Abriss Hartmannstr. 16 letzte Möglichkeit ?!

Der verwunderte Zeitungsleser, der sich schon lange nicht mehr wundert, konnte am 23.6. der „Freien Presse“ entnehmen, dass nun endlich die Hartmannbrücke weitergebaut werden kann, allerdings muss vorher ein sehr ansehnliches und dominierend wirkendes Wohn-und Geschäftshaus, Baujahr 1893, verschwinden. Da fragt sich der Zeitungsleser, ist das nun höhere Gewalt, dass der Brückenbau ein Haus verschlingt? Der Tiefbauamtsleiter sieht keinen Zusammenhang zwischen dem Loch im Fundament und den Arbeiten 1m vor dem Haus!  Der Laie schon fühlt, wenn 1m vor meinem Haus gerammt wird, kann mein Haus schnell zu Schaden kommen.  Die gesetzten Bau- Spundwände sollen bei Hochwasser Wasserwirbel gegen das Haus gedrückt haben, was zur Ausspülung führte.

Das bisherige Abrissgutachten wird wird gegenwärtig ein Erhaltungsgutachten entgegengesetzt mit den erforderlichen Maßnahmen. Nach dieser Aussage kann der Brückenbau auch ohne Abriss weitergehen. Für dieses Haus kann eine Sicherung vorgenommen werden. Der Verfasser hat sich mit mehreren Statikern unterhalten, die diese Möglichkeit sehen. Die Bauunterbrechung infolge des Loches hat lange genug gedauert, die Sicherung ist praktikabel und kann schnell erfolgen und das Haus wäre für die nächsten 100 Jahre gerettet. Die  ausgebrochene Stelle ist ohnehin schon mit reichlich Beton versehen, der stabilisierend wirkt.

Wird jedoch der schnelle Abriss erfolgen, verschwindet ein  wichtiges Zeugnis der Stadt, welches 2 Kriege und die DDR überlebt hat. Es wirkt als Blickfang sowohl von der Theaterstraße als auch von der Hartmannstraße und verdeckt die monumentalen Plattenbauten. Ist das Gebäude weg, begegnet einem so ein Riegel. In anderen Städten kämpft man um solche Zeugnisse, zumal das Haus ja nicht marode ist. (es wurde von 1992-96 saniert). Auch die Inhaber der Geschäfte bedauern die Entscheidung, da sie ihre Existenz kostet. Das aber scheint niemanden zu interessieren.

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9 Kommentare zu Abriss Hartmannstr. 16 letzte Möglichkeit ?!

  1. P. Geyer sagt:

    Hier wurde nichts über die Kosten gesagt, die durch die ungenügende Vorbereitung, die Schädigung des Bauwerkes und den Baustopp, den Gutachter, den Kauf des Hauses(150TEU) und den Abbruch zusammenkommen. Heute stehen die Sparmaßnahmen der Stadt in der Zeitung. An ganz heiklen Stellen soll gespart werden, dafür die Bürger zur Kasse gebeten werden.
    Jetzt will ein investor das Haus kaufen damit würde die Stadt die Kosten für den Abbruch und die neue Ufermauer sparen. Hoffentlich entschließt man sich für diese Lösung!

  2. Sebsastian F. sagt:

    Hätte die Stadt gleich das Geld für den Ankauf des Objektes in die Reparatur gesteckt und eigene Fehler eingestanden – dann wäre das Thema längst vom Tisch.

  3. Carola Zscheile sagt:

    Das ist wieder mal ein typisches und trauriges Beispiel für den Umgang der Stadtoberhäupter mit historischer Bausubstanz. Man gewinnt den Eindruck, dass Gebäude solcher Art in Chemnitz nicht gewünscht sind und somit taktisch weggerissen werden oder solange nichts gemacht wird bis diese nur noch abgerissen werden können.
    Schließlich sind wir ja die „Stadt der Moderne“ und da kann man sich mit solchen Altbeständen nicht abgeben.
    An all Diejenigen, die in Chemnitz was zu sagen haben:
    Dieses und jedes andere historische Gebäude ist wertvoll und wichtig für das Erscheinungsbild von Chemnitz. Jede andere Stadt wäre froh über solch einen Schatz an historischer Bausubstanz. Ich selbst komme ursprünglich aus Berlin und dort hatte ich niemals den Eindruck, das Altbauten absichtlich weggerissen wurden. Im Gegenteil diese sind vielmehr sehr begehrt.
    Warum wird in Chemnitz bewusst in Kauf genommen mit jedem abgerissenene Haus auch ein Stück Geschichte, Identität und Stadtbild zu zerstören.
    Ich sage Chemnitzer werdet Euch der Schönheit eurer Stadt bewusst und wehrt euch gegen die weitere Zerstörung!!!

    Gruß

    Carola Zscheile

  4. Markus U. sagt:

    Ich finde ja die Kommentare hier recht interessant. Da haben sich Leute in den Kopf gesetzt, diverse Chemnitzer Häuser zu erhalten.
    Z. B. Es wird gesagt: „Dieses und jenes andere historische Gebäude ist wertvoll und wichtig für das Erscheinungsbild von Chemnitz.“
    Gilt das auch für die Plattenbauten hinter der Hartmannstraße 16? Ich glaube wiederum nicht, dass irgendjemand beim Abriss einer Großplatte so ein Trara anfängt.
    Frage: Wer soll denn in den geretteten Häusern leben? Der Freistaat und sowie die Stadt verlieren immer mehr Bürger und Einwohner. Irgendwann wird aus Chemnitz eine Geisterstadt. Es gibt zwar genügend Wohnungen, aber keine Menschen, die drin leben könnten. Aber dafür wären wenigstens genügend Altbauten da, die keiner braucht und nur Kosten verursachen.
    Der Abriss des Hauses Hartmannstr. 16 hat schließlich auch Vorteile.
    Ich bin für den Abriss.

  5. unbekannt sagt:

    es ist wirklich sehr schade, dass es nun so kommen musste. Das die Stadt sich so verhält, liegt bestimmt mit an den hohen Kosten…vielleicht sind ja wirklich im Vorfeld Fehler gemacht wurden die man nun vertuschen will. Man sollte vielleicht einfach mal einige Zeit zurück gehen bevor der Bau überhaupt begann. Gab es nicht einen Bauverzug ? Sicherung im Vorfeld ? Versprechen ? Viel Erfolg

  6. Gunnar Mäder sagt:

    Hallo Markus U.! Jeder, der Deinen Kommentar liest, muß von wirklicher Unerfahreheit in Bezug auf die Vergangenheit ausgehen. Ich empfehle vor Abgabe solcher „Meinungen“ sich zu belesen oder mit Leuten zu sprechen, die davon was verstehen!

  7. Gunnar Mäder sagt:

    Heute mein letzter Kommentar zum Fakt des Abrisses Hartmannnstr. 16! Die Erben des Herrn Nolze leisten hier aus ihrem verworrenen Gedankengut heraus gesehen ganze Arbeit. Der Paragraph 305 des StGB der Bundesrepublik stellt allerdings die vorsätzliche Zerstörung von Bauwerken unter schwere Strafe. Ich sehe also das was hier unter den Augen der Öffentlichkeit geschehen wird als Verbrechen und vor Gott als eine Sünde an. Möge jeder für sich selbst entscheiden wie er dazu und noch zu erwartenden solchen Taten steht!!!

  8. Lewis Mumford sagt:

    Aufbau und Abriss von Gebäuden wird es immer geben, abgesehen von Zerstörungen durch Krieg und Naturkatastrophen.
    In Sachsen hat König Johann etwa 1850 das Altertumsmuseum begründet, dem wir es zu verdanken haben dass das Schlossbergmuseum eine Dauerausstellung alter Meisterwerke zeigt (Skulpturen und Gemälde). Um 1900 begann die Erfassung von wichtigen Gebäuden durch Steche und Gurlitt und die Begründung der Denkmalpflege in Sachsen. Ohne die wüssten wir nicht wie Dresden, Chemnitz usw. einmal aussahen.
    Der Charakter einer Stadt wird hauptsächlich durch seine zentralen Bauten geprägt und nicht durch Großsiedlungen am Rande.

    Nicht jeder hat den Blick für schöne oder hässliche Stadtbilder. Manchem reicht ein Supermarkt vor der Tür und schnelle Straßen in der Stadt. Die meisten Menschen erleben aber die Stadt fußläufig und da reihen sich die Bilder der Stadt aneinander.
    Die Hartmannstraße 16 aber hat eine dominierende Wirkung bald wie eine Kirche. Sie ist an dieser Stelle absolut wichtig. Das Gutachten eines Professors mit Rechennachweis, aber ohne Baugrundbohrungen war für die Landesdirektion sakrosankt und heilig, sodass nun der Abriss genehmigt wurde.

    Was für ein Hochwasser soll noch kommen, um zu beweisen, dass das Haus standsicher ist? es hat die Flut sehr gut überstanden, allerdings hat der unsinnige Mittelpfeiler hydrodynamische Wasserwirbel am 4. März auf das Haus gelenkt, sodass der Ausbruch erfolgte. Man hat diese Planung zugelassen mit der Aussicht, das Haus zu schädigen. Da muss ich Gunnar Mäder in allem recht geben. Die Sache muss nachverfolgt werden, wer hier für ca.500000.-Eu ungeplante Kosten verantwortlich ist.

  9. Gunnar Mäder sagt:

    Eigentlich hatte ich meine Kommentare zu diesem Thema eingestellt, aber es ist mir ein Bedürfnis, Ihnen, Lewis Mumford zu antworten. Ich gebe Ihnen in jedem Ihrer Worte Recht. Auf soviel Schwachsinn kann man nur mit einem Spruch des alten Konrad Adenauer antworten:“Wir leben alle unter einem Himmel, haben aber nicht alle den gleichen Horizont“. In diesem Sinne müssen wir es wohl erdulden.

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