Zu kurz gedacht!

Am 14. August war Sitzung des Bauausschusses des Stadtrates von Chemnitz. Ein wichtiger Punkt war der Vorschlag der Verwaltung, also des Planungsamtes zur Änderung des Vorhaben-und Erschließungsplanes für das noch freie drei Hektar große Gebiet südlich des Campus Reichenhainer Straße. Dieser war bisher immer für die Erweiterung der Uni reserviert. Nun soll das geändert werden, weil sich kurzfristig dort Technologie-Firmen ansiedeln möchten. Das trug der Leiter der Wirtschaftsförderung CWE, Sören Uhle euphorisch vor. Das heißt im Klartext, dass dort bald Gebäude stehen, die nicht zur Uni gehören. Sie bringen der Stadt Gewerbesteuern und Arbeitsplätze. in der Diskussion verlangte Stadtrat Herr Füßlein, dass sofort der Kanzler dazu gehört werden müsse und warum dieser gar nicht eingeladen sei bei so einem entscheidenden Beschluss. T. Fritzsche kritisierte diese kurzsichtige Vorgehensweise, zumal unser Baubürgermeister dazu salopp meinte, wenn die Uni bauen möchte, würde sich schon ein Standort finden. Das ist natürlich ohne jede Vision zur Entwicklung eines Uni-Campus. In den letzten 20 Jahren sind dort gebaut worden das zentrale Hörsaal-und Seminargebäude, der Weinholdbau wurde praktisch neu gebaut, dann wurde das neue Physikgebäude errichtet und jetzt erst das MAIN-Gebäude eingeweiht. Von einem Stillstand kann also nicht die Rede sein. Und diese Neubauten schufen auch Arbeitsplätze und was noch wichtiger ist, verbesserten sie den wissenschaftlichen Ruf der Uni. Ob sich das auf die Studentenzahl niederschlägt, ist mir nicht bekannt, aber wahrscheinlich. Und Studenten bringen der Stadt eben auch Einnahmen.

Die Stadt und die Uni wollen bald die neue Kooperationsrahmenvereinbarung unterschreiben, in der von einer „kooperativen Partnerschaft zum Wohle der TU“ die Rede ist. Zu Recht stellt der Rektor diese nun in Frage.

Als Gast der Sitzung konnte ich mich nur wundern, wieso hier ausgerechnet die  Stadträte Dieter Füßlein (FDP) und Tino Fritzsche (CDU) eine bessere Sicht auf die Entwicklung der TU bewiesen als die übrigen Stadträte. Ich denke, aus ihnen sprach einfach die jahrelange Erfahrung im Baugeschehen der Stadt. Firmen, die sich neu ansiedeln wollen mit Hochtechnologie müssen doch im digitalen Zeitalter nicht 100m von einem Unigebäude entfernt stehen. Dafür gibt es in der Stadt genug Brachflächen. Aber der Campus muss ein organischer Körper bleiben und nicht neue Zersplitterungen erhalten.

Die Messen sind noch nicht gelesen und eine Rücknahme von Beschlüssen soll es auch schon gegeben haben…

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