Gründungsveranstaltung der Leipziger Denkmalstiftung

Am 19. Oktober 2009 wurde in der Alten Börse in Leipzig feierlich die Leipziger Denkmalstiftung ins Leben gerufen. Nach Vorträgen zum Thema folgte die Unterzeichnung der Gründungssatzung durch die Stifter.

Vortrag zur Situation der Denkmalpflege in Leipzig von Herrn zur Nedden, Bürgermeister und Dezernent für Stadtentwicklung und Bau/ Leipzig
Die Stadt Leipzig hat bisher etwa 3 Mio. Euro in die Sanierung von Baudenkmalen gesteckt und steht mit etwa 80% sanierter Gebäude recht gut da.
Begonnen hat es mit 20 Gebäuden, die 2005 in das Gebäudesicherungsprogramm aufgenommen wurden. Ein Großteil derer konnte gerettet werden. Das Gebäudesicherungsprogramm soll dafür sorgen, dass historische Bausubstanz, zu der nicht nur Gründerzeitbauten, sondern auch Gebäude der jüngeren Zeit gehören, gesichert wird bis sich Nutzungskonzepte, Gelder und Investoren finden.
Die Leipziger Wohnungsgesellschaft hat mit dem Verkauf von Gebäuden zu deren Erhalt beigetragen.
Auch in Leipzig gibt es, allerdings nicht so schlimm wie andernorts, einen Überschuss an Wohnungen. Gerne möchte die Stadt auch wertvolle Fabrikanlagen erhalten, indem diese beispielsweise in Wohnungen umgebaut werden. Dadurch allerdings würden „normale“ Wohnungen leerstehen.
Das Stadtforum ist nach Jahren der Auseinandersetzung nun ein wichtiger Ratgeber der Stadt. Einmal im Quartal trifft man sich, um über den behutsamen Stadtumbau zu reden und mitzuentscheiden.
Es existiert ein Denkmalrat mit 13 ehrenamtlichen Mitgliedern.
Die Stadt beteiligt sich finanziell und im Kuratorium an der Leipziger Denkmalstiftung.

Vortrag zur Situation der Denkmalpflege in Sachsen von Dr. Schwarz, Landesamt für Denkmalpflege
Wichtig ist nicht nur die Rettung einzelner Gebäude, sondern der Erhalt und Ausbau der Stadtstruktur.
Seitens der Denkmalschutzbehörde bzw. der Stadt gibt es keine Möglichkeit Besitzer zur Sanierung zu „zwingen“. Hier gilt die Zumutbarkeitsklausel. Ist der Erhalt eines Baudenkmals z.B. nicht rentabel, finden sich keine Nutzer etc., dann ist der Abriss erlaubt.
Man kann allerdings versuchen die Besitzer zu unterstützen und dabei die Gebäude zu erhalten, indem man beispielsweise Steuervorteile gewährt und den Investoren die Möglichkeit gibt Gebäude nach ihren Vorstellungen zu sanieren, auch wenn dadurch der ursprüngliche Zustand veränder wird.

Vortrag zu geretteten Baudenkmalen von Herrn Gormsen, Bürgermeister und Dezernent für Stadtentwicklung und Bau a.D.
Präsentation von Gebäuden wie sie kurz vor dem Verfall standen und heute in neuem Glanz erstrahlen. Aber auch kritische Anmerkungen zu Abrissen und deren Auswirkung auf das Stadtbild.
Das Stadtforum hat Flyer herausgegeben mit Fotos von Gebäuden, die abgerissen bzw. gerettet wurden.

Vorstellung der Leipziger Denkmalstiftung und ihrer Projekte durch Herrn Günther

„Jedes Kulturdenkmal, das heute zugrunde geht, ist für alle Zeit verloren. Was wir jetzt nicht retten, kann nie mehr gerettet werden. Was wir jetzt versäumen, kann keine künftige Generation nachholen.“
Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz

„Wenn man etwas nicht will, findet man Gründe.
Wenn man etwas will, findet man Wege!“

In Mitteldeutschland gibt es historisch wertvolle, teils geschützte Bürgerhäuser, Industriebauten, gar ganze Stadtquartiere, die in ihrem Bestand bedroht sind.
Allein in den letzten Jahren sind viele dieser Gebäude verschwunden, etwa jedes 10te ist akut vom Verfall bedroht.
In Leipzig gibt es noch etwa 2000 Baudenkmale, die es zu sichern bzw. vor dem Verfall zu retten gilt.
Die Bürgerstiftung will Nutzer (Interessenten) und Eigentümer zusammenbringen, informieren und unterstützen, um damit den massiven Denkmalverlust zu verhindern.
Da wo der öffentlichen Verwaltung und den Denkmalschutzbehörden die Mittel fehlen, ist Bürgerinitiative gefragt.
Damit die Städte Mitteldeutschlands auch künftig als Wohn- und Wirtschaftsstandorte attraktiv bleiben muss die Zerstörung von Baudenkmalen gestoppt werden.

Die Leipziger Denkmalstiftung besteht aus:
• Stiftern
• Kuratorium bestehend aus teils namhaften Personen aus Politik und öffentlichen Einrichtungen
• Ehrenamtliche Mitarbeiter
• Partner ( z.B. macht eine Kanzlei die Schriftsachen für die Stiftung, als Spende)

Projekte:
• Kompetenznetzwerk
• Beratung der Denkmaleigentümer zu Finanzierung, Sicherung, Sanierung und Zustand des Gebäudes
• Information der Öffentlichkeit
• Monumentdienst ( jährlicher Wartungsdienst von Fachleuten inkl. Kleinstreparaturen)
• Vermittlung von Denkmälern an geeignete Nutzer/ Käufer
• Denkmaljugend (im Rahmen einer Ausbildung Arbeit in und an Baudenkmalen)
• Zuschüsse und Trägerschaft für Denkmale

Seit Juni 2009 gibt es eine Datenbank, wo Baudenkmale eingestellt werden können, um evtl. Interessenten zu finden.

www.baudenkmale-mitteldeutschland.de

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Ein Kommentar zu Gründungsveranstaltung der Leipziger Denkmalstiftung

  1. Rentier sagt:

    SYMPOSIUM „MONUMENTENDIENSTE“
    AN DER BAUHAUS-UNI WEIMAR

    Am 20. Februar fand auf Einladung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Ortsgruppe Weimar im Hörsaal A der Uni das Symposium unter Leitung von Prof. Dr. Schwarzbach statt.
    Dabei wurden die sehr guten Arbeitsergebnisse der „Monumentenwacht“ in den Niederlanden und des „Monumentendienstes“, des ersten in Deutschland, vorgestellt. Was ist der Monumentendienst?
    Das ist eine Einrichtung, die sich am Anfang zumeist nur aus kompetenten Personen wie Holzschutzgutachter, Denkmalexperten, Architekten, Statiker und Handwerkern zusammensetzt. Das erste Arbeitsgerät ist denkbar einfach.
    Diese Gruppe akquiriert Auftraggeber, die für ihr Denkmal-Gebäude eine kompetente Einschätzung des Bauzustandes benötigen. Eine Verbindung zur Denkmalbehörde wird zunächst nicht benötigt. Es entsteht ein Kurzgutachten, wo die Schädigungen und notwendigen Arbeiten aufgeführt werden.
    In den Niederlanden sind diese Einrichtungen landesweit verteilt und besitzen zumeist hochwertiges Untersuchungsgerät. Die Personen sind hauptamtlich angestellt und verdienen pro St. ca. 25,-Eu. Die Kosten je Gutachten belaufen sich auf 300-600,-Eu.
    Es wird mit den Eigentümern praktisch ein Wartungsvertrag abgeschlossen und das Gebäude beobachtet.
    Denn nicht jeder Hauseigentümer kann Bauschäden richtig beurteilen und oft zahlt sich solch eine rechtzeitige Begutachtung aus.

    Das Symposium endete mit der Verlesung eines Briefes durch Prof.Dr Bennert an die thüringische Ministerpräsidentin Lieberknecht mit dem Ersuchen der Unterstützung beim Aufbau der Monumentendienste. Ohne Mittelzuschüsse geht es zunächst nicht. Später müssen sich die Dienste dann selbst finanzieren.

    Die Dienste können und müssen landesweit separat aufgebaut werden, denn die Leipziger Stiftung wird diese Dienste kaum unter ihrem Dach auf Dauer integrieren können und wollen.
    Aber das bedarf der Abstimmung.

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