Bauen im Stadthallenpark Chemnitz?

Denkmalschutz aufheben und„Beschleuniger“-Bauwerk errichten?

Entsteht damit die Flaniermeile StraNa?

 Am 6. Februar hatte die „Freie Presse“ eingeladen zu einem Bürgerforum mit Podiumsdiskussion über die weitere Gestaltung der Innenstadt, vornehmlich der Straße der Nationen und ihrer anliegenden Baufelder, Parks und Bauten.

Zu diesem Thema gab es 2015 einen Innenstadtwettbewerb, den das Stuttgarter Architektenbüro Lohrer-Hochrein gewann. Dort wurde die teilweise Bebauung des Stadthallenparks vorgeschlagen mit dem Ziel, eine Art „Beschleuniger“ zu errichten, der die Bürger animieren soll, die Straße der Nationen in Richtung Opernhaus entlang zu „flanieren“ und hochwertigen Handel vorzufinden. Diese Lösung wurde von Prof. Nagler, dem IHK-Chef Herrn Bertram, Herrn Kellnberger, teilweise vom Baubürgermeister Herrn Stötzer favorisiert.

Frank Kotzerke, als Sprecher des Stadtforums verwies allerdings auf die hohe Bewertung des gesamten Ensembles. Dieser ganze Bereich ist das letzte Unikat einer unveränderten Zentrumsgestaltung aus DDR-Zeit, das inzwischen selbst an der Universität von Vancouver als hervorragendes Beispiel des Städtebaus genannt wird, wie eine Bürgerin ausführte. Herr Prof. Nagler und Baubürgermeister Herr Stötzer führten aus, dass jede Generation neue Ansprüche hat und auch Denkmalwerte nicht sakrosankt seien, konnten aber in der anschließenden Publikumsdiskussion damit keine Gegenliebe erzeugen. Noch ist der Denkmalschutz keine Ware, mit der man je nach Anspruch umgehen kann, wie man will. Kurz gesagt: die Chemnitzer wollen ihren gesamten Park so erhalten wie er ist. Zumindest so lange bis ein echter und dringender Bedarf nach einer Teilbebauung vorliegt. Das ist aber überhaupt nicht der Fall, denn die Stadt hat vorher andere Probleme zu lösen: die Entwicklung des sogenannten Theater- Baufeldes hinter der „Parteifalte“, die Belebung der jetzt leer stehenden Läden darin, die Schaffung von Wohnraum im Zentrum und die Öffnung der Roten-Turm-Galerie in Richtung Wall. Herr Kellnberger, der noch im Oktober 2016 angeboten hatte, den Stadthallenpark an der Johanniskirche wieder aufzubauen (!) und damit sein städtebauliches Verständnis offenbarte, plädierte nun flehentlich, zum Zwecke des „Flanierens“ ihm den Bau des „Beschleunigers“ doch zu überlassen. Er habe doch schon so viel Gutes für die Chemnitzer getan. Doch die undankbaren Chemnitzer wollten davon nichts hören und verteidigten ihren Park. Die Verdienste von Herrn Kellnberger zur Belebung der vorhandenen Immobilien werden anerkannt, aber mit der Bebauung am Stadthallenpark würde er sich ein Selbsttor schießen, denn seine Hotelgäste könnten aus vielen Zimmern nicht mehr ins Grüne sehen. Die Visionen, dort ein transparentes Bauwerk zu errichten in der Art des Kaufhofes, wo nichts transparent ist, sind Redensarten. Jedes Gebäude hat eine Vorder-und Hinterseite. Mit der Bewirtschaftung eines solchen großen, multifunktionalen Gebäudes entsteht sofort ein Hinterhofcharakter für den Rest des Parks und man wird die Mülltonnen und die Hinterseite genießen können. Kein Schmuckkästlein wird da entstehen, wie Herr Prof. Nagler meinte. Ein kleines, transparent gestaltetes, originelles Bauwerk wäre an der Ecke Brückenstraße allerdings denkbar, sagte Frank Kotzerke, übereinstimmend mit Prof. Dietel.

Unsere Meinung hierzu: Damit sich die Bürger und Gäste in der Innenstadt wohlfühlen hat man einst die Idee der Arkaden entlang des Rosenhofes und der Straße der Nationen auf ca. 1,2km Länge verfolgt. Vor Regen und Sonne geschützt, lässt es sich dort gut flanieren. Solche geschützten Bereiche, die es übrigens seit dem Mittelalter gibt, wurden aber zurückgebaut, um Nutzflächen zu erhalten. Unter einem kleinen Vordach in fünf Metern Höhe kann man schon nicht mehr flanieren und in Ruhe Schaufenster betrachten.

Die Ablehnung des Publikums für eine Bebauung ihres Stadthallenparks sollte dem Stadtrat zu denken geben, wenn er über die weitere Gestaltung an dieser Stelle etwas beschließen will. Als vehemente Verteidiger und Anreger blieben in Erinnerung Herr Prof. Karl Clauss Dietel, Herr Dr. Seidel, Herr Faßmann, Frau Kluge, Herr Amme, Frau Otto und Herr D. Fellendorf für die Kammergruppe Chemnitz der Architektenkammer Sachsen. Der „Freien Presse“ und ihrem Moderator, Herrn Swen Uhlig ist für diese Veranstaltung zu danken.

 

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Ein Kommentar zu Bauen im Stadthallenpark Chemnitz?

  1. M.Haß sagt:

    Man kann nur hoffen das die Verantwortlichen auf die Bevölkerung hören und nicht wie so oft ihren Willen durchsetzen.
    Wie im obigen Beitrag zu lesen soll man doch die Läden in der „Parteifalte“ wiederbeleben und vielleicht sogar noch die erste oder zweite Etage mit ausbauen, ähnlich wie im ehemaligen Robotrongebäude. Auch die Geschäfte zwischen dem Restaurant Moskau und Brückenstrasse waren zu DDR Zeiten vernünftige und gut besuchte Läden. Heute vergrämen ein Sexshop und Billigstanbieter die Kundschaft. Auch in der IHK gab es früher Geschäfte, es gibt also genügend Potential auch ohne Neubauten. Überlegenswert wäre meiner Meinung nach auch die Brückenstrasse komplett in eine Grünanlage umzubauen, der Verkehr kann entsprechend anderweitig umgeleitet werden, das es geht sieht man regelmässig bei Sperrungen bei Demos oder dem Stadtfest.

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