus dem Wettbewerb vor dem Planfeststellungsverfahren. Ebenso sollten die fördertechnischen Rahmenbedingungen offengelegt werden.
Wir als Stadtforum würden uns im weiteren Prozess ein stärkeres Engagement der Stadt für dieses im Zusammenhang mit der Industriegeschichte von Chemnitz bedeutende Bauwerk wünschen.
Außerdem sollte generell auch über die weiteren im Verlauf der Eisenbahnstrecke auf Stadtgebiet befindlichen Brücken nachgedacht werden. Auch hier scheint der Abriss sicherlich vermeidbar.

bild_5_Michael_Backhaus, ChemnitzFoto: Michael Backhaus

 

P1170098Foto: Gert Rehn

Die Eisenbahnüberführung Bernhardstraße als genietete Brücke wurde beispielhaft saniert, so wie wir es von der DB Netz für das Viadukt auch erwarten.

 

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