Unterstützung für Viadukt durch Experten

Viadukt von Süden

P1170943Fotos: Gert Rehn

Am 1. November haben Mitglieder der Gesellschaft für Bautechnikgeschichte auch unser Chemnitzer Viadukt besucht und Fragen interessierter Bürger beantwortet. Diese waren ziemlich zahlreich erschienen, aber leider nur eine gewählte Abgeordnete, Petra Zais als Stadträtin und Landtagsabgeodnete. Professor Werner Lorenz vom Lehrstuhl für Bautechnikgeschichte der TU Cottbus erläuterte, dass die DB Netz die vorhandenen Gutachten offen legen solle. Die Informationspolitik der Bahn stand ein weiteres Mal in der Kritik. Unabhängig davon ist es wesentlich, so führte er aus, wie die Gutachten interpretiert werden. Wo ein städtebaulich-politischer Wille da ist, ein solches einmaliges Bauwerk zu erhalten, lassen sich auch Lösungen dafür finden. Die unsinnigen Ausgangsziele der Bahn, dort mit 140 bzw. 160km/h im Gleisbogen fahren zu wollen zwischen mehreren kleinen Bahnhöfen müssen hinterfragt werden. Herr Dr. Rödel als Vorsitzender des neuen Vereins „Viadukt e.V.i.G.“ führte aus, dass die Bahn bei dem Termin etwa fünf Varianten zum Brückenbau vorstellen will. Eine wesentliche Variante des Stadtforums war die eingleisige Trassenführung auf je einer Brücke. Das Viadukt besteht nämlich aus zwei unabhängigen Brückenteilen. Damit wäre die Belastung halbiert. Wir rufen aber alle Interessierte auf, am 27. 11. um 17Uhr in die Annenschule zu kommen, wo Bahn und Stadt ihre Pläne vorstellen wollen. Eine Petition mit 7000 Unterschriften ist wertvoll, aber das Ziel muss weiter verfolgt werden: der Erhalt der Brücke.

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Keine koordinierte Planung im Rathaus…

…mindestens im folgenden Skandal:

Während in der freien Wirtschaft eine unkoordinierte Planung für ein Produkt eine Firma in den Ruin treiben kann, ist das in einem Rathaus nicht möglich. Es wird weiter gewurstelt.
Zum Sachverhalt: am 12. September erfuhr man in der „Freien Presse“ erstmals von einer Planung des städtischen Entsorgungsbetriebes für riesige Becken entlang der Mühlenstraße, obwohl unlängst eine Rahmenplan-Studie für diesen Bereich mit Albert Speer&Partner voller Euphorie erarbeitet wurde.
Das Stichwort „KARREEBEBAUUNG“ und Abriss der DDR-Wohnungsbauten waren wichtige Ziele. Inzwischen wurde auch schon ein großer Block vernichtet. Die Karreebebauung der Gründerzeithäuser an der Mühlenstraße gegenüber war der Stadt vor 10 Jahren den Abriss einer geschlossenen Zeile wert.

Aber nun zum Thema: man erfährt, dass das Regenüberlaufbecken RÜB RU2, das Trennbauwerk und das Drosselbauwerk von der Schwimmhalle bis zur Unteren Aktienstraße keine Hochbauten und keine Grünanlagen mehr zulassen für die fernere Zukunft! In der Ratsvorlage des Dezernates 3/ESC Nr. I-042/2014, unterschrieben von Herrn Runkel wird gesagt, dass diese Standorte bereits seit 2003 im Abwasserbeseitigungskonzept (ABK)verankert sind. Wem sind sie aber bekannt gewesen? Etwa dem Dezernat 6 mit Frau Wesseler an der Spitze? Offenbar nicht, denn dann hätte die Stadtplanung die Rahmenplanung für diesen Bereich nicht in der Form fertigstellen können oder dürfen.

Man muss doch das Anliegen der Stadt und Frau OB Ludwig an der Spitze begrüßen, den Brühl endlich wieder mit Leben zu erwecken durch eine attraktive Gestaltung und entsprechendes Umfeld. Spätestens dann, als erste Ergebnisse der Plandiskussionen mit Speer in der Presse erschienen, hätte sofort Herr Runkel eingreifen müssen und seine Ansprüche dort geltend machen müssen. Im Gegenteil, im letzten Auftritt in der „Drehscheibe Chemnitz“ sagte er aus, dass man von einem Architekten erwarten muss, alle Bedingungen zu erforschen, die am Standort möglich sind. Das ist eine Ausrede! Gäste zeigt man die Bedingungen dieser Stadt und dann erwartet man neue Ideen.
Wie oben angedeutet, hätte so ein unkoordiniertes Arbeiten in einem Betrieb mindestens zu einer Abmahnung geführt, wenn nicht zu einer Entlassung.
Was ist zu tun?
Der alternative Standort am Stumpf Brückenstraße ist um 2 Mill. teurer. dafür kann aber die Bebauung entlang der Mühlenstraße vermieden werden. Die Bäume könnten stehen bleiben und eine gute weitere städtebauliche Entwicklung erfolgen. Dafür sollten sich die Stadträte entscheiden. im Moment hat die Frau OB einen Planungsstopp verfügt.

Wir wollen nicht unbedingt verallgemeinern, aber man muss fragen, was erwartet uns noch für die Zukunft an Überraschungen, weil nicht alle Aspekte bedacht wurden?
Wir sind keine Bedenkenträger, aber oft bewahrheiten sich unsere Voraussagen. Wir haben hier weitere Themen zum Innenstadtring, zur Reichenhainer Straße und der Abholzung der Mittelallee für eine nicht auslastbare Straßenbahn sowie der mangelnden Unterstützung zum Erhalt der sanierbaren Bahnviadukte. Wir erwarten vom neuen Stadtrat, dass er die genannten Vorhaben unter die Lupe nimmt und hinterfragt.
Warum hat man diese Granate hier in den neu gewählten Stadtrat geworfen? Weil so viele neue Räte sich erst orientieren müssen und besser still halten? das wird nicht der Fall sein, denn wir sind eben von den Räten über diesen Skandal informiert worden.
Behalten wir die Entwicklung im Auge!

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Workshop: Als Fußgänger im Zentrum

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Schon früher hat sich das Stadtforum mit dem Erlebnis der Innenstadt aus Sicht des Fußgängers beschäftigt. Diesmal führte die Route von der Jägerstraße am Contiloch vorbei über den Stefan-Heym-Platz, ein Stück Brückenstraße und entlang des jetzigen Hotels(Rawemahaus) am Roten Turm vorbei hinter C&A zur Inneren Klosterstraße, von dort zur Zentralhaltestelle zum Tietz und zurück zur Jägerstraße. Man muss immer auch fragen, wer ist hier der Fußgänger: Jemand der Zeit hat und gemächlich durch die Innenstadt schlendert oder jemand der nur zum Einkauf und wieder nach Hause möchte. Ist es ein Gast der Stadt oder ein eiliger Bürger, der schnell wieder zum Auto in die Tiefgarage will, weil die Parkuhr läuft. Ist es Jemand, der sich für die Bauten sehr interessiert, diese wahr nimmt oder jemand, der auf einer Bank dem Treiben zusehen möchte. Eines ist allen gemeinsam: dass sie ihr Ziel fußläufig erreichen wollen oder müssen. Wir können es bedauern, dass wir kein Zentrum haben wie Freiberg, Pirna oder Weimar. Das moderne Bauen hat aber auch gute Lösungen hervorgebracht. Kaum ein Bauwerk ist hier älter als 100 Jahre und der Ring um das Zentrum wurde zu DDR-Zeiten nach schwerer Kriegszerstörung festgelegt. Ein Straßenring mit breiten Fahrbahnen, wobei zwei, die B 173 und die B 174 das Zentrum tangieren.
Unsere Runde führte von der sehr ruhigen, zu ruhigen Jägerstraße zur lautesten Kreuzung am Stefan-Heym-Platz. Hier fühlt man sich verlassen und hat einen weiten Blick und Weg über die Ampelstege vor sich. Vor dem Archäologiemuseum auch Unruhe und Straßenlärm. Wohltuend empfanden wir die Zone vor dem umgebauten Rawema-Haus. Das hat urbanes Flair. Auch der Blick zum Johannesplatz. Aber schon an den RückseitenP1170074 der Kaufhäuser Rote-Turm-Galerie und C&A und später auch Kaufhof entlang zu gehen ist ein langweiliger Akt. Dagegen wirkt die Innere Klosterstraße mit den Bauten der fünfziger Jahre und den Neubauten mit Arkaden freundlich. Der Markt war an diesem Tag nicht voll belegt und das war wohltuend. Man sollte den Verkauf dort reduzieren. Der Markt
ist das Herz der Stadt und soll nicht jeden Tag überfrachtet sein von Ständen, Autos und anderem. Der Marktlärm selbst ist auch nicht ohne. Ein würdiger Brunnen ist seit langem angedacht, aber der Stadtrat muss nun endlich Nägel mit Köpfen machen. Über die Zentralhaltestelle können nur die urteilen, die täglich dort umsteigen müssen und auf den ÖPNV angewiesen sind. Das wollen wir uns nicht anmaßen. Jedenfalls wird die Verdichtung durch die VMS-Bahnen noch neue Probleme bringen. Das Erlebnis, über die Bundesstraße 173 zum Tietz zu müssen, empfinden wir als Zumutung, ja als Gefahr für das Leben der Bürger.P1170065 Hier muss alternativ gedacht werden, wenn es auch manchen Autofahrer ärgern wird. Von der Annaberger bis zur Zschopauer sollte eine Verkehrsberuhigung erfolgen durch eine Umfahrung bis einmal der innere Stadtring fertig gebaut ist. Das ist ein Hauptthema, das gesondert zu behandeln ist.
Die folgende Aussage kann nicht akzeptiert werden und da haben die Bürger mitzureden: Das letzte Stück von der Augustusburger- zur Rembrandtstraße steht übrigens ganz vor dem Aus. Gregorzyk zu BILD(9.7.2013): „Wir prüfen zurzeit das Verkehrsaufkommen, ob der Lückenschluss überhaupt noch Sinn macht.“Innenstadtring Chemnitz, Bestand und Planung; Quelle Freie Presse 12.9.2013

Innenstadtring Chemnitz, Bestand und Planung; Quelle Freie Presse 12.9.2013

Unser Weg führte uns über den riesigen Parkplatz vor der Johanneskirche. Was ist da angedacht? Das Stück Augustusburger Straße entlang der erhöhten und versteckten Geschäfte ist auch kein urbanes Erlebnis. Die Jägerstraße im oberen Teil ist derzeit umständlich zu erreichen, für Behinderte ist der Aufzug der Treppe defekt. Diese Zone und Wohnbebauung aus DDR-Zeiten mit Geschäften sollte unbedingt erhalten bleiben.

Fazit unserer Überlegungen zwischenzeitlich:
Die Bundesstraße 173 muss ab Reichsstraße bis Dresdner Brücke herausgenommen werden, der Innenstadtring ist als sehr wichtig einzustufen und baldigst herzustellen. Die Aussage kann nicht akzeptiert werden und da haben die Bürger mitzureden: Das letzte Stück von der Augustusburger- zur Rembrandtstraße steht übrigens ganz vor dem Aus. Gregorzyk zu BILD(9.7.2013): „Wir prüfen zurzeit das Verkehrsaufkommen, ob der Lückenschluss überhaupt noch Sinn macht.“ (!)
Die Bahnhofsstraße zwischen Annaberger und Zschopauer ist im Bereich Sparkasse als Fußgängerbereich auszubilden mit Fahrspuren für ÖPNV, Anlieger, Radfahrer. Die Vision der Erweiterung des Zentrums Richtung Reitbahnviertel soll verwirklicht werden-damit kann die „rote Linie“ um das Zentrum weiter werden, einer Großstadt gemäßer.Die Verbindung vom Stadthallenpark zum Brühl/Theaterplatz ist transparenter herzustellen. Die Passage in den Kunstsammlungen sollte wieder geöffnet werden, denn das war der Architekturgedanke gewesen. Das wird im nächsten Workshop untersucht. Weitere Fußgängerbeziehungen Richtung Brühl sind zu entwickeln.
Es sollten wieder mehr freie Parkplätze eingerichtet werden, weil die vielen Parkhäuser und -plätze das Zentrum unattraktiv machen. Das ist auch geschäftsschädigend, denn die Besucher des Zentrums werden ständig mit Parkgebühren belastet. Auch die vielen Angestellten und Bewohner mit ihren Gästen werden davon betroffen.

Unsere Workshops gehen weiter. Thema wird die Anbindung Brühl-Theaterplatz-Zentrum sein.

Fotos: © Stadtforum Chemnitz

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„Verstärkte Bemühungen“

Jetzt haben wir es amtlich: „…ehemals sichere Abrisskandidaten erfahren verstärkte Bemühungen zu ihrem Erhalt.“ So verkündete es Frau Baubürgermeisterin Wesseler in der „Freien Presse“. Großvermieter oder Privateigentümer wenden sich Gründerzeithäusern und anderen Altbauten zu. Diese „verstärkten Bemühungen“ zeigt die kleine Gruppe des Stadtforums allerdings schon seit fast 10 Jahren auf und wurde dafür oft ausgelacht. Proteste gegen den Abriss stadtbildprägender Bauten liefen ins Leere. Abrissgutachten für den bekannten kommunalen Großvermieter stellten Freibriefe für Kahlschläge an markanten Stellen dar. Wie das Stadtbild dadurch verletzt wurde ist bekannt und noch schmerzlich sichtbar. Der „Problembereich“ Leipziger Straße 101 bis 110 sowie die gegenüber liegende Bebauung waren solche Abrisskandidaten. Als der Abriss auf der einen Seite dort erfolgt war, begann das Dilemma mit den Eigentümern in der zweiten Reihe. Es wurde ein Wettbewerb fu?r die Häuser 101 bis 107 unter Vorgaben der Stadt durchgeführt, die abgerissenen Häuser mit künstlerisch gestalteten (!) Wänden zu versehen. Das Stadtforum war auch beteiligt und hat eine vernünftige Lösung dargelegt, mit wohldurchdachter Nutzung der Räume. Die Häuser sollten traditionell saniert und mit Schallschutzfenstern versehen werden. Diese Vorschläge fanden keine Resonanz. Um so mehr freut es uns, dass gerade dort ein mutiger Investor das erste Gebäude, das Haus 101 saniert hat und dies voll vermietet ist. Allerdings geht der stadtplanerische Unsinn weiter. Häuser werden aufgekauft um sie abzureißen (Hartmannstraße, Blankenauer Straße). An der Mühlenstraße strebt man eine Karreebebauung an und reißt Häuser ab die 40 Jahre alt sind. Auch durch den Abriss von Hochhäusern verschwinden zentrumsnahe Kleinwohnungen. Positiv, dass endlich ein Umdenken einsetzt. Man darf nicht vergessen, dass die Bemühungen von privaten Immobilienmaklern, Architekten und eben auch dem Stadtforum dieses Umdenken mit zu verdanken ist.

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Offener Brief zum Erhalt des Eisenbahnviaduktes Annaberger Str./Beckerstr.

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Ludwig,
Sehr geehrte Stadträte,
Sehr geehrte Stadtverwaltung und Fachämter der Stadt Chemnitz

Historisches Eisenbahnviadukt Annaberger Straße in Chemnitz vom Abriss bedroht

Im Zuge des Deutsche Bahn Ausbauprojektes Sachsen-Franken-Magistrale sollen mehrere Brücken im Chemnitzer Stadtbereich abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden. Darüber ist mehrfach in der Öffentlichkeit berichtet und auch diskutiert worden, u.a. in der Informationsveranstaltung der Deutschen Bahn am 25. Februar 2014 in Chemnitz, in der deutlich sachliche Einwendungen zum Abriss vorgetragen wurden.

Das Eisenbahnviadukt Beckerstraße, Chemnitzfluss, Annaberger Straße, das sogenannten Chemnitztalviadukt, ist eine filigrane Stahl-Nietenbrücke aus dem Jahre 1909, die frühzeitig denkmalgeschützt worden ist. Dieses Eisenbahnviadukt überliefert eine Großleistung der Ingenieurbaukunst Ihrer Vorgänger und ist gerade für die kulturhistorische Vergangenheit der Stadt Chemnitz, dem „Sächsischen Manchester“ als eine der bedeutendsten deutschen Industriestädte vom 18. zum 19. Jh. von enormer Bedeutung und Wichtigkeit.

Dagegen richten sich nun die Pläne der Deutschen Bahn, die den Ersatz durch eine Stahlverbundkonstruktion bevorzugen, um den kompletten Ausbaustandard mit einer vollen Belastungsauslegung und maximaler Geschwindigkeit von 160km/h zu entsprechen. Als Gründe werden unter anderem angeblich Materialermüdungen in der Stahlkonstruktion angeführt.

Wie Sie sicherlich mehrfach aus der örtlichen Presse erfahren haben, beteiligen sich mittlerweile im Diskurs zu den Abrissplänen in Praxis und Forschung überregional tätige Fachleute und Experten aus der Materialtechnologie und Stahlbrückenbau, die dies fachlich widerlegen, mindestens jedoch anzweifeln.

Weiterhin ist zu untersuchen, ob die geplanten Ausbaustandards eine angemessene Bewertungsgrundlage für den Chemnitzer Gleisbogenabschnitt darstellen, da die Gleisführung verkehrstechnisch zudem in innerstädtischer Lage keine Maximalauslegung erreichen wird.

Nach der Übergabe von 9.000 Unterschriften für den Erhalt des Eisenbahnviaduktes im vergangenen Jahr an die Stadt Chemnitz wollen wir als professionell tätige Planer im Bauwesen eine verantwortungsbewusste Haltung im Umgang mit historisch bedeutenden Bauwerken in Sachsen bekunden und hoffen, Ihre Aufmerksamkeit zu finden.

Die Unterzeichner empfehlen, dass

1. ein sachlicher und fairer Austausch zu allen Planungsvarianten stattfindet;
2. schon vor einem Planfeststellungsverfahren die öffentliche Einsichtnahme in die Bauzustandsgutachten ermöglicht wird;
3. Bedenken und Stellungnahmen externer Fachleute angehört und fachlich geprüft werden.
4. die Beantragung von den Fördermitteln für den Ausbau in dem Chemnitzer Teilstück offen gelegt wird, um objektive Kostenvergleiche zu gewährleisten
5. eine bewusste Bewertung des kulturhistorischen Wertes der Eisenbahnbrücke als städtisches Industriebaudenkmal im Sinne einer Nachhaltigkeitsprüfung

Wir halten es für bedauernswert, ein frühzeitig denkmalgeschütztes Kulturgut ohne Offenlegung von Entscheidungsgrundlagen und gutachterlicher Untersuchungen, ohne Beteiligung der Öffentlichkeit an der Abwägung des historisch und städtebaulichem Werts aufzugeben und legen Ihnen dringlichst die Auseinandersetzung mit der Aufgabenstellung Ausbau Sachsen-Franken-Magistrale im städtischen Kerngebiet nahe.

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Die Zukunft des Sportforums

Wie neulich in der Freien Presse zu lesen und nochmals im Amtsblatt beweihräuchernd wiedergegeben, ist der Stadt Chemnitz ein neuerlicher Clou dilettantischer Stadtplanung gelungen! Man plant, das Sportforum in Angriff zu nehmen. Dazu soll sich neben der Kommune auch das Land beteiligen. Sollte jetzt vielleicht bei dem einen oder anderen die Hoffnung keimen, hier wird zukünftig wieder an wunderbare Tradition Chemnitzer Sportgeschichte angeknüpft – er wird enttäuscht.

Man möchte zwar die Leistungszentren der einzelnen Sportarten stabilisieren, das ist aber weniger relevant für eine breite Öffentlichkeit denn für interne Qualität. Viel entscheidender ist, das Hauptstadion, einst Austragungsort von Fußball-Länderspielen oder internationalen Leichtathletik-Meetings soll platt gemacht werden. Dazu fällt als erstes der Turm des Marathontores, es folgen die Zuschauertraversen. Die legendäre Radrennbahn wird gerade mal für Trainingszwecke saniert. Nachdem die Stadt jahrelang dem Verfall des Sportforums tatenlos zugesehen hat, werden nun die Reste zusammengeschoben und weggekehrt. Und dazu fordert man auch noch das Land auf, sich finanziell zu beteiligen. Das ganze wird dann der Öffentlichkeit auch noch als „neues Konzept der Stadt für das Sportforum“ vorgestellt.

An anderer Stelle werden Millionen für ein neues, sicher wichtiges Fußballstadion investiert, das in seiner Funktionalität gerade mal einen Nachmittag alle zwei Wochen genutzt wird.

In diesem Zusammenhang hätte sich doch – mit etwas Weitblick – sicher eine gemeinsame Zukunft für beide Funktionen an der Reichenhainer Straße finden lassen. Eine bis dato fragwürdige Bahnlinie des Chemnitzer Modells für diese Strecke würde dann auch mit etwas mehr Sinn hinterlegt werden.

Und so verschwindet ein weiteres Stück Identität aus der Stadt…

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Kritik an Abrissplänen Viadukt

Die Zeitschrift DIE WELT befaßt sich am 21. März mit dem Chemnitzer Eisenbahnviadukt und den Abrissplänen der Bahn:

Viadukt – DIE WELT

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Eisenbahnviadukt – Alternativvorschlag

Das Stadtforum hat sich im Nachgang an die Veranstaltung zum Eisenbahnviadukt Beckerstraße?Chemnitzfluss?Annaberger Straße in der Annenschule nochmals zusammengefunden und Gedanken zu den vorgebrachten Argumenten ausgetauscht.
Diese möchten wir hiermit gern kundtun.
Es wurde auf der o.g. Veranstaltung ein Vorschlag unterbreitet, der den partiellen Erhalt – genauer den Erhalt der äußeren Seitenbauteile und eine dazwischen verlaufende Neubaukonstruktion aus Stahlbeton zum Inhalt hatte. Dieser Vorschlag wurde von den Vertretern der Bahn als zu
überprüfende Variante mitgenommen, ebenso wurde dieser Vorschlag von den Medien in der Folge als Strohhalm zum Erhalt aufgegriffen.
Nach unserer Auffassung ist dieser Vorschlag nicht ausführbar, mindestens nicht im Sinne eines sensiblen Umgangs mit einem zu erhaltenden Kulturdenkmal. Das begründet sich wie folgt:
Zum ersten und für unser Verständnis wichtigsten Punkt, dem Erscheinungsbild: Durch die Liquidierung der gesamten inneren Konstruktion würde sich die Ästhetik des Fachwerkes auflösen, die filigrane Erscheinung ginge verloren. Dabei ist die Untersicht des Viaduktes besonders beeindruckend. Letztendlich bliebe eine neue Betonkonstruktion übrig, deren Seitenansicht durch die Außenbauteile der historischen Brücke etwas kaschiert würde, das Erscheinungsbild würde „aufgeklebt“ anmuten. Weiterhin würde diese Mischbauweise nicht den gewünschten Effekt der
Durchgangsverbreiterung Annaberger Straße / Chemnitzfluss erzielen – es sei denn, eine weitere Krücke würde eingebaut, nämlich der Wegfall des Mittelpfeilers.
Ein zweiter wichtiger Punkt ist die technische Machbarkeit. Der Aufwand – den gesamten Mittelteil aus der Verbundkonstruktion der Nietenbrücke zu lösen erscheint enorm und im Sinne der Sache unverhältnismäßig. Dies wird bei Betrachtung von der Gründung bis zum Verbund der Fahrbahnebene deutlich. Zudem erfordert der in dem Vorschlag verbliebene historische Teil eine ebenso aufwändige Sanierung der Beschichtung und der tragenden Bauteile wie die Gesamtbrücke bei Kompletterhalt.
Was diese Variante letztendlich für die Baukosten bedeutet, ist absehbar. Nach unserer Meinung dient dieser Vorschlag gerade als Alibi, um Abrissgegnern letztendlich eine von der Bahn geprüfte, aber final abzulehnende Alternative vorzeigen zu können.
Wir würden gern einen weiteren Alternativvorschlag unterbreiten, der ggf. alle Beteiligten befriedigen könnte: Erhalt des kompletten Brückenbauwerkes und entsprechende Sanierung bei Verlagerung der beiden Richtungsfahrgleise auf jeweils eine der beiden parallelen Einzelbrücken mit mittiger Stromführung (jetzt zwei Gleise auf einem Brückenteil und Stromversorgung auf dem anderen Brückenteil). Dies führt im Wesentlichen zur Belastungsminderung der Gesamtkonstruktion im Vergleich zum Ist?Zustand und würde trotzdem die verkehrstechnischen Parameter im Kontext Baudenkmal nach unserem Dafürhalten erfüllen.
Wir fordern weiterhin die Offenlegung der Bestandsgutachten aus dem Wettbewerb vor dem Planfeststellungsverfahren. Ebenso sollten die fördertechnischen Rahmenbedingungen offengelegt werden.
Wir als Stadtforum würden uns im weiteren Prozess ein stärkeres Engagement der Stadt für dieses im Zusammenhang mit der Industriegeschichte von Chemnitz bedeutende Bauwerk wünschen.
Außerdem sollte generell auch über die weiteren im Verlauf der Eisenbahnstrecke auf Stadtgebiet befindlichen Brücken nachgedacht werden. Auch hier scheint der Abriss sicherlich vermeidbar.

bild_5_Michael_Backhaus, ChemnitzFoto: Michael Backhaus

 

P1170098Foto: Gert Rehn

Die Eisenbahnüberführung Bernhardstraße als genietete Brücke wurde beispielhaft saniert, so wie wir es von der DB Netz für das Viadukt auch erwarten.

 

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Viadukt- Infoveranstaltung am 14.2. um 17 Uhr Annenschule

Über die Presse erfährt man, dass die Deutsche Bahn, die Stadtverwaltung und Ingenieurbüros über die geplanten Maßnahmen an der Bahnstrecke ab Km 80,5-km 83,3 der Bahnstrecke Dresden-Werdau zu der Veranstaltung informieren wollen. Das ist etwa der Bereich vom Dresdner Platz bis zum Walkgraben. Eine Menge an EÜ (Eisenbahnüberführungen) und Stützmauern sind zu erneuern.

Darunter eben auch denkmalgeschützte Bahnbrücken, welche die Kriege überstanden haben und die DDR-Zeit. Es ist gar keine Frage, wenn etwas wirklich verschlissen ist, dann kann es nicht erhalten werden. Wenn aber das namhafte Ingenieurbüro GMG Dresden auf seiner Referenzliste zu der Aussage kommt, dass die Brückenbögen des Viaduktes Annaberger Str. stabil sind und die Gerberträger ausgetauscht oder ertüchtigt werden können, dann ist der Abriss nicht einzusehen! Gleiches gilt auch für die wertvollen Brücken Reichenhainer Straße.
Auch erfahrene Stahlbaubetriebe, welche die große Brücke in Rendsburg und die U2 Brücken in Berlin sanierten, halten die Sanierung für möglich. Spezialisten waren bereits hier.

Zur Zeit führt die Bahn-Projektbau die Umweltveträglichkeitsprüfung im Scopingverfahren durch. Aus der Beteiligungsliste kann man erfahren, wer dazu Stellung nehmen darf: zwei Anglerverbände(!), die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald(!), der Landesjagdverband(!), Landesverein Sächsischer Heimatschutz und die Verwaltung der Stadt und Landesdirektion neben weiteren Beteiligten. Es fehlen die Vereine, die gerade für die Chemnitzer Geschichte viel tun, auch das Industriemuseum. Bürgerinitiativen, welche für den Erhalt der Brücken eintreten, werden erst gar nicht beteiligt, deren Stimmen zählen nicht.

Im Podium werden sitzen Herr Fröhlich (DB Netz AG) als Bauherr, Herr Buchmann (DB Projektbau), Herr Prof. Geißler (GMG), Herr Dietz (Wettbewerbssieger), Frau Bürgermeister Wesseler und Herr Gregorczyk, Tiefbauamtsleiter.
Keiner von den Herrschaften stammt aus Chemnitz (außer Herr Gregorczyk) und hat zu diesen Bauten eine emotionale Bindung.

Wer dorthin geht, sollte aber auch alle möglichen fachlichen Argumente überdenken und sich vorbereiten.
Natürlich werden auch Chemnitzer die vorgesehenen Maßnahmen ohne Abstriche unterstützen.

Entsprechend unserem Statut treten wir aber für den Erhalt wertvoller alter Bausubstanz dann ein, wenn sich diese ertüchtigen lässt für eine längere Zeit.
Auch weitere Initiativen haben sich gegen den Abriss eingebracht.

Erhaltet diese Chemnitzer Wahrzeichen-erhaltet die Identität der Stadt-schon zu viel wurde zerstört!

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Zum Artikel der Freien Presse vom „Denkmalschutz fordert Erhalt maroder Häuser in Kappel“ 23.11.2013

Was ist eigentlich „marode“? Das ist für mich auch eine Gesellschaft, die ihre Vergangenheit mit der Abrissbirne behandelt.
Die Häuser Reitzstraße 2 und 4 gehörten zu den ersten „Neubauten“ in Chemnitz nach dem Krieg.
Dass diese Häuser nicht dem „modernen“ Industriestandard entsprechen, dürfte unstrittig sein.
Doch funktioniert haben diese Häuser und marode sind sie erst geworden, nachdem sie von der ruhmreichen GGG vernachlässigt wurden. Doch es gibt wesentlich schlechtere Gebäudezustände, die saniert wurden und werden.
Und es gab nicht nur eine Unterschriftensammlung, sondern auch eine Gruppe von Bürgen dieser Stadt, die den gesamten Komplex von 6 Häusern von der GGG kaufen wollten. Auch für die Reitzstraße 4 gab es einen Kaufinteressenten und mehrere Mietinteressenten. Es gab Entwürfe einer Architektin. Es gab Gespräche bei der Ober-, Bau- und Sozialbürgermeisterin ( es ging auch um Wohnungen für Allergiker und MCS – Kranke ). Dort gab es zwar löbliche Worte, jedoch nur Unterstützung von den Selbstnutzern aus Leipzig. Alles hätte sich weiter entwickeln können. Es wäre möglich gewesen, diesen Komplex mit viel Grünfläche für kinderreiche Familien und ältere Herrschaften zu nutzen. Es gab eine Anfrage einer Tagesmutti, die Räume in der Reitzstraße 2 haben wollte. Und es gab sogar schon eine Zusage der GGG an die Gruppe. Es gab … gab schon vieles. Doch dann hielt es die ruhmreiche GGG nicht einmal für nötig, der Gruppe mitzuteilen, dass an die WCW verkauft wird.
Offensichtlich sind in Chemnitz Initiativen von Bürgern nicht gewollt, es sei denn, sie werden politisch von heute zugelassenen Funktionären korrekt gesteuert.
Die WCW hat gewusst, dass die Häuser unter Denkmalschutz stehen. Das Bild der Bautafel verriet jedoch nicht, wie groß der neue Komplex neben den denkmalgeschützten Häusern werden sollte und nun mittlerweile ist. Die frühere Wohnanlage hat sich der Umgebungsbebauung in Richtung Esche-Villa viel besser angepasst als diese Massivbebauung.

Neue Wohnanlage der WCW an der Johannes Reitz-Straße

Neue Wohnanlage der WCW an der Johannes Reitz-Straße

Lösungen gibt es immer, auch für die nun stiefmütterlich wirkenden Häuser Reitzstraße 2 und 4. Man muss nicht nach Industrienorm sanieren, damit es richtig teuer wird und dann die Kostenumlagen und Betriebskosten die Einkünfte der Bürger auffressen. Man muss nur vernünftig und vielleicht auch mal bescheiden bauen und dann hat so mancher Mieter wirklich etwas davon. Doch das muss man wollen und heutzutage auch wagen.
Ach ja. Es soll eine Generationenwohnanlage sein. Ich bin gespannt wo und wie groß der Spielplatz sein wird.

Michael Aurich

Kommentar SF :
Ohne Engagement der Initiative wären diese beiden Häuser auch schon verschwunden, es stellt also einen Teilerfolg dar, der immer noch umgesetzt werden kann. So wie es in den Artikeln ab 2009 angedacht war.
Siehe unter Schlagwort „Reitzstraße weitere drei Beiträge ab 2009)

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Schallschutz an der Zschopauer Straße – „Ein Verbrechen an der Menschlichkeit“

Es ist kaum vorstellbar, was den Anwohnern der Zschopauer Straße im Bereich unmittelbar nach Einmündung des Südringes von Planern und Genehmigungsbehörden angetan wird. Die Aussage eines Anwohners bringt es treffend auf den Punkt – „ein Verbrechen an der Menschlichkeit“. Welcher stadt- und verkehrsplanerische Aspekt kann und soll diesen himmelschreienden Unsinn rechtfertigen?!
Welchen Anspruch haben sich die Planer auf die Fahnen geschrieben – etwa die größtmögliche Diskriminierung der Anwohner in Beton zu errichten?
Und welche Genehmigungsbehörde kann hier ohne schlechtes Gewissen zustimmen?
Seitens der Stadt zieht man sich auf die üblichen Aussagen zum Planverfahren zurück – es habe ja keine Einsprüche von Bürgern gegeben. Mal ehrlich – welcher „normale“ Bürger durchschaut die Auslagen fachspezifischer Planunterlagen in denen gerade solche Dinge wie Schall- und Immissionsschutz geschönt dargestellt werden. Doch diese Art „Bürgerbeteiligung“ ist ja mittlerweile schon legendär für Chemnitz.
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Für dieses „Bauwerk“ sollten sich die beteiligten Planer schämen. Ob die noch als Alibi vorgesehenen Bepflanzungen etwas kaschieren können ist mehr als fraglich.
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…und später sollen mal „Baumkronen von straßenseitig begleitenden Bäumen über die Schallschutzwand wachsen“ – eine wirklich herausragende planerische Idee! apropos Bäume – da war doch was in Chemnitz…
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Viadukt Annaberger Straße/ Ecke Beckerstraße

Wir möchten Sie recht herzlich zu unserer zweiten Veranstaltung am
20.10.2013 um 15.00 Uhr in die Agricolastraße 25 in die Ausstellung VIADUKT einladen.
Abriss oder Ertüchtigung?
Unter dem Thema Auseinandersetzung mit historischen Eisenkonstruktionen berichtet Dr. Fischer über die Grundinstandsetzung des Viadukts der Hochbahnlinie U2 in Berlin – Prenzlauer Berg.
Dr. Michael Fischer ist Mitbegründer des Ingenieurbüros Lorenz und Co. Bauingenieure.
Unter Federführung dieses Ingenieurteams wurde von 1999 bis 2010 die Untersuchung, Bewertung und Ertüchtigung des 1,7km langen Viaduktes der Hochbahnlinie U2 in Berlin Prenzlauer Berg verwirklicht.
Denkmalschutz als Ingenieuraufgabe tritt uns hier als faszinierende Maxime des Handelns der Beteiligten an diesem Werk entgegen.
Den Denkmalwert auch des Tragwerkes, heißt – die ursprünglichen ingenieurtechnischen Ideen und Lösungen anzuerkennen, führte zu gezielten Weiterentwicklungen der vorhandenen Elemente.
Professor Lorenz weist in einem Editorial in einem Themenheft der Ingenieurzeitschrift Stahlbau; Juni 2011: „Stahlbau unter Denkmalschutz“ auf den Grundsatz seiner Herangehensweise hin:
„… es geht nicht darum, am Ende einer planerischen Entscheidungskette auch irgendwie noch dem Denkmalschutz Genüge zu tun…“
Dies verweist direkt auf das Thema des Vortrages von Dr. Sebastian Storz und seine Arbeit in den letzten Jahren.
Vermittlung von Wissen über Stadtgeschichte und Verwirklichung von Denkmalschutz jenseits von Alibimaßnahmen! Ohne Wissen von den Wurzeln, von der eigenen Stadtgeschichte keine Identifikation mit dem Gemeinwohl!
Wir freuen uns auf interessante Vorträge engagierter Wissenschaftler und erhoffen uns Impulse, die Deutsche Bahn von der Notwendigkeit der Neubewertung des VIADUKTES bezüglich der Ertüchtigungsmöglichkeit zu überzeugen.

Noch bis zum 22.10.2013 kann hier die Petition gegen den Abriss des Viaduktes gezeichnet werden.

bild_1_MB, Chemnitz
Foto Michael Backhaus

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Fassaden-Hickhack am Johannisplatz; der „Weinhold“-Bau der TU, ein grauer Koloss

1. Parkhaus am Johannisplatz (Freie Presse vom 12.10.2013)

Wie konsequent eine nicht unwichtige Fassade, nämlich die des neuen Parkhauses am Johannisplatz nach Verlangen vieler Seiten verwirklicht wurde und wie unsere Stadtoberen da reagieren-das ist bemerkenswert. Abgesehen davon, dass es nun im Zentrum vor Hoch-und Tiefgaragen wimmelt und noch mehr dazu kommen sollen, kann eine Fassade ein verkorkstes Stadtbild nicht retten. Aber nun zu dem Hickhack. Geplant war zuerst eine Fassade aus Metallgewebe. Diese musste infolge Kritik des Bauausschusses und des Kuratoriums für Baugestaltung vom Planer überarbeitet werden. Nun stellte der Investor eine Terrakotta-Fassade vor und kommentierte sie selbst: „Mit seiner Natursteinfassade…. fügt es sich harmonisch in die Umgebung der wertvollen Nachbargebäude-der ehemaligen Sparkasse und der alten Bundesbank ein.“ Das Parkhaus ist fertig und nun wird die fertige Fassade u.a. vom Stadtrat Herrn Dr. Füßlein und der Baubürgermeisterin Frau Wesseler ob ihrer „Hässlichkeit“ kritisiert. Auf Anfrage erklärte die Stadtverwaltung, dass der Investor den „Empfehlungen von Bauausschuss und Kuratorium nicht gefolgt ist aus Kostengründen. Dies sei nicht zu beanstanden, da es sich um ein privates Bauvorhaben handle.“ Der Frau Oberbürgermeisterin B.Ludwig aber gefällt die Fassade: „die jetzige Lösung passt an den Wall und fügt sich gut zu den Nachbargebäuden.“
Wozu braucht es da die Meinung der Bürgerschaft, des Stadtrates, der Baubürgermeisterin, des Kuratoriums und selbst des Investors, wenn der fertige Bau ganz anders in Erscheinung tritt? „Im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens habe er dann aus Kostengründen. von der Natursteinfassade Abstand genommen.“ Also eine Billiglösung zwischen seine „wertvollen Nachbargebäude“ bevorzugt. Hier drängt sich der Gedanke auf, dass die teure Lösung erst einmal eine Beruhigungspille war, um überhaupt eine Baugenehmigung zu erlangen.
Bei allen Verdiensten des Investors- mit dem Zubau der Arkaden im Rawema-Gebäude lief das ähnlich. Erst war der Stadtrat, der Bauausschuss und das Kuratorium dagegen, schließlich wurde auf Druck des Investors dem Zubau zugestimmt, was heute keine gute Lösung für die Bürger darstellt. Man läuft so gut wie ungeschützt im Regen an dem großen Klopper lang. Aber das Privatinteresse des Herrn K. setzte sich durch nach der Drohung, sich aus Chemnitz zurückzuziehen. Und so etwas wirkt immer.
So wird Stadt gestaltet!!

2. Fassade Weinhold-Bau der Technischen Universität an der Reichenhainer Straße ((FP vom 8.10.2013)

Die Presse tittelt: „Koloss in Schwarz und Grau…)

Wenn ein großes Gebäude aus DDR-Zeiten (1973) modernisiert wird für 55,25 Mill. Euro dann sollten sich alle freuen. Und das werden auch viele. Das soll gar nicht zerredet werden, dass dies ein Erfolg für die TU ist. Was aber die Baugeschichte der Umplanung des Weinhold-Baus angeht, darüber kann man auch ein Buch schreiben. Zunächst war ja der Einbau der Campusbibliothek dort geplant. Von Kennern der Deckentragfähigkeiten, wurde das gleich als obsolet angesehen. Die beauftragten Planer aus München aber brauchten geraume Zeit, um zu dieser Erkenntnis zu kommen und die jetzige Nutzung vorzusehen.
Bei der Neuplanung wurde erheblich in die Substanz eingegriffen. Es blieb nur ein Skelett übrig, der Zwischenbau musste weichen. Auch wurden zwei Geschosse abgetragen. Was uns jetzt an äußerer Erscheinung entgegentritt, erinnert in keinster Weise an den Baugedanken der früheren Planer. Man möchte meinen, dass es ein Bau einer Einrichtung ist, die es 1km weiter gibt, dem Gefängnis. Ein ausdrucksloser, grauer Koloss eben. Aber ein Ergebnis eines Wettbewerbes, das sich nun in Funktion und Gestaltung bewähren muss

Gebäude und Fassadendetails Fotos: Kay Kippig

Gebäude und Fassadendetails
Fotos: Kay Kippig

Der frühere Baukörper mit Details hier noch einmal zur Erinnerung. In einem Zeitungsartikel wird auch gesagt, dass der Weinhold-Bau zu den größten Universitätsgebäuden der DDR gehörte und in seiner Durchbildung mit Gebäuden des berühmten Architekten Le Corbusier verglichen wurde. Und so war es auch.
Die vorgestellten Sonnenblenden in der Art der „Brise soleils“, die Höhe des Baukörpers, die mittlere Gliederung und auch der Zwischenbau mit der ehemaligen Teilbibliothek für Elektrotechnik waren markante und ausdrucksvolle Bauelemente. Man hat versäumt, den Bau unter Denkmalschutz zu stellen. Unabhängig davon wäre es undenkbar gewesen, dass ein Gebäude, etwa der TU Westberlin aus den siebziger Jahren, in einer Art verhunzt würde, wie es hier geschehen ist. Es gilt nämlich dort (und auch hier!) das alte Architektenrecht des geistigen Eigentums. Die kleinste Veränderung kann der Architekt als seine geistige Schöpfung einklagen, aber hier hatte man keinen Respekt und machte, was man wollte. Es war kein Privatarchitekt, der das Haus plante, nur (!) ein Volkseigener Betrieb (Iproplan Dresden). Und so hatte man nichts zu befürchten. Es durfte nichts mehr an die DDR erinnern.

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Unterschriftenlisten liegen aus – das Tietz verweigert Auslage

Die Unterschriftenlisten zur Zeichnung der Petition für den Erhalt des historischen Eisenbahnviaduktes Annaberger/Beckerstraße liegen ab sofort an folgenden Stellen aus und können auch dort unterzeichnet werden:

Morgner Archiv Agricolastraße 25 (Öffnungszeiten: Samstags von 11:30 – 18:00 Uhr)
Café Michaelis Am Düsseldorfer Platz 1
Restaurant Brazil Innere Klosterstraße 10
Restaurant Buono Theaterstraße 7
Restaurant Heck-Art Mühlenstraße 2
Cafeteria Südeck Reichenhainer Straße 52

Das Tietz hat die Auslage der Unterschriftenlisten „aus Gründen der Neutralitätspflicht“ verweigert und meint „wegen ein paar Unterschriften rechtliche Fehler“ vermeiden zu müssen. Peinlich und beschämend für ein sogenanntes Kulturkaufhaus.

Die Petition kann weiterhin natürlich auch hier online gezeichnet werden.

Information 27 09 2013

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Historisches Eisenbahnviadukt, Annaberger Straße

Am 8. September zum Tag des offenen Denkmals 2013 informierten Sandro Schmalfuß und Frank Kotzerke vor Ort am Eisenbahnviadukt die Öffentlichkeit, anwesende Stadträte und Vertreter der Medien über die Informationslage zum von der Deutschen Bahn AG geplanten Abriss des historischen Eisenbahnviadukts Annaberger Straße und über das Zwischenergebnis der Petition „Erhalt des historischen Chemnitztalviadukts in der Chemnitzer Innenstadt – Nein zum Neubau“. Die Veranstaltung wurde gerahmt vom Spiel des bekannten Ensembles für Alte Musik, Convivium Musicum Chemnicense.
Im Anschluss fand eine Diskussionsrunde statt.
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Die Anwesenden sprachen sich gemeinsam mit den Initiatoren der Petition für einen Erhalt des historischen Viadukts aus. Es bestand Einigkeit über die Notwendigkeit der Prüfung und Abwägung aller Voraussetzungen und Möglichkeiten für einen Erhalt des Viadukts und damit über die Notwendigkeit eines unabhängigen Gutachtens zum Zustand der Konstruktion sowie über die Offenlegung der Planungen und bereits angefertigten Gutachten der Deutschen Bahn AG.

Die seit 23.04.2013 aktive Petition für den Erhalt des historischen Viaduktes fand bisher über 3900 Unterstützer. Darunter neben der Zeichnung durch ca. 2150 Chemnitzer, Unterzeichner aus der Politik, der Geschichtswissenschaft und der Architektur, so Lehrbeauftragte der Hochschulen Chemnitz, Weimar, Freiberg, Erfurt, Darmstadt, Augsburg etc.
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Wir rufen die Fraktionen des Chemnitzer Stadtrates auf, zu dieser Forderung einen gemeinsamen Konsens zu finden und diesen der Deutschen Bahn AG anzutragen.

Petition: „Erhalt des historischen Chemnitztalviadukts in der Chemnitzer Innenstadt – Nein zum Neubau“

Petition

In diesem Zusammenhang möchten wir gern auf die nächste Veranstaltung zum Erhalt des Eisenbahnviaduktes hinweisen. VIADUKT findet am 29.09. um 16.00 Uhr im „Morgner Archiv“ – Agricolastraße 25 statt und stellt sich – unter der Schirmherrschaft von Michael Morgner und seiner Frau Anke – dem Diskurs zum geplanten Abriss des markanten Baudenkmals. Den interessierten Besucher erwarten spannende Vor- und Beiträge rund um das Thema Industriedenkmal. Im Rahmen der Veranstaltung wird die Austellung „Historische Industriebauten in Chemnitz“ eröffnet, die u.a. Fotografien von HC Schink, B Kober und M Backhaus zeigt.

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Die Bäume sollen stehen bleiben ! !

Trotz 4000 Unterschriften, der Aktivitäten der BI Stadtbahn, des Stadtforums, des BUND, der Grünen, dem Widerspruch der Linken im Planungsausschuss, verschiedener bedeutender Persönlichkeiten der Stadt und des Smart Campus ignorieren einige andere „Persönlichkeiten“ den Willen der Bürger, die Allee Reichenhainer Straße nicht abzuholzen. Es gibt doch kluge und alternative Ideen, die Mittelgangallee zu erhalten und trotzdem die Straßenbahn zum Campus der TU  zu führen und weiter bis ins Umland.

Gebetsmühlenartig wiederholen und fragen wir, damit es noch mehr begreifen:

gibt es einen wirtschaftlichen Nachweis, dass die ab Erfenschlag eingleisige Straßen-Eisenbahn bis Thalheim fahren muss? An welchen Tagen und Zeiten wollen die Hauptnutzer, die Studenten denn wirklich ganz schnell von einem Campus zum Anderen?

Gibt es ein Konzept, den Verkehr auf der Reichenhainer Straße so zu beruhigen, dass vor allem die Studenten von einer Seite auf die andere können ohne Behindeungen?

Wird  das Gleisbett wieder separat gebaut, sodass man nur alle 200m darüber gehen kann (wie Bernsdorfer Str.) ?

Macht man sich Gedanken darüber, dass die Qualität der Umgebung leidet, wenn die Mittelallee nicht mehr begangen werden kann und hat man vor der langen, schönen Allee überhaupt keinen städtebaulichen Respekt, diese zu erhalten?

Nachstehend ein Vergleich, wie es dort aussehen könnte in etwa 6 Jahren.

Heute auf der Reichenhainer Straße, 13.6.2013

P1140388bP1140396bHeute in der Zwickauer Straße, 13.6.2013   – bald auf der Reichenhainer?

Wer kann hier noch Einhalt gebieten? die Stadträte? der Planungsausschuss? die/der neue Oberbürgermeister?

Noch ist nichts zu spät, wenn dem Einhalt geboten wird!

 

 

 

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Erhalt des historischen Viadukts über die Annaberger Straße in der Chemnitzer Innenstadt – Nein zum Neubau

Fragwürdiges Großprojekt – Die Deutsche Bahn AG plant Abriss des historischen Viaduktes in der Chemnitzer Innenstadt ab 2015 – Ersatzneubau soll Chemnitzer Wahrzeichen ersetzen

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Gemeinsame Petition der Bürgerinitiativen STADTFORUM CHEMNITZ und stadtbild-chemnitz.de für den Erhalt des historischen Viadukts

Auf Anfrage zu den seit Jahren ausbleibenden Erhaltungsmaßnahmen am historischen Viadukt in der Chemnitzer Innenstadt informierte Bernd Gregorzyk, Amtsleiter des Tiefbauamtes Chemnitz am 03.04.2013, dass die Stadtverwaltung Chemnitz in Vorbereitung des Abrisses  und der Errichtung eines neuen Brückenbauwerkes derzeit Verhandlungen zu den Planungs- und Kreuzungsvereinbarungen für die Baumaßnahme mit der DB ProjektBau führt.
Das Viadukt ist Bestandteil des letzten noch auszubauenden Streckenabschnittes der Sachsen-Franken-Magistrale im Stadtgebiet von Chemnitz. Dieser Abschnitt wurde wegen der hohen Investitionskosten bisher von der Deutschen Bahn AG zurückgestellt. Im Jahr 2012 informierte die Deutsche Bahn AG die Stadtverwaltung, dass der auszubauende Streckenabschnitt von der Augustusburger Straße bis zur Reichsstraße ab 2013 planerisch vorbereitet wird. Mit einem Baubeginn ist ab 2015 zu rechnen.
In diesem Zusammenhang ist geplant für den Bau eines neuen Eisenbahnviaduktes über die Chemnitz, die Annaberger Straße und die Beckerstraße als Ersatz für das historische Viadukt den Siegerentwurf von Krebs & Kiefer, beratende Ingenieure, Darmstadt, aus dem gemeinsamen Architekturwettbewerb der Deutschen Bahn AG und der Stadtverwaltung Chemnitz aus dem Jahr 2003 umzusetzen.

Bei dem 1906 errichteten, ca. 250 m langen Viadukt handelt es sich um eines der bedeutendsten historischen technischen Bauwerke Sachsens. Das Viadukt wurde zeitgleich mit einer ganzen Reihe von Großbauten in Chemnitz, wie dem Neuen Rathaus, dem Opernhaus und dem König Albert Museum Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet und gehört zu den Bauten, die den Ruf der Stadt Chemnitz als moderne Großstadt begründeten.
Es ist Teil des Denkmalensembles Eisenbahnviadukt, Wirkbau, ehemals Schubert & Salzer und der historischen Fabriken an der Beckerstraße.
Dieser Viadukt war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein Imageträger der Stadt Chemnitz und erschien damals in zahlreichen Broschüren der Stadtverwaltung Chemnitz und auf einer Vielzahl von Postkarten.
Vielen Chemnitzern gilt der Viadukt als ein nicht weg zu denkendes Wahrzeichen der Stadt. Es ist ein historischer Beweis für die ehemalige Leistungsfähigkeit und die Größe der Stadt Chemnitz.
Der Entwurf für das neue Bauwerk von Krebs & Kiefer wird der architektonischen Qualität und der Tradition des historischen Bauwerks nicht gerecht.
In einem Erhalt und der Sanierung des historischen Viadukts liegt weit mehr als die Chance des Ausbaus einer Eisenbahnstrecke, nämlich die der dringend notwendigen Attraktivitätssteigerung der Stadt Chemnitz.

Begründung:

Wir fordern, dass die Planungen für die Baumaßnahme ausgesetzt werden, dass die Öffentlichkeit an der Entscheidung für eine derart nachhaltige Veränderung in der Chemnitzer Innenstadt, die den Verlust eines der wichtigsten Chemnitzer Baudenkmale bedeutet, beteiligt wird und vor allem, dass die Gutachten, welche zur Einschätzung führten, dass der Viadukt nicht mehr zu ertüchtigen sei, von unabhängiger Seite überprüft werden und der Vergleich der Kosten zwischen Neubau und Erhalt öffentlich dargelegt wird. Wir regen an, dass Chemnitzer Kompetenzen eingebunden werden, so die TU Chemnitz, wo u. a. ein Forschungscluster zur Materialforschung existiert.
Mehr als 10 Jahre nach der Erstellung der Gutachten zum Zustand des Viaduktes, welches in dieser Zeit weiter genutzt wurde, gibt es veränderte Fördermöglichkeiten für die Bestandssanierung historischer Brückenbauwerke sowie neue Technologien und Experten die das historische Bauwerk für eine weitere Nutzung ertüchtigen können. Es handelt sich um ein Bauwerk aus massivem, genieteten Stahl.
Das ist eine Aufgabe, die dem Anspruch der Stadt Chemnitz als Stadt der Moderne in der Tradition der Zeit, in dem der Viadukt entstand, Verpflichtung sein muss.

Zur Unterstützung des Erhaltes des stadtbildprägenden Viaduktes bitten wir um Zeichnung der Petition.

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Beirat für Baugestaltung tot, Auferstehung aber gewollt !

Nicht nur das Stadtforum hatte vor längerer Zeit darauf gedrungen, analog wie in Leipzig einen Beirat für Baugestaltung zu bilden. Dieser existiert dort seit Jahren und die Zusammenarbeit der interessierten Seiten scheint von Vertrauen geprägt zu sein.

Vor über zwei Jahren entschloss sich der Stadtrat, ein solches Gremium zu bilden. Aber man hatte trotz der Leipziger Erfahrungen auf eigene Strukturen gebaut: Zuerst erhielt das Kind den hochtrabenden Namen „Kuratorium“. Dann war man hier sehr skeptisch über externe Beiräte, welche auch noch stimmberechtigt sein sollten. Das ging gar nicht. Ergebnis war eine große Besetzung, denn hiesige Häuptlinge wollten unbedingt mitreden. Und so wurde es ein relativ großer Haufen, der über 10 Mal tagte und das Programm von der Stadt unter „Wahrung der Vertraulichkeit“ vorgegeben erhielt. Pro Sitzung wurden erhebliche Mittel verbraucht. Man hatte das Wirken der Leipziger weder begriffen noch aufnehmen wollen.

Die Spesen für auswärtige Gäste waren nicht gering. Durchaus hochkarätige Fachleute berieten über bestimmte Themen, welche aber oft nicht die wahren städtebaulichen Probleme trafen. War das Kuratorium beteiligt worden an der Ideenfindung des Brühlgebietes, der Aktienspinnerei, der Beurteilung der Wettbewerbsarbeiten?

Die innerstädtischen Verkehrsprobleme wurden z.T. untersucht,  aber noch lange nicht ausreichend bearbeitet. Auch die 39 bestehenden Stadtgebiete benötigen alle mehr Zuwendung und Überlegungen, um Stadtbild, Verkehrs-und Wohnverhältnisse  zu verbessern.

Man erhielt den Eindruck, dass Nebenschauplätze beackert wurden. Nun ist die Zeit abgelaufen, aber die Probleme werden nicht geringer werden in den nächsten Jahren.

Auf der Abschiedsvorstellung  im Ratssaal sprachen sich  auch die Stadträte Dr. Füßlein (FDP), Herr Möstl(SPD) und Herr Scherzberg (Die Linke) sowie mehrere Bürger für einen Fortbestand des Beirates für Baugestaltung mit einer effektiven Struktur aus. Die Kosten sollten wesentlich reduziert werden.

Wir erwarten an dieser Stelle, dass die Frau Oberbürgermeisterin und der Stadtrat im Interesse der besseren Entwicklung bald einen Beschluss zum Fortbestehen des Beirates verabschieden.

 

 

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Zum Wettbewerb Zentralbibliothek der TU Chemnitz

Das Land Sachsen kauft das Flurstück „Alte Aktienspinnerei“ und lobt einen Architekturwettbewerb für die Umnutzung in die Zentralbibliothek der TU Chemnitz aus mit begleitender städtebaulicher Konzeption des Umfeldes. Wird das ein Glücksfall?

Bis 1960 gab es nur einen Campus für die damalige Technische Hochschule Karl-Marx-Stadt, den Altstandort. Dort gab es also bereits eine Zentralbibliothek. In über 50 Jahren wurde der 2. Campus errichtet um die Reichenhainer Straße, in 3 km Luftlinie entfernt. Der Campus 1 ist nicht erweiterungsfähig, der neue Campus aber schon. Ein  modernes Auditorium Maximum ziert ihn seit einiger Zeit und dahinter hätten sich viele die neue Zentralbibliothek gewünscht. Diese ist notwendig geworden, da es zu viele Einzelbibliotheken gibt. Von Seiten der Stadt kommt das Anliegen, das Brühlgebiet und die alte Aktienspinnerei wieder zu beleben.  Für den Umbau der Aktsp. zu einer Biblio. gibt es städtebauliche Fördermittel, für einen Neubau aber nicht. Am Brühl sollen wieder Geschäfte und Wohnungen ein  quirliges Leben schaffen im Zusammenhang mit der neuen Bibliothek.  Die Verbindung der beiden Campus schafft eine neue Straßenbahnlinie, die gleich noch nach Thalheim geführt werden kann. Deshalb gibt es auch dafür Fördermittel.

Das sind die Visionen, in vielen Sitzungen und Kolloquien begründet und sie scheinen optimal. Sogar Albert Speer d.J. wurde dafür gewonnen, der gleich noch die Quartierbebauung entlang der Mühlenstr. empfahl. Deshalb werden Abrisse von kleinen Wohnungen in Plattenbauten dort gerade vorgenommen.(!)

Der Wettbewerb ist abgeschlossen, die Preisträger froh über recht viel Geld und alle sind zufrieden.  – Wirklich?

Alle sind auf jeden Fall froh, dass das alte Gebäude wieder genutzt werden soll. Von Seiten der Nutzer aber scheint die Bibliothek doch recht weit weg vom Hauptcampus, wie ein Studentenvertreter äußerte. Angesichts der knappen Zeiten zwischen Vorlesung, Seminar, Essen und Wohnung. Kostenlos fährt die Straßenbahn auch nicht. Über die Führung der Trasse gibt es auch Differenzen, müsste doch die Baumallee Reichenhainer Str. gefällt werden.

Vom 5. bis 15.2. hatten die Bürger die Möglichkeit, sich die Arbeiten anzusehen. Von 26 Arbeiten wurden erst einmal acht (!) ausgeschlossen, da sie nicht die Anforderungen der Auslobung erfüllten. Das kann man machen, üblich ist das nicht, zumal da gerade sehr gute Arbeiten unter den Tisch fielen.   Und jetzt ist etwas zum 1. Preis im Wettbewerb zu sagen:

Die Bilder sprechen für sich. Denkmalschutz in Ehren, aber eine wirkliche Modernität haben andere Entwürfe gezeigt. Die symmetrische Anordnung der Bauten entspricht nicht den heutigen städtebaulichen Ambitionen.  Das ist zu klotzig und altmodisch gedacht. Ist das nicht eine Formensprache der fünfziger oder gar dreißiger Jahre? Die Funktionalität zwischen den Einzelbauten scheint auch nicht gegeben. Es wird wertvoller Platz verschenkt im Erdgeschoss, das alte Treppenhaus wird entkernt mit seinen reizvollen Strukturen und erhält nur eine Zwischendecke mit großer Deckenhöhe im Lesesaal.

Der Artikel der Pressestelle der TU Chemnitz vom 12.12.2012 „Die Nutzer in den Mittelpunkt stellen“ gibt treffende Worte der Frau Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig wieder, die aber zu wenig beherzigt wurden bei der Bewertung der Arbeiten. Fachleute, Bibliotheks-Sachkundige waren wohl zu wenige oder gar nicht im Preisgericht. Dass die Baubürgermeisterin und die Denkmalbehörde ferngehalten wurden ist ein Skandal. Hier werden Steuermittel verbaut. Deshalb muss nachgebessert werden um berechtigte Hinweise zu realisieren.


Siegerentwurf


Modell des Siegerentwurfes

Am Dienstag haben sich Mitglieder des Stadtforums und der Architektenkammer Kammergruppe Chemnitz nochmal in den Ausstellungsräumen eingefunden und über die verschiedenen Entwürfe diskutiert. Dabei wurden weitestgehend die Wettbewerbsbeiträge, die mit dem Erscheinungsbild einschließlich des Umfeldes sensibel umgehen, positiv bewertet. Dabei spielt neben der Fassadenansicht der Aktienspinnerei selbst der derzeitige Busbahnhof eine wichtige Rolle. Hier haben einige Beiträge besonderes Augenmerk auf die bauliche Entspannung des Platzes gelegt, d.h. auf keine weitere Addition von Gebäuden, sondern auf GRÜN, Freiraum und den Erhalt der heutigen Wartehalle mit dem markanten Hängewerk des Daches. Dabei wurden notwendige Nebengebäude hinter der Aktienspinnerei platziert und somit die Dominanz dieses wichtigen Industriedenkmals erhalten.


Beispiel einer sensiblen Entwurfshaltung, Teilnehmer 1019, Heule u. P., Dresden


Ein weiterer Entwurf mit einer weitsichtigen Gestaltung des Vorplatzes, Teilnehmer 1002, J. Engel, Braunschweig


Modell dieses Entwurfs

 

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