Standort für die Skulpturen „Vier Tageszeiten“ von Johannes Schilling

Seit 1908 befinden sich die Sandsteinoriginale der Figuren in Chemnitz, weil sich in Dresden durch die Elbluft bedingt, Erosionserscheinungen andeuteten. Deshalb wurden die Figuren noch einmal in Bronze gegossen und an der Brühlschen Terrasse aufgestellt.Wer die räumliche Wirkung des Schlossplatzes in Dresden kennt mit den imposanten Bauwerken des Georgentores, der Kathedrale und des Aufganges zur Brühlschen Terrasse wird einsehen, dass die Wirkung der Figuren dort am besten zur Geltung kommt. Sie ist nur zu begreifen im Kontext dieses Raumes.Für diesen Standort gab es ja einen Wettbewerb; Schillings Entwürfe erhielten den 1.Preis, Franz Schwarz war der Bildhauer.

Der erste Aufstellort in Chemnitz am Theaterplatz mit der Erhöhung der hinteren Figuren und Wasserspiel war deshalb wohl auch der beste, den es hier gab. 1928 mussten sie dem „Chemnitzer Hof“ weichen und wurden 1936 im Schlossteichpark wieder aufgebaut. Der jetzige Standort ist ebenfalls im Zusammenhang mit Park und Brunnen als wirksam anzusehen.80 Jahre stehen die Figuren dort und haben den sauren Regen durch Industrieabgase und Vernachlässigung überstanden. Eine Restaurierung erfolgte 2011.Es handelt sich gewiss um die wertvollste Figurengruppe, die Chemnitz besitzt.Sie soll auch noch lange bestehen bleiben.Was ist derzeit der Grund für Ideen zur Umsetzung der Skulpturen?Ein Grund ist der versteckte Standort. Zu wenige Besucher sehen sich diese Figuren an. Gleichzeitig haben Vandalen dort ungestört Zeit, sich daran zu schaffen zu machen. Ist aber ein Standort mit viel Begängnis eine Gewähr, dass die Figuren nicht beschädigt werden? In Dresden stehen sie auf den Postamenten viel höher als hier.

Bei den Standortvorschlägen scheint der Phantasie keine Grenze gesetzt.  Muss aber erst wieder ein externes Expertengremium tagen, um einen Standort zu ermitteln? Angesichts der städtebaulichen Situation, der Einzelbauten aus der Entstehungszeit darf behauptet werden, dass es einen repräsentativen Standort in zentraler Lage hier nicht gibt. Es geht nicht darum, die Figuren auf dem Theaterplatz oder dem Markt „unterzubringen“. Das ganze Umfeld sollte stimmig sein. Die Figuren verlangen Ruhe und Besinnung. Diese ist derzeit im Schlosspark gegeben. Sollte man vorläufig dort eine gute Ausleuchtung und Kameras installieren, wäre das auch eine Lösung. Auf lange Sicht sollte man an unsere Nachkommen denken und diese Figuren in einem Lapidarium aufstellen. In der Zitadelle Berlin- Spandau ist in dem riesigen Marstall ein Arsenal an Figuren aus alter und neuester Zeit eröffnet worden, das man bei jedem Wetter in Ruhe betrachten kann und das gut geschützt ist. Außerdem entfällt der Aufwand der Verkleidung und der Reinigung durch Taubendreck.

Da es in Chemnitz ein ähnliches Lapidarium in kleinerer Form am Schlossberg gibt, könnte dieses durch die Originale der Schillingschen Figuren noch aufgewertet werden.Am derzeitigen Standort könnten Abgüsse weiterhin für die Atmosphäre sorgen, die den Ort bei der Umsiedlung der Figuren vor knapp 90 Jahren zur erstem Wahl machten. Außerdem gibt es dort noch weitere interessante Objekte zu sehen, beispielsweise den Muschelkalkbrunnen auf der Schlossteichinsel von Bruno Spieß aus dem Jahre 1913.

Generell wird allerdings bei der Diskussion um einen neuen Standort eines deutlich – es mangelt Chemnitz noch immer an einem überlegten Stadtmarketing. Sowohl Lapidarium als auch die Schillingschen Figuren sind auch deshalb selten Ziele von Touristen und Besuchern der Stadt.

Das Stadtforum Chemnitz hat sich auf seiner letzten Beratung zu diesem Standpunkt verständigt.

M.Backhaus, G. Rehn, K. Richter, F. Kotzerke

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Durchgangsverkehr gehört nicht ins Stadtzentrum!

Schon lange befasst sich das Stadtforum mit der vielspurigen Bundesstraße B173, welche das kleine Stadtzentrum tangiert. Infolge von Unfällen und Gefährdungen wurde die Geschwindigkeit dort auf 40km/h herabgesetzt. Das ist aber keine Dauerlösung. Wie kann man dort wenigstens den Schwerlast-und Durchgangsverkehr herausnehmen? Dafür musste bisher die einzige Lösung, die Vollendung des Inenstadtringes angesehen werden. Letztens hat unser Mitstreiter Martin Steudtner in verdienstvoller Form seine Vorstellungen in der Freien Presse verdeutlicht. Eine relativ einfache Lösung mit gleichem Niveau wie die Augustusburger Straße und ggf. Kreisverkehren könnte die Straße parallel zur Bahn an die Dresdner Brücke anbinden. Davor wäre zwar eine erhebliche Stützmauer nötig. Bei Ortsbegehungen auf der Rembrandtstraße wurde klar, dass aber vor der  dortigen Gründerzeitbebauung eine breitere Straße nicht ohne weiteres möglich ist. Und diese würde für den Schwerverkehr aber gebraucht. Auch der Lärmschutz würde unmögliche Schutzwände erforderlich machen.

Infolge der Herstellung des Anschlusses des äußeren Stadtringes Augustusburger Straße-Dresdner Straße laut Bundesverkehrswegeplan steht aber in Aussicht, dass der Schwerverkehr bereits lange vor dem Stadtzentrum auf diesen Ring geleitet werden könnte. Eine schnellere Verbesserung der Situation wäre wie folgt erreichbar nach unserer Ansicht: Die Bahnhofstraße, aber auch die Theaterstraße müssen durch mehr Übergänge besser transparent werden für die Fußgänger. Und auch Tempo 30 ist in einem bestimmten Bereich vorstellbar. Letzteres kann man sofort angehen, die Frage des Innenstadtringes muss dann neu bewertet werden, wenn der äußere Ring in Funktion ist. Es wird sich zeigen wie „beruhigt“ oder nicht die Bahnhofstraße dann wird.

In einer Beratung mit der Stadtverwaltung war Ergebnis, dass man die Vorstellungen des Stadtforums ernst nimmt und ein weiterer Kontakt möglich ist.

 

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Das 10.Vernetzungstreffen der Stadtforen Mitteldeutschlands

Am 9. April fand im Umweltzentrum das 10.Vernetzungstreffen der Stadtforen Mitteldeutschlands statt. Diesmal war Chemnitz wieder einmal Gastgeber. Dank einer längeren Vorbereitung, wo es galt die Partner persönlich zu erreichen, waren schließlich 10 Initiativen gekommen. Die Tagesordnung sah vor, dass jede einmal mit einem Kurzvortrag zu Wort kommt und die Probleme ihrer Stadt, aber auch die Erfolge durch konstruktive Beteiligung aufzeigt. So konnte man sehen wie in Halle, Leipzig, Altenburg, Freiberg, Dresden, Zittau, Görlitz und wir in Chemnitz durch eine stetige ehrenamtliche Arbeit Fragen der Stadtentwicklung, des Denkmalschutzes und des Verkehrs diskutiert und in die Öffentlichkeit getragen werden. Ein gewisses Vorbild ist das „braunschweiger forum“, das schon 30 Jahre existiert und in Braunschweig manches bewirkt hat. Die Vorsitzende des Forums war als Gast zugegen. Bisher wurden in Leipzig in digitaler Form die „Bausteine“, ein Magazin der Stadtforen erstellt und zwar in sehr aufwändiger Arbeit. Dieses Magazin soll nun weitergeführt werden in Form eines A5-Magazins, das periodisch erscheinen soll. Vorbild sind dabei die „Halleschen Hefte“, die schon über 20 Jahre herausgegeben werden. Das Treffen fand allgemein Anklang, auch dank der guten Versorgung. Leider fiel die Stadtführung aus Zeitgründen aus, bei der die wichtigsten Fragen unserer Stadt erläutert werden sollten vor Ort: das Viadukt und die Abriss-Planung der DB, die Bahnhofstraße, Straße der Nationen und Innenstadt. Die Führung soll aber nachgeholt werden.

Diese Treffen sollen auch in den politischen Gremien wie Stadtrat und Landtag Zeichen setzen, dass die Bürger sich konstruktiv mit den Fragen ihrer Stadt befassen, damit diese in jeder Beziehung wohnlicher, ansehnlicher und besser bewohnbarer wird als bisher.

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Widerspruchsfrist VIADUKT-Abriss

bild_5_Michael_Backhaus, Chemnitz

Achtung!

Die Widerspruchsfrist zum Viaduktabriss endet am Freitag den 26.02. – Ab da sind keine Einwände mehr möglich!

Bitte nutzt die Möglichkeit, eure Stadt mitzugestalten und eure Meinung demokratisch einzubringen.

Hier für alle, die Schwierigkeiten mit Einwandsformulierungen haben eine Vorlage als Kurzfassung eines Einwandes zum Vorhaben der Bahn – einfach ausdrucken, unterschreiben und bis Freitag (Posteingang) an die Landesdirektion schicken oder dort in den Briefkasten werfen.

Jede Meinung zählt!

Widerspruch Viadukt_Kurzfassung

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Statement eines Brückenfachmanns

Brücke-denkmal

Man muss dem Stadtforum Chemnitz-Viadukt e. V. dankbar sein für das kämpferische Engagement zum Erhalt einiger historischer Eisenbahnbrücken vor Ort.

Die allenthalben seitens einflussreicher Kreise aggressiv betriebene Zerstörung von erhaltenswerten Stahlbrücken zum Ersatz durch Betonbrücken muss bekämpft werden. Die historischen Stahlbrücken sind oft schon über 100 Jahre in Betrieb und immer noch funktionsfähig, zumindest reparabel. Betonbrücken hingegen sind oft schon nach kaum 35 Jahren irreparabel baufällig. Betonbrücken sind prinzipiell keine Alternative zu Stahlbrücken. Sie sind nicht nachhaltig und wirtschaftlich, von ihrer mangelnden Ästhetik ganz abgesehen. Sie sind volkswirtschaftlich gesehen nicht mehr vertretbar.

Andererseits gibt es ermutigende Beispiele für die erfolgreiche Erhaltung älterer Stahlbrücken zum Beispiel einige Rheinbrücken, allen voran die gigantische Hohenzollernbrücke in Köln. Es gibt auch Beispiele für die erfolgreiche Verhinderung bereits beschlossener Abbrüche von historischen Stahlbrücken. So konnte zum Beispiel schon in den 1980er Jahren die historische „Hackerbrücke“ am Hauptbahnhof in München aus dem Jahre 1890, die zum Abbruch bestimmt war, durch eine Bürgerinitiative gerettet werden. Es wurde eine Untersuchung durchgesetzt und diese ergab, dass keine irreparablen Schäden vorlagen und eine Restaurierung ohne großen Aufwand möglich war. Ein anderes prominentes Beispiel ist die große Eisenbahnbrücke über die Wupper bei Müngsten, die derzeit erfolgreich ertüchtigt wird oder auch die gigantische Hochbrücke bei Rendsburg über den Nord-Ostsee-Kanal, die durch erfolgreiche Restaurierung für weitere Jahrzehnte erhalten werden konnte und damit für den Deutschen Brückenbaupreis 2016 nominiert ist.

Dergleichen kann auch in Chemnitz gelingen!

Richard J. Dietrich
Dipl-Ing. Architekt und Ingenieur

BÜRO DIPL. ING. ARCHITEKT RICHARD J. DIETRICH

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Brief an MP Tillich

Brief eines Bürgers an Ministerpräsident Tillich zum Abrissvorhaben Chemnitzviadukt der DB:

Chemnitztalviadukt

die stadt bin ich_Viadukt

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Die Tage der Reichenhainer Allee sind gezählt

Mahnmale gegen kurzsichtige Stadtgestaltung – die Bäume der Reichenhainer Allee sind leider bald Geschichte!

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Planfestellungsverfahren Viadukt läuft!

die stadt bin ich_Viadukt
 .
Liebe Mitstreiter, liebe Interessenten,
aktuell bis zum 12.2.2016  liegen die Planunterlagen der Deutschen Bahn zum Viadukt  in der Stadtverwaltung Chemnitz – Technisches Rathaus Annaberger Straße aus.
Bis zum 26.2.2016 können Einsprüche geltend gemacht werden.
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Die Bahn hat außerdem die Unterlagen zur letzten Bahn Veranstaltung veröffentlicht. Seit dem 7.1.2016 ist der Informationspavillon im Chemnitz Hauptbahnhof immer donnerstags von 15-17:00 Uhr geöffnet und ein Ansprechpartner ist vor Ort(Anwohnerinfo)!
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Am Mittwoch, 27.1.2015 um 19:00 Uhr  trifft sich der Verein VIADUKT e.V. im Morgner-Archiv, um die nächsten Schritte zu besprechen.
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– Wie organisieren wir möglichst viele schwerwiegende Einsprüche?
– Öffentlichkeitswirksame Aktionen
– Mögliche Unterstützung durch Fachjuristen
– Kontakt zu anderen Initiativen
– Wer kann noch Einfluss auf das Planfeststellungsverfahren nehmen?
 .
Wir bitten um reges Erscheinen – Bitte die Einladung auch an alle weiteren Interessenten verteilen.
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Weitere Hinweise:
 .
StadtforumChemnitz
Kontakt über:
Frank Kotzerke
Phone: 49 371 23537066
 .
VIADUKT e.V.
Verein zur Nutzung des baulichen Erbes der Industrialisierung
Kontakt über:
Dr. Johannes Rödel
Andréstr. 9 / 09112 Chemnitz
Phone: 49 371 307708
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Wunderbarer Film über Eisenbahnviadukt Chemnitz

Die ARISDA film production hat einen Film über das Viadukt Annaberger Straße verfasst, dessen Inhalt nichts hinzuzufügen ist…

VIADUKT CHEMNITZ

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Innenstadtwettbewerb sorgt für Diskussionsstoff

Die Ergebnisse des derzeit ausgestellten städtebaulichen Wettbewerbes zur Gestaltung der Innenstadt hat zu reichlicher Diskussion unter der Bevölkerung gesorgt.
Auch das Stadtforum erarbeitet derzeit ein Papier mit einer Stellungnahme zu den Ergebnissen.
Als häufigster Kritikpunkt kristallisiert sich aber der steife Planungsrahmen – vorgegeben durch die Stadtverwaltung – heraus, der viele gute Ideen von vornherein abgewertet hat. Weiterhin wurde die Ausrichtung des Wettbewerbes auf investorfreundliche Belange sowie die zu hohe Wichtung von Handel und Gewerbe kritisiert.
Hier gibt es sicher noch einigen Diskussionsbedarf. Aus diesem Grunde können wir nur alle interessierten Bürger auffordern, sich die Ausstellung anzuschauen. Diese ist noch bis zum 04. September im Erdgeschoss des Park- und Geschäftshauses Johannisplatz 8 zu sehen.
Nur durch aktive Bürgerbeteiligung können wir helfen unsere Stadt mitzugestalten und unsere Belange einbringen.

Ausstellung Wettbewerb Innenstadt

 

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VIADUKT – Stadt lässt sich nicht in die Taschen lügen

bild_4_Michael_Backhaus,  Chemnitz

Zur Sondersitzung des gestrigen Bau-Planungs- und Umweltausschusses zum Eisenbahnviadukt Annaberger Straße hatte wiederholt die Deutsche Bahn versucht, durch falsche Tatsachendarstellung ihre Vorzugsvariante Brückenneubau gegenüber dem Erhalt des historischen Viaduktes in den Vordergrund zu spielen. Dabei wurde – wie schon im vorangegangenen Prozess auf Transparenz weitestgehend verzichtet. Da könnte man mutmaßen, warum der Vorhabensträger hier DB Netz AG heisst – trifft man doch auf ein verwobenes Geflecht aus Abhängigkeiten zwischen Gutachtern, Planern und Bahn auf. So ist beispielsweise der als unabhängiger Sachverständiger für die Kostenschätzung der Varianten zuständige und der Öffentlichkeit als Prof. der TU Dresden vorgestellte Dr. Stroetmann gleichzeitig Geschäftsführer des für die Planung des Neubaus zuständigen Büros Krebs und Kiefer. Dieses Büro hat bis heute KEINE einzige Stahl-Nieten-Brücke saniert. Sicherlich wurde versucht, dem Zuhörer als Referenz die Theodor-Heuss-Brücke in Mainz unterzuschieben. Nur ist diese Brücke letztendlich geschweisst, die Nieten nur aufgeklebt.

Als Taktik hatte man sich vorgenommen, den Neubau über die Bau- und Erhaltungskosten zum Gewinner zu küren. Nicht verwunderlich – würde bei einer Entscheidung pro Erhalt Krebs und Kiefer ggf. ein Auftrag von nicht unerheblicher Größe durch die Lappen gehen.

Glücklicherweise konnte der unabhängig in die Expertenrunde berufene Prof. Lorenz von der BTU Cottbus für Aufklärung und Relativierung sorgen. So zitierte er den neusten Bahn-eigenen Kostenkatalog nach DIN 276 unter Reflexion seiner Erfahrungen mit vergleichbaren Bauwerken – beispielsweise bei der Sanierung der obergleisischen U-Bahnlinie U2 auf der Berliner Schönhauser Allee – und kam zu völlig anderen Ergebnissen in Bezug auf die Bau- bzw. Erhaltungskosten. Hierbei verteuerte sich der Neubau zusehends bei Kostenreduzierung der Sanierungsvariante, was letztendlich zur Balance führte. Es sei hier noch angeführt, dass Prof. Lorenz wirklich große Erfahrung mit diesbezüglichen Brücken und deren Sanierung hat.

An der Möglichkeit einer Erhaltungsvariante kommt man ohnehin seit dem letzten Bürgerforum nicht mehr vorbei. Und so bestand wenigstens bei der technischen Machbarkeit des Erhaltes Konsens zwischen Denkmalpflege und Bahn.

Erschreckend bei der gesamten Diskussion bleibt, wie wenig Bedeutung die Stadt Chemnitz für die Deutsche Bahn hat. Von einer Fernbahnanbindung oder gar ICE-Anschluss können wir ja gern weiter träumen.

Doch diesmal waren die Stadträte „nicht nur als bloße Staffage“ gekommen, um sich von der Bahn einwickeln zu lassen, um die Legitimation für deren Handlung zu erteilen, wie Tino Fritzsche (CDU) deutlich machte. ALLE Stadträte und Ausschussmitglieder votierten einheitlich für die Variante Erhalt! Und selbst wenn diese Variante teurer als der Neubau wird – Denkmalpflege ist oft intensiver – steht die Stadt zu ihrer Geschichte.

Was sich aus diesem Verhältnis entwickelt bleibt abzuwarten. Ein positives Gefühl aber bleibt.

Sachsenspiegel

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KiKuWe _ K i n d e r k u n s t w e t t b e w e r b _ VIADUKT

Die kreative Phase des Kinderkunstwettbewerbs zum Eisenbahnviadukt Chemnitz neigt sich ihrem Ende. Bislang sind eine Menge Arbeiten eingegangen. Noch bis Samstag können verspätete Arbeiten abgegeben werden.

Die Preisverleihung findet am kommenden Sonntag, den 21.Juni ab 15 Uhr im Restaurant VIVA MAMAJOE´s    Beckerstraße 15-17 statt. Wir laden alle Teilnehmer und Interessierte herzlich dazu ein.

Die Arbeiten aller Kinder werden dann ab Montag in der Galerie Roter Turm zu sehen sein.

Mama Jo´s

Bru cke_klein

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K I N D E R K U N S T v i a d u k t

VIADUKT_Wettbewerb_2015_13

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Unterstützer für „VIADUKT e.V.“ gesucht!

bild_1_Michael_Backhaus, Chemnitz

Der in der Folge des Bekanntwerdens der Abrissvorhaben im Zuge der Bahnstreckensanierung Chemnitzer Bogen – hierrunter fallen das Chemnitzviadukt als markantestes Bauwerk ebenso wie sechs weitere Brücken im Stadtgebiet – hat sich der Verein Viadukt e.V. gegründet. Der Verein setzt sich für den Erhalt dieser wichtigen Zeitzeugen der Chemnitzer Industriegeschichte ein. Wenn Sie sich gerne in unserem Verein engagieren möchten – im Anhang finden Sie unserer Satzung sowie ein Antragsformular zur Vereinsmitgliedschaft, welches Sie bei Interesse bitte ausgefüllt an folgende Adresse schicken:
V i a d u k t e . V .
Verein zur Nutzung des baulichen Erbes der Industrialisierung
Agricolastraße 25
09112 Chemnitz

Wir würden uns sehr über Ihre Mitarbeit freuen!

Satzung VIADUKT e.V.

Mitgliedsantrag

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Das Stadtforum Chemnitz und seine Themen für dieses Jahr

Bei den letzten Sitzungen des Stadtforums wurden folgende Themen als die Wichtigsten erachtet, um Einfluss zu gewinnen auf bestimmte Entscheidungen der Stadtverwaltung und des Stadtrates:
Leider wurde nach wenigen Jahren die Tätigkeit des „Kuratorium für Baukultur und Stadtgestaltung“ wieder eingestellt. Das soll aus Kostengründen geschehen sein. Von uns wurde ausdrücklich auf die Verfahrensweise in Leipzig hingewiesen. Hier aber wurden zu viele „Experten“ von außerhalb eingeladen, welche entsprechende Kosten verursachten. Die Einflussnahme, die Stadt mit fremden Augen zu beurteilen, zu hinterfragen und zu beraten scheint jedoch eine nützliche Sache zu sein.

1. Der Viadukt Annaberger Straße kann und muss erhalten werden!

Die Deutsche Bahn führt Baumaßnahmen auf der Ausbaustrecke Karlsruhe-Nürnberg-Dresden durch. Im Bauabschnitt „Chemnitzer Bahnbogen“ sollen dabei allein sechs Eisenbahnüberführungen neu gebaut werden mit allen dazugehörigen Anlagen und Schallschutzmaßnahmen. Mehrere Brücken stehen unter Denkmalschutz und sind stadtbild-prägend. Vor allem um den 250m langen, einst vierspurigen sogenannten Chemnitztalviadukt ist durch Bürgerschaft und Fachleute mit Petitionen, Unterschriftenlisten und Bürgertreffs ein Kampf um Erhalt oder Abriss entbrannt. Beim 2. Bürgertreff am 27.11.2014 musste von der DB eingeräumt werden, dass nach erneuter Prüfung die Restnutzungsdauer bedeutend weiter zu erfassen ist, da eine Brückenhälfte bis heute nur 35 Jahre unter Belastung stand.
Zur Zeit arbeitet eine Expertengruppe mit der DB Netz daran,  ob sich die Brücke erhalten lässt. Dabei ist  der Befürworter des Erhaltes, Herr Prof. Lorenz  und weitere Gutachter. Eine Entscheidung soll Mitte des Jahres veröffentlicht werden. Das wurde vom Vorsitzenden des Vereins „Viadukt“, Herrn Johannes Rödel auf dem Neujahrsempfang des Vereins bekannt gegeben. Die Chancen dafür haben sich also wesentlich gebessert, weil auch die Stadt von der Prämisse, einen Brückenpfeiler an der Annaberger Straße zu beseitigen, abgegangen war. Die Angaben der Kosten  wurden als unrealistisch angesehen, weil die Sanierungsvariante ebenfalls vom gleichen Büro wie die Neubaulösung ermittelt wurde. Es wurde ein  Kostenvergleich verschiedener Anbieter verlangt.
Für die Brücken Augustusburger Straße, Reichenhainer Straße und Stollberger Straße gibt es aber keine Chance des Erhaltes.

2. Das „Chemnitzer Modell“- Verknüpfung von Straßenbahn und Eisenbahnstrecken
in das Umland

Hier richtet sich die Kritik nicht gegen das Prinzip, weil damit eine Verbesserung des Personenverkehrs in das Umland erwartet wird. Das wurde mit der Pilotstrecke  nach Stollberg seit 2002 bewiesen. Zur Zeit befindet sich die Stufe 2, Bau einer Straßenbahntrasse zum Campus der TU Chemnitz mit Einbindung in das Schienennetz der DB nach Thalheim im Planfeststellungsverfahren. Bis zum 7. April können und müssen Einwände geltend gemacht werden! Die Kritik der Anwohner, Studenten und des Stadtforums richtet sich gegen die geplante Trassenführung auf der Mitte der Reichenhainer Straße, dort wo jetzt noch eine Mittelgangallee mit Platanen vorhanden ist. Es wurden wiederholt Alternativen zur Trassengestaltung vorgelegt, die aber letztlich nicht beachtet werden. Jetzt können unmittelbar Beteiligte ihre Einwände geltend machen. Hier wird vor allem der Verein Stadtbahn e.V. aktiv werden.
Eine weitere Kritik ist die fehlende Anbindung des großen Sportforums, des Friedhofes und des Stadtteiles Reichenhain mit dem 3. Campus der TU. Weiterhin wird die Wirtschaftlichkeit dieser Strecke nach Thalheim bezweifelt. Es gibt keine schriftliche Zusage, dass von Bund und Land die benötigten 250 Mill. € für alle Stufen als Förderung eingehen.

3. Verkehrsberuhigung im Zentrumsbereich und Anbindung des
Reitbahnviertels an das Zentrum

Seit längerer Zeit wird nicht nur vom Stadtforum kritisiert, dass man die Weiterführung des inneren Stadtringes von der Gustav-Freytag-Straße bis zum Dresdner Platz nicht mehr in Erwägung zieht und die Bundesstraße B173 wohl für ewige Zeiten das Stadtzentrum zerteilen soll. Über die sehr breite 6-spurige Bahnhofstraße bewegen sich Fahrzeuge aller Klassen mit Tempo 50 durch die Stadt. Das hat keine Lebensqualität in diesem Bereich !

4. Geplante Bauwerke des Entsorgungsbetriebes Chemnitz an zentraler Stelle

Ganz überraschend hat man Anfang des Jahres Kenntnis erlangt, dass der Entsorgungsbetrieb Chemnitz im Brühlviertel entlang der Mühlenstraße eine riesige Anlage zur Abwasserbeseitigung (Regenüberlaufbecken, Trennbauwerk und Schieberbauwerk) errichten will. Andere Standorte sind angeblich nicht möglich. Das hängt mit dem Mischsystem der Stadt zusammen und den Problemen bei Hochwasser (Fäkalienverunreinigung). Die Vorzugsvariante ist genau dort, wo unlängst der Rahmenentwicklungsplan des Stadtplanungsamt mit dem Büro Prof. Albert Speer eine Blockrandbebebauung erarbeitet hat. Das zeugt von unkoordinierter Arbeit im Rathaus! Wir haben uns von Anfang an für die zwar teurere, aber für die Zukunft bessere Variante an der Brückenstraße ausgesprochen.

Wie zu erfahren ist, hat sich der ESC und die Stadtverwaltung inzwischen für die Variante 2, Bau auf der Brückenstraße, ausgesprochen. Das muss noch vom Stadtrat bestätigt werden. Die Bedenken seitens der Anwohner dort sollten mit Geduld und Sachkunde beantwortet werden.

5. Bebauungspläne in der Innenstadt

Inzwischen ist per Stadtratsbeschluss der Standort für das Technische Rathaus entschieden worden, und zwar im sogenannten „Contiloch“ Ecke Bahnhofstraße/Waisenstraße. Damit wird eine 20 Jahre alte Brache beseitigt. Dafür entsteht im bisherigen Altneubau Annaberger Straße ein riesiger Leerstand. Auch hier wirkt sich die vorbeiführende B 173 nicht vorteilhaft aus. Abgesehen von dem geschilderten Missstand des flutenden Verkehrs auf der Bahnhofstraße wird über die beidseitige Bebauung im Bereich Johannisplatz nach einer Lösung gesucht und nach Investoren. Der Anschluss an den genialen Bau von Erich Mendelsohn ist erforderlich, wenn man nicht in die Hinterhofbebauung mehr sehen will und endlich dort Urbanität herstellen will.

6. Gestaltung Marktplatz und Vorschläge

Was hier langsam zur Komödie ausartet, ist die Suche nach einer guten Gestaltung des Marktplatzes. Da ist offenbar keine Lösung in Sicht, weil zu viele unterschiedliche Vorstellungen kursieren. Das erinnert an die Gedenkstätte Augustusplatz in Leipzig.
Vor 10 Jahren gab es einen Wettbewerbssieger mit einem Tassenbrunnen. Man muss sich über die heutige Funktion eines Marktplatzes klar werden. Zum Handel treiben gibt es andere Flächen, die auch verkehrsmäßig gut angebunden sind. Nur für Ausnahmen wie Weihnachtsmarkt oder historischer Markt sollte dieser Markt noch dienen, dafür ein ansehnlicher Brunnen diesen zieren.

7. Konzeption Tierpark und Vorschläge

Der Stadtrat hat Mittel bewilligt, den Tierpark umzugestalten. Jahrelang wurden Käfige, Tierhäuser und Wegebeziehungen aus Kostengründen vernachlässigt. Die vorgeschlagene Lösung mit neuem Haupteingang stößt auf Kritik. Hier sollte die Meinung der Bürger und Anwohner berücksichtigt werden. Der jetzige Eingang (seit 50 Jahren) am Weg zur Gaststätte „Pelzmühle“, vorbei am Eselgehege und Spielplatz scheint optimal

8. Den ehemaligen Kulturpalast Rabenstein sinnvoll nutzen

Endlich gibt es für den Erhalt des ehemaligen Kulturpalastes (Baujahr 1950 im Stil der Neorenaissance) in Chemnitz-Rabenstein einen Lichblick. Bisher hat der Eigentümer um dessen Abriss gekämpft. Jetzt hat er seine gerichtlichen Schritte zurückgezogen, weil er mit der Stadt einen Bebauungsplan des Grundstücks vereinbart hat. Die Absicht ist geblieben, dieses mit Einfamilienhäusern zu bebauen. Abgesehen davon, dass dies der Gesamtgestaltung widerspricht, wäre eine sinnvolle Nutzung des großen Gebäudes besser. Vorschläge gibt es. Gegenüber ist das Krankenhaus Rabenstein, das dort eine Reha-Einrichtung vor der Tür hätte oder ein Alters-und Pflegeheim.

9. Baumfällungen größten Ausmaßes vor Wohnblöcken Stollberger Straße

Eine 700m lange Pappelallee entlang der Stollberger Straße soll jetzt gefällt werden. Gründe sind angeblich die Standsicherheit und die Gefahr dass Äste abgeworfen werden könnten auf parkende Autos. Die Bürger müssen sich im Klaren sein, dass nach der Abholzung dort kein Lärm- und Staubschutz zur Straße mehr besteht, Lichtblendungen eintreten und die grüne Wand verschwunden ist auf absehbare Zeit. Das Stadtforum findet dabei derzeit Unterstützung durch Baumgutachter und gültige Rechtsurteile.
Der Naturschutz und die Ornithologen werden sich hier ebenfalls einbringen.

Nachwort

Für ein kleines Stadtforum sind das anspruchsvolle Fragen, mit denen sich ja ganze Planungsabteilungen hauptberuflich befassen. Das soll aber zeigen, dass die Bürger ihre Stadt mit Aufmerksamkeit verfolgen und mitgestalten möchten. Dafür wurde der Stadtrat ja auch gewählt.
Das soll aber nicht heißen, dass unser Stadtforum nicht über den Tellerrand hinausschauen kann. Soweit es möglich ist, verfolgen wir die Arbeit der anderen Stadtforen in Mitteldeutschland, aber auch die Planungen in der Berliner Innenstadt (Alexanderplatz) und den fragwürdigen Schloss-Neubau. Auch über die Grenzen hinweg nehmen wir wahr, dass Bürger gegen geplante Supermärkte in Istanbul demonstrieren, weil dort historische Viertel zerstört werden. Auch in China werden solche Viertel rigoros beseitigt. Selbst in New York soll vor 50 Jahren der Abriss des größten Bahnhofes der Welt, der Grand Central Terminal durch Jacky Kennedy verhindert worden sein!
Das gibt uns die Bestätigung weiter zu machen und neue Mitstreiter zu gewinnen.

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Stadt Chemnitz pro Viadukt!

Einen Pluspunkt für den Erhalt des Chemnitz-Viaduktes fügte Baubürgermeisterin Petra Wesseler mit ihrer Aussage auf dem Bürgerforum der Deutschen Bahn zu den Ausbauplänen des s.g. Chemnitzer Bogens im Verlauf der Sachsen-Franken-Magistrale hinzu:

„…Der Erhalt wäre aus Sicht der Stadt Chemnitz wünschenswert.“ Außerdem sei nicht beabsichtigt, die Straßenführung Annaberger Straße im Bereich der Brücke zu erweitern. Mit diesem Argument hat die Bahn die Stadt immer wieder vorgeschoben.

Peinlich und wenig professionell dagegen mutete der Auftritt der Bahn an. Der einzige Experte der Bahn, der auf technische Fragen hätte Auskunft geben können, war ganz unerwartet im Stau irgendwo zwischen Berlin und Chemnitz steckengeblieben. Ihm blieben so die detailierten Fragen aus dem Publikum – beispielsweise von Prof. Lorenz, Leiter des Lehrstuhls für Bautechnikgeschichte und Tragwerkserhaltung an der BTU Cottbus erspart, der extra für diesen Termin nach Chemnitz gekommen war. Er machte auch nochmal auf die weit über sächsische Grenzen reichende baugeschichtliche Bedeutung des Viaduktes aufmerksam.

Die Bahn hatte indes eine Variantenprüfung vorbereitet, zu der neben der Variante Erhalt und der Variante Neubau noch drei Zwitterlösungen angetreten waren, die aber weder als ernsthafte noch vertretbare Lösungen gewertet werden könnten und als vermutliche Alibivarianten hinten runter fielen.

Als Paradoxon fiel sofort auf, dass die Variantenprüfung durch das Büro Krebs & amp; Kiefer erstellt wurde. Wir erinnern uns – das Büro hatte den Wettbewerb für den Neubau der Brücke gewonnen. Ein Schelm, der hier Vorteilsnahme oder Wettbewerbsverzerrung vermutet!

Diese Variantenprüfung versuchte mit einer Grafikübersicht – hinterlegt mit der Tiefgründigkeit einer Grundschularbeit die „Vorzugsvariante“ Neubau nach vorn zu spielen. Dabei korrespondierten beispielsweise bei der Kostenaufstellung Baukosten mit Bau- und Erhaltungskosten und über den Kostenanteil des Abrisses bei Neubau konnte der Verfasser der Variantenprüfung keine Aussage treffen. Ein objektiver Vergleich war jedenfalls nicht gegeben, zumindest nicht ersichtlich.

Eigentum verpflichtet. Auf Nachfrage konnte die Bahn einen explizit mit diesen Aufgaben betrauten Wartungsingenieur präsentieren. Dieser bestätigte die umfängliche Pflege der Brücke – Reperaturen an Entwässerungen etc. seien regelmäßig vorgenommen worden. Regelmäßig hieße dann wohl im Turnus von 30-40 Jahren – denn so alt (und entsprechend defekt) sind die bestehenden Entwässerungen mindestens. Und was die Grünpflege betrifft, so scheinen hier auf der stadtabgewandten Seite Birken angepflanzt worden zu sein. Nein, die Erklärung kommt promt vom Wartungsingenieur: man hatte nur Anweisung, den Wildwuchs auf dem befahrenen Brückenteil zu entfernen.

Negativ muss die geringe Resonanz der Chemnitzer Politik bewertet werden (die Freie Presse hat diese Woche schon einige Bundestags- und Landtagsabgeordnete um ihre Ausreden gebeten). Unterschwellig läßt sich das vermeintliche Desinteresse in der Befürchtung vermuten, dass durch eine Blockade hinsichtlich des Brückenabrisses die Stadt bis in alle Ehwigkeit mit der Abkopplung vom Fernverkehr gestraft wird.

Doch auch hier ließ der Vortrag der Bahn durchblicken, dass die Anbindung an den Fernverkehr offensichtlich überhaupt nicht der primäre Grund für den Streckenausbau darstellt. Vorsorglich hat man schon mal die Lastannahmen und Leistungsmerkmale von durchrauschendem Güterverkehr berechnet und in die Bemessungen einfließen lassen – nur falls mal irgendwann Bedarf…

Dennoch läßt sich aus der Veranstaltung eine Hoffnung mitnehmen, und zwar in Form einer Expertenkommission, die UNABHÄNGIG die Möglichkeiten des Erhalts prüfen und die möglichen entstehenden Kosten richtig einordnen kann und soll. Dieser Kommission soll neben Prof. Geißler, der für die Bahn als Gutachter tätig ist auch Prof. Lorenz angehören, ebenso wie Dr. Rödel vom Verein Viadukt e.V. Die Erkenntnisse sollen in jedem Fall vor Beginn des Planfeststellungsverfahrens gewonnen und bekannt gegeben werden.

Sollte die Vorzugsvariante der Bahn weiterhin Neubau der Brücke lauten, kündigte Baubürgermeisterin Petra Wesseler schon mal eine weitere Bürgerrunde an.

Noch eine Sache zur Unterstützung der Akteure um den Brückenerhalt – 100% der anwesenden Bürger haben sich für das historische Viadukt ausgesprochen. Nach der Veranstaltung haben einige sogar ihre Bereitschaft erklärt, sich bei negativem Ausgang an der Brücke festzuketten.

Im Vorfeld hatten Unbekannte ein Transparent mit der Aufschrift „Industriedenkmal“ an der Brücke angebracht. Diese unverfängliche Botschaft hat die Bahn lieber schnell wieder entfernen lassen – das spricht auch für sich.

Viadukt

Festzuhalten ist – und das hat auch die Deutsche Bahn eingeräumt – das Viadukt ist ein Denkmal und es läßt sich unter allen Nutzungsanforderungen mit noch zu definierenden Ertüchtigungsmaßnahmen erhalten.

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Unterstützung für Viadukt durch Experten

Viadukt von Süden

P1170943Fotos: Gert Rehn

Am 1. November haben Mitglieder der Gesellschaft für Bautechnikgeschichte auch unser Chemnitzer Viadukt besucht und Fragen interessierter Bürger beantwortet. Diese waren ziemlich zahlreich erschienen, aber leider nur eine gewählte Abgeordnete, Petra Zais als Stadträtin und Landtagsabgeodnete. Professor Werner Lorenz vom Lehrstuhl für Bautechnikgeschichte der TU Cottbus erläuterte, dass die DB Netz die vorhandenen Gutachten offen legen solle. Die Informationspolitik der Bahn stand ein weiteres Mal in der Kritik. Unabhängig davon ist es wesentlich, so führte er aus, wie die Gutachten interpretiert werden. Wo ein städtebaulich-politischer Wille da ist, ein solches einmaliges Bauwerk zu erhalten, lassen sich auch Lösungen dafür finden. Die unsinnigen Ausgangsziele der Bahn, dort mit 140 bzw. 160km/h im Gleisbogen fahren zu wollen zwischen mehreren kleinen Bahnhöfen müssen hinterfragt werden. Herr Dr. Rödel als Vorsitzender des neuen Vereins „Viadukt e.V.i.G.“ führte aus, dass die Bahn bei dem Termin etwa fünf Varianten zum Brückenbau vorstellen will. Eine wesentliche Variante des Stadtforums war die eingleisige Trassenführung auf je einer Brücke. Das Viadukt besteht nämlich aus zwei unabhängigen Brückenteilen. Damit wäre die Belastung halbiert. Wir rufen aber alle Interessierte auf, am 27. 11. um 17Uhr in die Annenschule zu kommen, wo Bahn und Stadt ihre Pläne vorstellen wollen. Eine Petition mit 7000 Unterschriften ist wertvoll, aber das Ziel muss weiter verfolgt werden: der Erhalt der Brücke.

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Keine koordinierte Planung im Rathaus…

…mindestens im folgenden Skandal:

Während in der freien Wirtschaft eine unkoordinierte Planung für ein Produkt eine Firma in den Ruin treiben kann, ist das in einem Rathaus nicht möglich. Es wird weiter gewurstelt.
Zum Sachverhalt: am 12. September erfuhr man in der „Freien Presse“ erstmals von einer Planung des städtischen Entsorgungsbetriebes für riesige Becken entlang der Mühlenstraße, obwohl unlängst eine Rahmenplan-Studie für diesen Bereich mit Albert Speer&Partner voller Euphorie erarbeitet wurde.
Das Stichwort „KARREEBEBAUUNG“ und Abriss der DDR-Wohnungsbauten waren wichtige Ziele. Inzwischen wurde auch schon ein großer Block vernichtet. Die Karreebebauung der Gründerzeithäuser an der Mühlenstraße gegenüber war der Stadt vor 10 Jahren den Abriss einer geschlossenen Zeile wert.

Aber nun zum Thema: man erfährt, dass das Regenüberlaufbecken RÜB RU2, das Trennbauwerk und das Drosselbauwerk von der Schwimmhalle bis zur Unteren Aktienstraße keine Hochbauten und keine Grünanlagen mehr zulassen für die fernere Zukunft! In der Ratsvorlage des Dezernates 3/ESC Nr. I-042/2014, unterschrieben von Herrn Runkel wird gesagt, dass diese Standorte bereits seit 2003 im Abwasserbeseitigungskonzept (ABK)verankert sind. Wem sind sie aber bekannt gewesen? Etwa dem Dezernat 6 mit Frau Wesseler an der Spitze? Offenbar nicht, denn dann hätte die Stadtplanung die Rahmenplanung für diesen Bereich nicht in der Form fertigstellen können oder dürfen.

Man muss doch das Anliegen der Stadt und Frau OB Ludwig an der Spitze begrüßen, den Brühl endlich wieder mit Leben zu erwecken durch eine attraktive Gestaltung und entsprechendes Umfeld. Spätestens dann, als erste Ergebnisse der Plandiskussionen mit Speer in der Presse erschienen, hätte sofort Herr Runkel eingreifen müssen und seine Ansprüche dort geltend machen müssen. Im Gegenteil, im letzten Auftritt in der „Drehscheibe Chemnitz“ sagte er aus, dass man von einem Architekten erwarten muss, alle Bedingungen zu erforschen, die am Standort möglich sind. Das ist eine Ausrede! Gäste zeigt man die Bedingungen dieser Stadt und dann erwartet man neue Ideen.
Wie oben angedeutet, hätte so ein unkoordiniertes Arbeiten in einem Betrieb mindestens zu einer Abmahnung geführt, wenn nicht zu einer Entlassung.
Was ist zu tun?
Der alternative Standort am Stumpf Brückenstraße ist um 2 Mill. teurer. dafür kann aber die Bebauung entlang der Mühlenstraße vermieden werden. Die Bäume könnten stehen bleiben und eine gute weitere städtebauliche Entwicklung erfolgen. Dafür sollten sich die Stadträte entscheiden. im Moment hat die Frau OB einen Planungsstopp verfügt.

Wir wollen nicht unbedingt verallgemeinern, aber man muss fragen, was erwartet uns noch für die Zukunft an Überraschungen, weil nicht alle Aspekte bedacht wurden?
Wir sind keine Bedenkenträger, aber oft bewahrheiten sich unsere Voraussagen. Wir haben hier weitere Themen zum Innenstadtring, zur Reichenhainer Straße und der Abholzung der Mittelallee für eine nicht auslastbare Straßenbahn sowie der mangelnden Unterstützung zum Erhalt der sanierbaren Bahnviadukte. Wir erwarten vom neuen Stadtrat, dass er die genannten Vorhaben unter die Lupe nimmt und hinterfragt.
Warum hat man diese Granate hier in den neu gewählten Stadtrat geworfen? Weil so viele neue Räte sich erst orientieren müssen und besser still halten? das wird nicht der Fall sein, denn wir sind eben von den Räten über diesen Skandal informiert worden.
Behalten wir die Entwicklung im Auge!

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Workshop: Als Fußgänger im Zentrum

P1170063

Schon früher hat sich das Stadtforum mit dem Erlebnis der Innenstadt aus Sicht des Fußgängers beschäftigt. Diesmal führte die Route von der Jägerstraße am Contiloch vorbei über den Stefan-Heym-Platz, ein Stück Brückenstraße und entlang des jetzigen Hotels(Rawemahaus) am Roten Turm vorbei hinter C&A zur Inneren Klosterstraße, von dort zur Zentralhaltestelle zum Tietz und zurück zur Jägerstraße. Man muss immer auch fragen, wer ist hier der Fußgänger: Jemand der Zeit hat und gemächlich durch die Innenstadt schlendert oder jemand der nur zum Einkauf und wieder nach Hause möchte. Ist es ein Gast der Stadt oder ein eiliger Bürger, der schnell wieder zum Auto in die Tiefgarage will, weil die Parkuhr läuft. Ist es Jemand, der sich für die Bauten sehr interessiert, diese wahr nimmt oder jemand, der auf einer Bank dem Treiben zusehen möchte. Eines ist allen gemeinsam: dass sie ihr Ziel fußläufig erreichen wollen oder müssen. Wir können es bedauern, dass wir kein Zentrum haben wie Freiberg, Pirna oder Weimar. Das moderne Bauen hat aber auch gute Lösungen hervorgebracht. Kaum ein Bauwerk ist hier älter als 100 Jahre und der Ring um das Zentrum wurde zu DDR-Zeiten nach schwerer Kriegszerstörung festgelegt. Ein Straßenring mit breiten Fahrbahnen, wobei zwei, die B 173 und die B 174 das Zentrum tangieren.
Unsere Runde führte von der sehr ruhigen, zu ruhigen Jägerstraße zur lautesten Kreuzung am Stefan-Heym-Platz. Hier fühlt man sich verlassen und hat einen weiten Blick und Weg über die Ampelstege vor sich. Vor dem Archäologiemuseum auch Unruhe und Straßenlärm. Wohltuend empfanden wir die Zone vor dem umgebauten Rawema-Haus. Das hat urbanes Flair. Auch der Blick zum Johannesplatz. Aber schon an den RückseitenP1170074 der Kaufhäuser Rote-Turm-Galerie und C&A und später auch Kaufhof entlang zu gehen ist ein langweiliger Akt. Dagegen wirkt die Innere Klosterstraße mit den Bauten der fünfziger Jahre und den Neubauten mit Arkaden freundlich. Der Markt war an diesem Tag nicht voll belegt und das war wohltuend. Man sollte den Verkauf dort reduzieren. Der Markt
ist das Herz der Stadt und soll nicht jeden Tag überfrachtet sein von Ständen, Autos und anderem. Der Marktlärm selbst ist auch nicht ohne. Ein würdiger Brunnen ist seit langem angedacht, aber der Stadtrat muss nun endlich Nägel mit Köpfen machen. Über die Zentralhaltestelle können nur die urteilen, die täglich dort umsteigen müssen und auf den ÖPNV angewiesen sind. Das wollen wir uns nicht anmaßen. Jedenfalls wird die Verdichtung durch die VMS-Bahnen noch neue Probleme bringen. Das Erlebnis, über die Bundesstraße 173 zum Tietz zu müssen, empfinden wir als Zumutung, ja als Gefahr für das Leben der Bürger.P1170065 Hier muss alternativ gedacht werden, wenn es auch manchen Autofahrer ärgern wird. Von der Annaberger bis zur Zschopauer sollte eine Verkehrsberuhigung erfolgen durch eine Umfahrung bis einmal der innere Stadtring fertig gebaut ist. Das ist ein Hauptthema, das gesondert zu behandeln ist.
Die folgende Aussage kann nicht akzeptiert werden und da haben die Bürger mitzureden: Das letzte Stück von der Augustusburger- zur Rembrandtstraße steht übrigens ganz vor dem Aus. Gregorzyk zu BILD(9.7.2013): „Wir prüfen zurzeit das Verkehrsaufkommen, ob der Lückenschluss überhaupt noch Sinn macht.“Innenstadtring Chemnitz, Bestand und Planung; Quelle Freie Presse 12.9.2013

Innenstadtring Chemnitz, Bestand und Planung; Quelle Freie Presse 12.9.2013

Unser Weg führte uns über den riesigen Parkplatz vor der Johanneskirche. Was ist da angedacht? Das Stück Augustusburger Straße entlang der erhöhten und versteckten Geschäfte ist auch kein urbanes Erlebnis. Die Jägerstraße im oberen Teil ist derzeit umständlich zu erreichen, für Behinderte ist der Aufzug der Treppe defekt. Diese Zone und Wohnbebauung aus DDR-Zeiten mit Geschäften sollte unbedingt erhalten bleiben.

Fazit unserer Überlegungen zwischenzeitlich:
Die Bundesstraße 173 muss ab Reichsstraße bis Dresdner Brücke herausgenommen werden, der Innenstadtring ist als sehr wichtig einzustufen und baldigst herzustellen. Die Aussage kann nicht akzeptiert werden und da haben die Bürger mitzureden: Das letzte Stück von der Augustusburger- zur Rembrandtstraße steht übrigens ganz vor dem Aus. Gregorzyk zu BILD(9.7.2013): „Wir prüfen zurzeit das Verkehrsaufkommen, ob der Lückenschluss überhaupt noch Sinn macht.“ (!)
Die Bahnhofsstraße zwischen Annaberger und Zschopauer ist im Bereich Sparkasse als Fußgängerbereich auszubilden mit Fahrspuren für ÖPNV, Anlieger, Radfahrer. Die Vision der Erweiterung des Zentrums Richtung Reitbahnviertel soll verwirklicht werden-damit kann die „rote Linie“ um das Zentrum weiter werden, einer Großstadt gemäßer.Die Verbindung vom Stadthallenpark zum Brühl/Theaterplatz ist transparenter herzustellen. Die Passage in den Kunstsammlungen sollte wieder geöffnet werden, denn das war der Architekturgedanke gewesen. Das wird im nächsten Workshop untersucht. Weitere Fußgängerbeziehungen Richtung Brühl sind zu entwickeln.
Es sollten wieder mehr freie Parkplätze eingerichtet werden, weil die vielen Parkhäuser und -plätze das Zentrum unattraktiv machen. Das ist auch geschäftsschädigend, denn die Besucher des Zentrums werden ständig mit Parkgebühren belastet. Auch die vielen Angestellten und Bewohner mit ihren Gästen werden davon betroffen.

Unsere Workshops gehen weiter. Thema wird die Anbindung Brühl-Theaterplatz-Zentrum sein.

Fotos: © Stadtforum Chemnitz

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„Verstärkte Bemühungen“

Jetzt haben wir es amtlich: „…ehemals sichere Abrisskandidaten erfahren verstärkte Bemühungen zu ihrem Erhalt.“ So verkündete es Frau Baubürgermeisterin Wesseler in der „Freien Presse“. Großvermieter oder Privateigentümer wenden sich Gründerzeithäusern und anderen Altbauten zu. Diese „verstärkten Bemühungen“ zeigt die kleine Gruppe des Stadtforums allerdings schon seit fast 10 Jahren auf und wurde dafür oft ausgelacht. Proteste gegen den Abriss stadtbildprägender Bauten liefen ins Leere. Abrissgutachten für den bekannten kommunalen Großvermieter stellten Freibriefe für Kahlschläge an markanten Stellen dar. Wie das Stadtbild dadurch verletzt wurde ist bekannt und noch schmerzlich sichtbar. Der „Problembereich“ Leipziger Straße 101 bis 110 sowie die gegenüber liegende Bebauung waren solche Abrisskandidaten. Als der Abriss auf der einen Seite dort erfolgt war, begann das Dilemma mit den Eigentümern in der zweiten Reihe. Es wurde ein Wettbewerb fu?r die Häuser 101 bis 107 unter Vorgaben der Stadt durchgeführt, die abgerissenen Häuser mit künstlerisch gestalteten (!) Wänden zu versehen. Das Stadtforum war auch beteiligt und hat eine vernünftige Lösung dargelegt, mit wohldurchdachter Nutzung der Räume. Die Häuser sollten traditionell saniert und mit Schallschutzfenstern versehen werden. Diese Vorschläge fanden keine Resonanz. Um so mehr freut es uns, dass gerade dort ein mutiger Investor das erste Gebäude, das Haus 101 saniert hat und dies voll vermietet ist. Allerdings geht der stadtplanerische Unsinn weiter. Häuser werden aufgekauft um sie abzureißen (Hartmannstraße, Blankenauer Straße). An der Mühlenstraße strebt man eine Karreebebauung an und reißt Häuser ab die 40 Jahre alt sind. Auch durch den Abriss von Hochhäusern verschwinden zentrumsnahe Kleinwohnungen. Positiv, dass endlich ein Umdenken einsetzt. Man darf nicht vergessen, dass die Bemühungen von privaten Immobilienmaklern, Architekten und eben auch dem Stadtforum dieses Umdenken mit zu verdanken ist.

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