Bahn oder Bäume?

Podiumsdiskussion in der TU über den Trassenverlauf Reichenhainer Straße

Dank der „Freien Presse“ wurde dieses Thema aufgegriffen und im Audi-Max der Uni diskutiert. Der Hausherr, Rektor Prof. Dr. Arnold van Zyl, die Herren Neuhaus, Gregorzcyk, Hahn, und Warschkow diskutierten unter Moderation der FP, Frau Baldauf und dem Leiter der Lokalredaktion Herrn Uhlig. Anschließend konnten sich die Bürger zum Thema äußern.

Fest steht: die Aktion des Stadtforums und der Bürgerinitiative Stadtbahn e.V. mit den an allen gefährdeten Bäumen angebrachten Schleifen (die von der Stadt am nächsten Morgen schnell entfernt wurden – offensichtlich war Bürgerbeteiligung nicht erwünscht) und die Aktionsarbeit unter den Bürgern haben offenbar Nachwirkungen gezeitigt und ein Umdenken mit sich gebracht.
Während noch vor einem Jahr alle Überlegungen zu alternativen Vorschlägen und mehr Bürgerbeteiligung von der Sprecherin des VMS und anderen Stellen abgebügelt wurden, musste man die massiven Bürgereinsprüche und annähernd 3000 Unterschriften zum Erhalt der Allee und einer Verkehrsberuhigung der Reichenhainer Straße wohl ernster nehmen.

Die Diskussion:
Von allen Podiumsteilnehmern wurde eine Verbesserung der Verkehrskapazität für notwendig gehalten – bei den meisten auch der Erhalt der Allee. Nicht Bahn oder Bäume – sondern Bahn und Bäume.
Es wurde verdeutlicht, dass die Infragestellung der gesamten Maßnahme Chemnitzer Modell, Stufe 2  die Finanzierung des kompletten Vorhabens ggf. gefährden könnte. Und das will keiner! Natürlich muss die Begründung der Baumaßnahme von der Funktion, und dem zu erwartenden Personenaufkommen finanziell absolut wasserdicht sein – Beispiele von Fördermittelrückzahlungen bei verfehlten Maßnahmen zeigen dies deutlich auf.

Verschiedene Möglichkeiten der Straßenbahnintegration in das vorhandene Straßenprofil kamen zur Sprache, vor allem die seitwärtige Lage scheint sich hier als neuer Favorit herauszustellen. In den nächsten 4 Monaten muss hier Klarheit erfolgen, welche Betroffenheiten auf die Bürger zukommen: Schallschutz, Erschütterungsschutz, Liquidierung von Kleingärten usw. Die Planfeststellungsbehörde ist in diesem Verfahren die Landesdirektion. Alle Fragen müssen im Vorfeld geklärt werden – mit dem Ziel einen Konsens aller Beteiligten zu erreichen. Ohne Betroffenheiten wird es bei einer solchen Maßnahme nicht abgehen, das ist klar. Der Erhalt der Allee aber muss aus den bekannten Gründen im Vordergrund stehen.
Eingefordert wurde vom Vorsitzenden des Vereins BI Stadtbahn, Herrn Warschkow dabei eine optimale und gute Information und Beteiligung der Bürger. Er machte nochmals deutlich, dass die o.g. Aktionen in erster Linie dem Erhalt der Allee Reichenhainer Straße dienen. Dem Chemnitzer Modell als solchem stehen die Akteure aufgeschlossen und positiv gegenüber.
Als sehr schwach stellten sich die Argumente des VMS-Geschäftsführers Dr. Neuhaus dar. „da bin ich nicht der Fachmann…“ oder „dazu kann ich nichts sagen, das ist nicht mein Fachgebiet…“ war auf jede zweite Frage zu hören. Dabei mußte er sich des Öfteren von Herrn Gegorzcyk oder seinen Mitarbeitern im Publikum auf die Sprünge helfen lassen.
Beschämend stellte sich auch die Position des Studentenvertreters Herrn Hahn dar. Beschämend nicht wegen seiner sicher berechtigten Meinung, doch aber wegen der aufgeführten Argumente, die zukunftsorientiertes Denken suggerieren sollten – dieses aber vermissen ließen. Tenor: Die Wichtigkeit der Allee steht weit hinter dem Verkehrsprojekt Trassenführung in Mittellage. Die Begründungen dafür reichten gerade mal bis zum Tellerrand – oder für ein Studentenleben von 4-5 Jahren. Der Aufrechnung Busse gegen Bahnen stellte Herr Hahn doch tatsächlich die Aufrechnung von Esel als Verkehrsmittel gegenüber.
Positiv ist die Einstellung des Tiefbauamtleiters Herrn Gregorzcyk zu vermerken – zumal, wenn man diese neue Aufgeschlossenheit mit den Argumentationen zu Beginn des Diskussionsprozesses vor ca. einem Jahr vergleicht.
Fachlich fundiert erläuterte Herr Gregorzcyk die derzeitige Sachlage. Dabei räumte er der Allee eine Chance von 50% ein – vor einem Jahr noch undenkbar.
Der Rektor der Uni Prof. Dr. van Zyl richtete sein Augenmerk ebenfalls auf den Erhalt der Allee. Dabei plädierte er für eine innovative Ausgestaltung der Strecke mit attraktiven Markern entlang der „Uni-Linie“.
Die Äußerungen aus dem Publikum standen einheitlich für den Erhalt der Allee mit allerdings verschiedenen Parametern, die von Verkehrsberuhigung der Reichenhainer Straße bis zur komplett autofreien Zone reichten. Hier brachte Herr Gregorzcyk nochmals das Thema Shared Space auf den Plan.
Auf eine Anfrage aus dem Publikum, ob es nach der Rettung der Allee im nächsten Jahr eine gemeinsame Schleifenaktion der Bürger und der Stadt als Danksagung geben wird, antwortete Herr Gregorzcyk mit Ja.
Die Hoffnung stirbt zuletzt. Generell scheint der Prozess jetzt in eine richtige Richtung zu gehen. Dies sollte beispielhaft für weitere Projekte in der Stadt sein.

Bitte weiterhin unsere Unterschriftenaktion zum Erhalt der „Reichenhainer Allee“ beachten (siehe rechts oben)!

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2 Kommentare zu Bahn oder Bäume?

  1. K. Neugebauer sagt:

    Wichtig waren die Aussagen von Herrn Gregorczyk zu den sogenannten „Betroffenheiten“, die nun in den nächsten 4 Monaten intensiv zu erörtern sind. Er sprach an: der Erschütterungsschutz durch die 70t-Bahnen, der Lärm, die Verkehrsberuhigung auf der Reichenhainer Straße und die Linienführung im Bereich Kleingärten sind von den Planern zu prüfen. Es handelt sich hier nicht um einfache Straßenbahnen,da sie auch eine Zulassung für die DB haben müssen, sondern eben die schweren Hybridbahnen. Wenn diese sich z.B. auf der Turnstraße begegnen 140t auf die Straße bringen. Da dürfen nicht in den Häusern die Möbel wackeln und die Gebäude Schäden erleiden.
    Die Studenten scheinen wirklich unter enormen Zeitdruck zu stehen zwischen den Vorlesungen. Wie soll da ein Student in 45min überhaupt Mittagessen gehen, dann in die Stadt in die Bibliothek fahren, bücher ausleihen und danach gleich in die nächste Vorlesung rennen oder zum Campus zurückfahren.
    Hat man sich das überlegt? Zur gleichen Zeit wollen dann hunderte Studenten in die Innenstadt. Wenn die Studenten nicht da sind zu bestimmten Zeiten, fahren die Bahnen wohl leer? Und wieviele Leute ständig nach Thalheim und zurück wollen, sollte mal jemand sagen.

  2. K. Neugebauer sagt:

    Heute erst erscheint in der „Freien Presse ein Artikel“ dazu. Die Redakteurin hat wesentliche Dinge nicht angesprochen: 1. Die Bürgerkritik hat erst zu der Diskussion geführt (3000 Unterschriften), 2. Die alternativen Vorschläge der Bahnführung fehlen, 3. die Ernsthaftigkeit, Maxi-Busse einzusetzen (dafür aber die Esel des Herrn Hahn), 4. die Betroffenheiten der Anlieger zu nennen und die Notwendigkeit in den nächsten vier Monaten das zu prüfen.
    Ich kann nur sagen: „Mensch, werde wesentlich!“.

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