Lückenschluss statt Zersiedelung! von S. Klaus

Während am Rande von Chemnitz oder auch inmitten von Wohnvierteln immer mehr städtebaulich fragwürdige Eigenheimsiedlungen entstehen, wirken noch zahlreiche Häuserkarrees und Straßenzüge unserer Stadt fragmentiert, sie geben den Blick auf unschöne Hinterhofsituationen frei. Das ist ein Ergebnis a) einiger unausgeführter Planungen vor dem Zweiten Weltkrieg, b) von Kriegszerstörungen und nachfolgenden Abrissen, c) von Vernachlässigungen der Gebäudesubstanz in der Zeit der DDR und d) verfehlter Anreize zu Abrissen im Zuge des bisherigen „Stadtumbaus Ost“. Zu begrüßen sind deshalb Anreize, die nun für die Erneuerung vernachlässigter Privatgebäude im Rahmen des „Stadtumbaus Ost“ gesetzt werden sollen.[1]Es muss aber darüber hinaus ein Ziel der Stadtentwicklung sein, vorhandene Baulücken zu schließen, womit gleichzeitig mehrere Ziele verfolgt werden: a) ökonomischer Umgang mit städtischen Flächen, Bau von Geschosswohnungen, auch um einem künftig zu erwartenden höheren Bedarf an Wohnungen zuvorzukommen, b) ökonomische Nutzung der vorhandenen Infrastruktur, c) Verbesserung des Emissions- und Lärmschutzes durch Abschluss von Häuserkarrees und d) Schaffung von städtebaulich ausgewogenen Strukturen. Das kann keine Rückkehr zu einem Chemnitz eng bebauter Hinterhöfe und Industrieviertel bedeuten. Heute besteht in unserer Stadt, in der noch nicht die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt anderer Großstädte herrscht, die Chance, gleichzeitig die für das Stadtklima und die Wohnqualität wichtigen Grünzonen und Stadtplätze von der Bebauung freizuhalten und hier einige schon eingetretene Fehlentwicklungen anderer Städte (Dresden, Leipzig), aber auch unserer eigenen Stadt zu vermeiden. Ich sehe in dem Projekt „Stadt-Chemnitz-Fluss“ hierfür wichtige Ansätze.[2]


[1]Vgl.: Bekanntmachung zur pauschalen Förderung der Erneuerung von privaten Gebäuden im Fördergebiet „Stadtumbau Ost Chemnitz“, veröff. Im Amtsblatt Chemnitz, Nr. 7/2019, vom 15.02., S. 18   

[2]Vgl.: Stadt-CHEMNITZ-Fluss, Akzente für eine lebenswerte Stadt, Impuls-Konferenz am 15.03.2019

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